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Celle Stadt Rio's-Party: Mitinitiatoren melden sich zu Wort
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rio's-Party: Mitinitiatoren melden sich zu Wort
15:39 02.01.2019
Von Gunther Meinrenken
Foto: Die Party am Rio's am ersten Weihnachtsfeiertag sorgt für Diskussionen über die Jugendpolitik in Celle.
Die Party am Rio's am ersten Weihnachtsfeiertag sorgt für Diskussionen über die Jugendpolitik in Celle. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Die Stadt spricht von "Chaoten" und einem Einbruch mit "massiver Gewalt", auf Facebook bricht ein kleiner Shitstorm über die Verwaltung herein und die Jusos nutzen die mediale Vorlage sogleich, um die Jugendpolitik des Neuen Rathauses zu kritisieren – die Weihnachtsfeier vor und in der ehemaligen Jugendkultkneipe "Rio's", die seit bald einem Jahr leer steht, hat in der vergangenen Woche für Gesprächsstoff gesorgt. Jetzt schalten sich die Mitinitiatoren in die Diskussion ein. Mit einem Schreiben an die CZ hat sich eine Gruppe mit dem Namen "Basis Celle" gemeldet. Überschrift: "Da haben wir wohl den Hausfrieden gebrochen."

"Nutzung von Häusern hat Vorrang vor Leerstand"

Die Pressemitteilung ist nicht unterzeichnet. Und das hat einen einfachen Grund. Die Mitinitiatoren wollen rechtlich nicht belangt werden. "Wenn die Stadt wirklich 400 junge Celler juristisch verfolgen lassen möchte, darf sie das rechtlich natürlich. Wir selbst haben in diesem Moment kein Interesse daran unseren Kopf für die schwache Politik der Stadt hinzuhalten und Anzeigen zu erhalten. Deswegen verzichten wir darauf, unsere Namen zu nennen. Wir stehen aber zu der spontanen Nutzung des Gebäudes und sind der Meinung, dass eine gemeinsame Nutzung von Häusern Vorrang vor Leerstand haben soll", heißt es in dem Schreiben.

Nur Schrauben entfernt

Das Unrechtsbewusstsein hält sich bei "Basis Celle" in Grenzen: "Offensichtlich haben wir mit der Party im Rio's gemeinsam mit mehreren hundert Menschen den Hausfrieden gebrochen. Das finden wir wirklich super, schließlich wollten wir nach fast einem Jahr Leerstand dem zum Abriss freigegeben Haus für ein paar Stunden noch etwas Lebensfreude entlocken." Von einem Einbruch mit "massiver Gewalt" könne keine Rede sein. "Die Nebentür des Rios wurde von der Stadt mit Holz verrammelt, damit niemand in das Gebäude geht. Damit die Party stattfinden konnte, wurden mit einem Akkuschrauber ein paar Schrauben wieder herausgeschraubt und die Tür war wieder auf."

"Schöner Ort, der Celle belebt hat"

Die heftige Reaktion der Stadt rührt nach Ansicht von "Basis Celle" ganz woanders her. "Auf Facebook wurde mitgeteilt, es hätte an diesem Abend auch Alternativen zum Feiern gegeben. Bestimmt gab es die, wir sind aber nicht aus Langeweile zum Rio's gegangen, sondern weil es ein schöner Ort war, der Celle belebt hat und nun seit einem Jahr leersteht, um irgendwann für unnötige Verkehrspläne abgerissen zu werden." Wenn dieses Verhalten der Stadt durch eine Party kritisiert werde, komme das im Rathaus schlecht an.

"Es geht darum, dass diese Stadt lebendiger wird"

"Das ist das Problem an der Feier im Rio's. Es bringt die Routine im Rathaus ein bisschen durcheinander, wenn Jugendliche einfach selbst handeln, anstatt im Jugendbeirat Ideen einzubringen, die dann belächelt oder abgelehnt werden. Es geht nicht um Outdoor-Gyms und PR-Termine mit lächelndem Oberbürgermeister und einer Handvoll Jugendlicher. Es geht darum, dass diese Stadt lebendiger wird. Leerstehende Häuserzeilen und Autoverkehr in zwei Richtungen tragen dazu nichts bei. Menschen, die den öffentlichen Raum mit kreativen Gedanken füllen schon", so die Meinung von "Basis Celle". An Weihnachten sei eine "schöne Party" im Rio's ein kleiner Beitrag dazu gewesen. Es gebe viele verschiedene Menschen mit kreativen Ideen in dieser Stadt. "Diese Menschen suchen und finden gemeinsam Momente und Orte für ihre Ideen. Manchmal auch ohne vorher eine Genehmigung zu beantragen. So sieht ein lebendiges Celle aus."

Gunther Meinrenken 02.01.2019
01.01.2019
Carsten Richter 01.01.2019