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Celle Stadt Freiheit mit Grenzen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Freiheit mit Grenzen
15:01 13.06.2010
Celle Stadt

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Unvergessen ist der Song von Reinhard Mey, in dessen Refrain dieser Vers immer wieder vorkommt. Doch in diesen Tagen macht die Natur uns klar: Ihr Menschen, eure Freiheit hat Grenzen – in diesem Fall auch und gerade über den Wolken. Die Aschewolke des „Eyjafjallajökull“, eines Feuer speienden Vulkans auf Island mit einem so unaussprechlichen Namen, zwingt zivile Verkehrs- wie Militärflugzeuge in vielen Ländern Europas am Boden zu bleiben.

Dieses nicht zu verhindernde Naturereignis führt uns deutlich vor Augen, welch kleine Menschen wir doch sind. Unsere Bedeutung wird auf eindrucksvolle Weise zurechtgestutzt. Wir können eben nicht alles regeln. Der feste Glaube, immer und überall die Dinge im Griff zu haben auf dem Planeten Erde, wird gerade eindrucksvoll widerlegt. So etwas wie klammheimliche Freude kommt auf bei einem, den die Folgen nicht direkt betreffen. Weil hier die Natur ihre Muskeln spielen lässt, ohne dass dabei gleich zigtausende Menschen ihr Leben lassen müssen – wie bei schweren Erdbeben, heftigen Stürmen oder Überschwemmungskatastrophen.

So schlimm es für den Einzelnen auch sein mag, auf Reisen gestrandet zu sein: Viele Flugpassagiere nehmen es mit Humor und gestehen sich ein, dass sie ihre Lage nicht ändern können, weil es sich um „höhere Gewalt“ handelt. Sie sollten es halten wie Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin musste auf ihrer Rückreise aus Amerika in Lissabon landen und wird mit dem Satz zitiert: „Ich nehme es, wie es kommt“.

Wirtschaftlich gilt einmal mehr: Des einen Schaden ist des anderen Gewinn: Wohl selten erlebte die Bahn einen solchen Ansturm auf ihre Fernzüge wie in diesen flugfreien Tagen.

Von Hans-Jürgen Galisch