Pure Handarbeit

Ludwig Albel baut Mini-Orgeln aus Holz

Eins seiner Kunstwerke ist ein Nachbau der Orgel aus der Elisabethkirche in Marburg. Das war der Wunsch seiner verstorbenen Frau.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 21. Okt. 2021 | 09:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 21. Okt. 2021 | 09:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Orgeln haben Ludwig Albel schon immer fasziniert. Hätte man den heute 82-Jährigen während seiner Schulzeit gefragt, was er denn mal werden möchte – die Antwort wäre eindeutig gewesen. „Ich habe davon geträumt, Organist zu werden“, erzählt er. „Aber meine Mutter hatte damals nach dem Krieg vier Kinder, die sie durchboxen musste. Da war für solch einen Job kein Platz.“

Vom OP-Tisch an die Orgel

Statt also die Kunst des Orgelspielens zu erlernen, fing der junge Albel, der streng katholisch erzogen wurde, an, als Operationstechnischer Assistent zu arbeiten. Bis zu seiner Pensionierung stand er im Allgemeinen Krankenhaus Celle am OP-Tisch und unterstützte die Chirurgen. Doch so ganz losgelassen hat ihn die Welt der Orgeln nie. Gemeinsam mit seiner Frau besuchte er zahlreiche Kirchen, schaute sich die Instrumente ganz genau an. So auch an einem Nachmittag, als er in der Celler Altstadt eigentlich nur ein bisschen Zeit überbrücken wollte. „Ich hörte, dass die Stadtkirche renoviert wird und dachte, das kann ich mir ja mal ansehen“, erinnert er sich. „Als ich mir dann die Orgel genauer angesehen habe, hat es irgendwie Klick gemacht. Ich wollte darauf richtig spielen können.“

Galerie Halbach auf Großem Plan als Inspiration

Bei einem weiteren Bummel durch die Fußgängerzone blieb Albels Blick dann eines Tages an einem kleinen Kunstwerk im Schaufenster der Galerie Halbach am Großen Plan hängen. „Ich sah eine Gruppe von Holzengeln aus dem Erzgebirge und eine große Weihnachtspyramide und irgendwie entstand da in meinem Kopf die Idee, dass es doch schön wäre, wenn es auch Miniatur-Orgeln fürs Wohnzimmer gäbe.“ Da ihn der Gedanke daran nicht mehr losließ, begann er zu werkeln. „Ich habe dutzende Skizzen gemacht, habe ausführlich recherchiert, welche Materialien ich nutzen könnte und habe dann einfach einmal angefangen“

Orgeln bestehen aus Sperrholz

Aus „einfach mal anfangen“ wurde beinahe ein halbes Jahr Arbeit. „Ich habe Entwürfe über Entwürfe gemacht, das ist alles rein aus meiner Fantasie entstanden“, berichtet der Celler. „Die Orgeln bestehen komplett aus Holz, ich habe also gefräst, geschliffen und lackiert was das Zeug hält. Man muss dabei auf so viel achten, mir ist es beispielsweise immens wichtig, dass die Proportionen stimmen.“ Sein größtes Kunstwerk zählt stolze 151 Orgelpfeifen. „Jede dieser Pfeifen hatte ich bestimmt fünf, sechs Mal in der Hand, bis sie fertig waren. Das ist Kleinstarbeit, pure Handarbeit. Aber dieses filigrane Arbeiten liegt mir, habe ich ja in meinem Beruf auch eine ganze Weile gemacht.“

Marburger Orgel ist einziges reales Modell

Ein bisschen anders war die Ausgangsposition bei einer seiner liebsten Orgeln. Der einzige Nachbau einer tatsächlich existierenden. „Meine Frau sah die Orgel aus der Marburger Elisabethkirche in einem Kalender und fragte mich, ob ich diese nicht nachbauen könnte“, erzählt Albel. „Ich habe mich dann dran gemacht, leider ist meine Frau während dieser Zeit gestorben, so dass sie das fertige Kunstwerk nicht mehr bestaunen konnte.“ Das Marburger Modell ist bis heute Albels letzte Orgel. Ihm fehle inzwischen die Zeit, außerdem wisse er nicht wohin damit. Ausstellungen wie aktuell im Notenkeller seien selten. „Sie sind zu schade, um sie in Kartons im Keller zu stapeln, aber in meinem Wohnzimmer kann ich sie auch nicht alle aufbauen.“ Verkaufen kommt für den Renter ebenfalls nicht infrage. „Wie soll man denn all die Arbeitszeit bezahlen? So viel Geld will doch niemand dafür ausgeben“, glaubt er. Außerdem hängt er an einigen Orgeln. „Die Marburger Orgel zum Beispiel, die baue ich jedes Jahr zu Weihnachten gemeinsam mit den Engelchen in meinem Wohnzimmer auf. Und diese Tradition werde ich auch beibehalten.“