Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Feige und hinterhältig
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Feige und hinterhältig
14:48 13.06.2010
Celle Stadt

Ursprünglich sollten sie einmal Schulen, Brücken und Wasserleitungen bauen, um dem über Jahrzehnte geschundenen afghanischen Volk ein besseres Leben möglich zu machen. Jetzt sind sie tot: Vier weitere Bundeswehrsoldaten verloren gestern bei dem gerade auch für die Deutschen immer gefährlicher werdenden Einsatz am fernen Hindukusch ihr Leben. Sie sind die Nummern 40, 41, 42 und 43 auf der Liste mit den gefallenen deutschen Soldaten seit Beginn der Auslandsmission vor acht Jahren. Noch keine 14 Tage sind vergangen, seit am Karfreitag drei ihrer Kameraden an anderer Stelle von Taliban­kämpfer getötet wurden.

Die Bundeswehr ist in einem Krieg angekommen, der lange nicht so genannt werden durfte, inzwischen aber auch von deutschen Politiker so bezeichnet wird. Das Gefährliche dieses Krieges besteht darin, dass für die Soldaten ihr Gegner kaum erkennbar ist. Denn ein Taliban trägt keine Uniform. Er kämpft nicht mit offenem Visier, sondern feige und hinterhältig aus seinem Versteck. Und wenn er „Glück“ hat, dann trifft seine Rakete. So wie gestern. Gegen soll perfides Vorgehen hilft auch die beste Ausrüstung nichts. Angesichts dieser Lage fragen sich nicht nur die Soldaten vor Ort, sondern vor allem auch deren Angehörige in der Heimat voller Sorge: Wann wird der Taliban das nächste Mal „Glück“ haben?

So traurig es klingt: Anders als wie beispielsweise Amerikaner, Briten und Kanadier mit einer viel größeren Zahl an Opfern haben wir Deutschen noch nicht erkannt, dass im Krieg getötete Soldaten eher als Normalfall denn als Ausnahme anzusehen sind. Und weil die Taliban um die kontroverse Diskussion in Deutschland wissen, müssen unsere Soldaten sich auf weitere Anschläge und Attacken einstellen. Die Taliban wissen nämlich auch, dass mittlerweile über 60 Prozent der Bundesbürger für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan sind.

Die Zweifel am Erfolg der Mission werden jedenfalls immer größer. Das bleibt auch den Politikern nicht verborgen, die – wie die SPD – bereits an Abzug denken, obwohl der Auftrag noch nicht erfüllt ist, ja vielleicht nie erfüllt werden kann.

Von Hans-Jürgen Galisch