Angreifer ist bekannt

Haus mit Steinen beworfen: "Das ist Horror"

Steinwürfe, Schläge, Bedrohungen – die Familie von Hassan Shariati leidet seit Wochen unter dem Terror eines Mannes, dem er einst geholfen hatte.

  • Von Benjamin Behrens
  • 31. Mai 2022 | 09:55 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 31. Mai 2022 | 09:55 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Klein Hehlen.

Inzwischen ist es eine ganze Sammlung. Acht Steine hat er in einem Plastikeimer aufbewahrt. In einem zweiten Eimer liegen Glasscherben. Sieben Mal wurden in den vergangenen Wochen Fensterscheiben an der Doppelhaushälfte eingeworfen, einmal wurde Hassan Shariati körperlich angegriffen, zuletzt kamen Mord-Drohungen per Whatsapp auch gegen die Frau und Kinder des Deutsch-Iraners. „Das ist Horror“, sagt der 44-Jährige. Die Polizei ermittelt.

Shariati kennt Angreifer aus der Flüchtlingshilfe

Shariati kennt den Mann, der ihn, seine Frau und die zwei Kinder bedroht und ihr Wohnhaus beschädigt. Als dieser vor drei Jahren Streit mit einem Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft hatte, versuchte Shariati zu vermitteln. Auch danach trafen er und der Mann immer wieder aufeinander. Shariati engagierte sich als Übersetzer in der Flüchtlingshilfe und half etwa bei Behördenangelegenheiten. „Ich habe ihm bei Bewerbungsschreiben geholfen.“

2012 war der vom Islam zum Christentum konvertierte Celler selbst aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Seit 2014 lebten er und seine Familie in Celle. Im Iran war er bei einer Zuliefererfirma für die Autoindustrie tätig, hatte rund 200 Mitarbeiter. Heute arbeitet der Maschinenbau-Ingenieur bei Lobetal. Vor eineinhalb Jahren konnte die Familie ihr Eigenheim kaufen, Shariati renoviert es derzeit in Eigenregie.

Terrorserie beginnt mit plötzlichem Angriff

Auch am 16. April, einem Samstag, war er bei der Arbeit, als der Horror begann. „Ich war bei der Renovierungen im Bad. Wir wollten noch diesen Monat umziehen, aber leider hat das nicht geklappt“, erinnert sich Shariati. Vor der Haustür hörte er ein Geräusch, als ob ein Gegenstand umgefallen sei. Der Heimwerker dachte an seine vor der Tür gelagerten Fliesen und ging nachsehen. Was dann passierte, schildert das Angriffsopfer auch der Polizei, die Anzeigen wegen Sachbeschädigung und vorsätzlicher Körperverletzung aufnimmt.

Blutige Verletzungen an Ohr, Hals und Gesicht

Mehrmals tritt der Angreifer gegen die Haustür, drängt Shariati zurück in den Hausflur, in der Hand hält er eine Fliese. Im Flur kommt es zum Handgemenge. „Er hat mich geschlagen.“ Shariati kann verletzt seinen Angreifer hinausdrängen und versucht zu deeskalieren. „Ich habe meinem Nachbarn zugerufen, dass er die Polizei rufen soll“, sagt der Betroffene. Er blutete am Ohr und am Hals, auch im Gesicht gab es Verletzungen. Als die Polizeisirenen zu hören sind, flüchtet der Angreifer. Fünfmal hat Shariati den Angreifer inzwischen angezeigt.

„Es gab keinen Streit, bis jetzt war alles gut“

Warum er und seine Familie zum Ziel wurden, kann sich Shariati nicht erklären. „Es gab keinen Streit, bis jetzt war alles gut“, sagt Shariati. Eine Vermutung hat er allerdings: Als der Ehrenamtliche den Angreifer vor ein paar Woche zu einem Termin fährt, versucht dieser plötzlich aus dem Auto zu springen. „Ich habe ihm gesagt, du brauchst Hilfe“, so Shariati.

Nachbarn erleben Terror mit

„Ich habe das schon des Öfteren mitbekommen, dass Fenster mit Steinen eingeworfen oder Brettern eingeschlagen wurden“, sagt Georgina Schmücker, Nachbarin der Familie. „Bei uns wurde eine Figur im Garten kaputtgeschmissen“, sagt Schmücker.

„Es ist einfach furchtbar. Was, wenn einer dieser Steine eine Person trifft, die wiegen doch zwei, drei Kilo“, fürchtet Shariati. Sieben Mal wurden Fenster eingeworfen, zuletzt am Samstag. Manche der kaputten Scheiben sind mit Brettern verschraubt. Noch heile Scheiben hat der Deutsch-Iraner mit Dämmstoffplatten und Gittern so gut wie möglich gesichert.

Familie fühlt sich hilflos

„Was soll ich denn gegen so jemanden machen? Ich muss warten, bis der Staat eingreift“, sagt Shariati. „Das geht nicht, das ist strafbar in Deutschland, und ich bin Deutscher. Ich brauche Hilfe.“