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Celle Stadt Geschäftsleute verheddern sich im Vorschriften-Dickicht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geschäftsleute verheddern sich im Vorschriften-Dickicht
14:55 13.06.2010
Von Michael Ende
Lotto-Laden Kruggel hat Ärger mit der Stadt
Lotto-Laden Kruggel hat Ärger mit der Stadt Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Dass am Sonntag Kunden-Massen im „Ausflugsort“ Celler City unterwegs sein werden, ist angesichts der Jahreszeit und des Wetters eher unwahrscheinlich. Zu einem Stadtbummel dürften sich aber Kontrolleure der Verwaltung aufmachen. Sie suchen unter den Einzelhändlern Sortiments- und Zeit-Sünder. Und da die Regelung darüber, was an Ausflugsort-Verkaufssontagen verkauft werden darf, schwammig formuliert ist, werden die Ordnungshüter auch immer wieder fündig: Kaufleute verheddern sich im Vorschriften-Dickicht.

Bernd Kruggel betreibt in der Westcellertorstraße einen Kiosk, in dem er Zeitschriften, Postkarten und Tabakwaren verkauft und Lottoscheine annimmt. Am Sonntag, 6. Dezember hatte er seinen Laden von 10.30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet – und geriet so ins Visier des Ordnungsamtes. Da es sich um keinen „Ausflugsorte“-Sonntag gehandelt habe, hätte er nur drei Stunden öffnen dürfen, wurde Kruggel belehrt. Kruggel hatte an nichts Böses gedacht. „Wer soll den Kuddelmuddel denn verstehen?, fragt Kruggel, dem demnächst ein Bußgeldbescheid ins Haus flattern wird, verunsichert. „Meine Kollegen, die auch Kioske betreiben – und das sonntags zum Beispiel sogar von 8 bis 21 Uhr– haben mich nur mit großen Augen angeguckt, als ich ihnen erzählte, dass ich jetzt Ärger mit der Stadt habe.“

Diese Kollegen werden sich bald erneut die Augen reiben. Denn auch sie bekämen es jetzt mit der Stadt zu tun, so die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner: Man werde Kruggels „Hinweis“ nachgehen und nun auch andere Innenstadt-Kioske hinsichtlich ihrer Öffnungszeiten an die Kandarre nehmen.

„Ausflugsort“-Ärger hat auch Matthias Bock, der den „Rasiererspezialist“ am Großen Plan betreibt. „Ich hatte an einem solchen Sonntag geöffnet, weil ich der Meinung war, Rasierer fielen unter die Rubrik Hygieneartikel, die man verkaufen darf. Das wurde mir sogar vorher vom Citymanagement so bestätigt.“ Das Ordnungsamt war anderer Meinung. Bock: „Anstatt mich einfach über einen möglichen Fehler zu aufzuklären, droht man mir jetzt ein Ordnungsgeld von bis zu 15000 Euro an.“ Bock hat einen Anwalt eingeschaltet. Und sonntags, so meint er, habe er auch Besseres zu tun, als im Laden zu stehen und sich dafür auch noch bestrafen zu lassen: „Ich bin sowieso kein Freund von Sonntagsöffnungen.“

Und die Kunden? Sie werden sich überlegen, sonntags einen Ausflug in die „zerregelte“ Stadt zu machen, in eine City, in der etwa Juweliere Schmuck, aber auf keinen Fall die daneben liegenden Uhren verkaufen dürfen: Wer soll das auch verstehen?

„Waren des täglichen Bedarfs“ – ein weites Feld, das Kontrolleure sonntags beackern

Innerhalb eines als „Ausflugsort“ anerkannten Bereichs wie der Celler Innenstadt dürfen laut Gesetz im Zeitraum vom 15. Dezember bis 31. Oktober mit Ausnahme des Karfreitags und ersten Weihnachtsfeiertags für die Dauer von täglich acht Stunden Verkaufsstellen an Sonn- und Feiertagen für den Verkauf von - Waren des täglichen Kleinbedarfs, Bekleidungsartikeln und Schmuck, Devotionalien und Waren, die für den Ort kennzeichnend sind (zum Beispiel Reiseandenken) geöffnet sein.