Stilles Gedenken

Celler erinnern an Opfer von Hanau

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. In den Celler Triftanlagen wurde für sie eine Gedenkstätte errichtet.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 19. Feb. 2021 | 17:46 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 19. Feb. 2021 | 17:46 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Vor einem Jahr kam es im hessischen Hanau zu einem rassistischen Anschlag, bei dem neun Menschen mit Migrationshintergrund ums Leben kamen. Bundesweit werden in diesen Tagen verschiedene Gedenkveranstaltungen organisiert. Auch in den Celler Triftanlagen wurde am Freitag eine Gedenkstätte errichtet, die noch bis Sonntag dort stehenbleiben soll.

Ort stillen Gedenkens

An einem Baum hängen und liegen die Bilder der Toten. Daneben gibt es Blumen, Kerzen und Botschaften mit Forderungen nach mehr Gerechtigkeit und Konsequenzen. Alles grenzt direkt an einen Gehweg, sodass immer wieder Menschen kurz anhalten. "Wir haben uns bewusst gegen eine Kundgebung entschieden, sondern wollten einen Ort stillen Gedenkens schaffen", erklärt Emily Nana Töngi, eine der Organisatoren. Hinter der Celler Aktion steht keine feste Initiative, sondern Mitglieder verschiedener Ortsgruppen wie "Fridays for Future", "Gemeinsam kämpfen" und "Rheinmetall entwaffnen".

Der Gedenkort wurde unter anderem deshalb gewählt, da im im April 2020 nur unweit der Triftanlagen der 15-Jährige Arkan mit einem Messer tödlich verletzt wurde. Das Organisationsteam möchte, dass eine Erinnerungskultur geschaffen wird und hofft, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. "Wir wünschen uns, dass viele am Wochenende vorbeikommen und sich einen kurzen Moment Zeit nehmen, um inne zu halten", so Töngi. Schon am Freitag wurden erste Blumen und Kerzen hingestellt, die nicht von den Organisatoren kamen. "Daran sieht man, dass die Menschen das hier offensichtlich annehmen", freut sich Töngi.

Tat mit rassistischem Hintergrund

Die Gruppe aus jungen Cellern unterstützt damit die Initiative "19. Februar Hanau", die von Angehörigen und Überlebenden gegründet wurde und dadurch auf den Rassismus in Deutschland aufmerksam machen möchte. Unter den Opfern von Hanau waren sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige mit einer Zuwanderungsgeschichte. Der Täter hatte Botschaften veröffentlicht, die klar auf ein rassistisches Motiv hindeuteten.

Plakate erinnern an Opfer

Später tötete er mutmaßlich auch seine Mutter und danach sich selbst. "Den Tod der Mutter betrachten wir als Femizid, als ein weiteres Zeichen für Gewalt an Frauen. Bei unserer Aktion gedenken wir aber ausschließlich den Opfern der rassistischen Morde", erklärt Töngi. Auch andernorts wird an den 19. Februar erinnert. In vielen Städten sind Plakate aufgetaucht, die die Gesichter der Verstorbenen zeigen. In Celle ist dies unter anderem am Bücherschrank bei den Triftanlagen der Fall.

Von Lisa Brautmeier

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