Volkskrankheit

Wenn das Herz unter Druck steht

Bluthochdruck verläuft trotz hoher Werte häufig ohne Beschwerden und bleibt deshalb jahrelang unbehandelt. Das kann gefährlich werden.

  • Von Jürgen Poestges
  • 31. Okt. 2021 | 16:34 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 31. Okt. 2021 | 16:34 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland hat einen zu hohen Blutdruck. In vielen Fällen, ohne dass die Betroffenen es wissen. Das ist besorgniserregend, denn die häufigste Volkskrankheit Bluthochdruck gilt als wesentlicher Grund für einen vorzeitigen Tod und ist einer der Haupt-Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirnblutung, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder andere Erkrankungen wie Nierenversagen. Darauf wollen die Deutsche Herzstiftung und die Cellesche Zeitung im Monat November aufmerksam machen.

"Mit Medikamenten und gesundem Lebensstil gut behandelbar"

„Leider führen oft erst die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Hochdrucks die betroffenen Personen zum Arzt. Dem wollen wir mit gezielter Aufklärung entgegenwirken", betont Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. "Bluthochdruck lässt sich mit Hilfe von Medikamenten und einem gesunden Lebensstil sehr gut behandeln. Wir wollen die Öffentlichkeit für die Gefahren des Bluthochdrucks sowie für die Wichtigkeit der Blutdruckmessung und der konsequenten Behandlung und Prävention sensibilisieren.“

Aufklärungskampagne im Landkreis Celle

Vom 1. bis zum 30. November informiert Deutschlands größte Aufklärungskampagne auf dem Gebiet der Herzerkrankungen unter dem Motto „Herz unter Druck“ mit kostenfreien Informationen und mehreren hundert Aktionen von Kliniken, Arztpraxen und Gesundheitsinstitutionen über die Volkskrankheit Bluthochdruck. So finden im Landkreis Celle unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Eberhard Schulz, Chefarzt der Kardiologie im Allgemeinen Krankenhaus (AKH), drei Vortragsveranstaltungen statt. Neben Schulz referieren dabei die AKH-Oberärztin Dr. Annegret Runde sowie die niedergelassenen Celler Kardiologen Dr. Ralf Aring, Dr. Andreas Gaede und Dr. Pascal Struckmeier.

Blutdruck sollte regelmäßig gemessen werden

"Bluthochdruck kann trotz hoher Blutdruckwerte ohne Beschwerden verlaufen und deshalb jahrelang unbehandelt oder gar unentdeckt bleiben", weiß der Chefarzt. "Jeder sollte deshalb seinen Blutdruck kennen und ihn ab 40 regelmäßig messen oder beim Arzt messen lassen. Bei familiärer Vorbelastung ist eine routinemäßige Untersuchung des Blutdrucks auch schon früher sinnvoll."

Das Problem: „Millionen von Männern und Frauen kennen ihren Blutdruck überhaupt nicht, weil sie ihn nicht messen lassen. Sie laufen Gefahr einer schleichenden schwerwiegenden Schädigung ihrer Gefäße und Organe“, so Schulz. Je älter ein Mensch werde, desto wahrscheinlicher werde es, dass er Bluthochdruck entwickelt. Bei den über 60-Jährigen liege der Anteil der Menschen mit Bluthochdruck bei über 60 Prozent. "Wir appellieren deshalb an alle Menschen, regelmäßig ihren Blutdruck zu messen. Bei jedem Arztbesuch kann man darum bitten.“

Inkonsequente Einnahme von Medikamenten

Die inkonsequente Einnahme blutdrucksenkender Medikamente ist für den AKH-Chefarzt ein weiterer kritischer Punkt: Bluthochdruckpatienten nehmen oftmals ihre Medikamente – wegen tatsächlicher oder vermuteter Nebenwirkungen – nicht, vermindern die Dosierung eigenständig oder brechen die Therapie ganz ab. "Häufig sind den Patienten die Wirkungen und Nebenwirkungen der Blutdruckmedikamente nicht ausreichend bekannt", vermutet Eberhard Schulz.

Wie kann man Blutdruck positiv beeinflussen?

Mit den bevorstehenden Informationsveranstaltungen, die sich an Patienten, Angehörige und Interessierte richten, will Schulz gemeinsam mit Kollegen aus dem AKH sowie niedergelassenen Kardiologen über Ursachen, Diagnose und Therapien des Bluthochdrucks informieren. Dabei wird es um Behandlungsmöglichkeiten gehen, aber auch um Tipps, wie man seinen Blutdruck positiv beeinflussen kann. Hier hat Prof. Schulz drei konkrete Empfehlungen: "Bewegen Sie sich regelmäßig und sitzen Sie weniger, hören Sie mit dem Rauchen auf, essen Sie gesünder, vermeiden Sie Übergewicht und integrieren Sie ausreichend Entspannung in Ihren Alltag."

Zuhörer können Experten Fragen stellen

Im Anschluss an die Kurzreferate der Experten werden die Zuhörer jeweils die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen. Die Moderation übernimmt CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber.

Infoabende rund um das Thema Bluthochdruck finden am Mittwoch, 3. November, im Gymnasium Lachendorf, am Mittwoch, 17. November, 19 Uhr, in Celle im Hermann-Billung-Gymnasium sowie am Mittwoch, 24. November, um 19 Uhr in der Oberschule Winsen statt. Der Eintritt ist frei – es gilt die 3-G-Regel.