Anwohner sind genervt

Kritik an neuen Fahrradstraßen in Celle

Bei den neuen Fahrradstraßen in Celle hat die Verwaltung mit Markierungen nicht gegeizt. Kritik kommt von Anwohnern und dem ADFC.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 10. Nov. 2021 | 10:56 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 10. Nov. 2021 | 10:56 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Fahrradpiktogramme und Richtungspfeile auf beiden Fahrbahnen im Abstand von 30 bis 50 Metern, riesige rot markierte Flächen in den Kreuzungsbereichen, zwischendurch immer wieder ein weißes Fahrrad auf blauem Grund mit dem Zusatz Fahrradstraße und am Straßenrand noch ein paar neue Verkehrsschilder – so sieht es seit einigen Wochen auf der Strecke Treuburger Straße/Burgstraße aus. Die Stadt hat die Verbindung als Fahrradstraße gekennzeichnet und dabei nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt. Viele Anwohner stören sich an dem Markierungswahnsinn. "Davor sah es hier schöner aus", meint ein Pärchen, das gerade mit dem Hund Gassi geht.

Kennzeichnung fällt recht üppig aus

Die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen ist Teil der Fahrradoffensive von Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) und gehört zu den Maßnahmen des Fahrradaktionsplans , den die Stadt nach und nach umsetzt. In der letzten Zeit wurden nicht nur die Treuburger Straße und Burgstraße als Fahrradstraße ausgewiesen, sondern auch Hohe Lüchte, Apfelweg, An der Gertrudenkirche, Küsterstraße, Lückenweg, Schulstraße, Nadelberg, Alte Nienburger Straße und Südwall. Insgesamt gibt es jetzt 18 Fahrradstraßen in Celle. Eigentlich eine gute Sache, aber muss die Kennzeichnung so üppig ausfallen?

Celler ADFC wäre gerne eingebunden gewesen

Der Celler ADFC sagt: nein. Wilhelm Eggers, verkehrspolitischer Sprecher der Vereinigung, bedauert, dass die neuen Fahrradstraßen ohne Absprache in der AG FahrRad und ohne Beteiligung des ADFC geschehen ist. Beispiel Apfelweg: "Man konnte dort gut und unbehelligt vom Kfz-Verkehr Rad fahren", findet Eggers die Markierungen überzogen.

"Billige Farbe verteilen mit zweifelhaftem Erfolg"

"Warum wurde hier Geld zum Fenster rausgeschmissen, obwohl an anderen Stellen seit Jahren nichts gemacht wird und in 2019 sogar der Posten Instandhaltung Radwege im Celler Haushalt gestrichen wurde? Wenn teure und arbeitsintensive Instandhaltung der Radwege gestrichen, stattdessen billige Farbe mit zweifelhaftem Erfolg auf den Straßen verteilt wird, denke ich unwillkürlich an kommunales Green Washing", sagt Eggers. Übersetzt heißt das: Die Stadt verpasst sich ein umweltfreundliches Image, für das es in der Realität keine Grundlage gebe.

Celles Verkehrsplaner rechtfertigt umfangreiche Markierung

Der städtische Verkehrsplaner Jörg Frohnert verteidigt die umfangreichen Markierungen: "Es reicht nicht aus, lediglich Schilder aufzustellen. Somit sind auch entsprechende Markierungsmaßnahmen erforderlich, damit allen Verkehrsteilnehmenden bewusst ist, dass sie sich auf einer Fahrradstraße befinden". Diese Praxis der Stadt werde durch die Fachwelt eindringlich empfohlen und sei Bestandteil diverser Leitfäden. "Die Richtigkeit der Umsetzung wird auch durch positive Rückmeldungen von vielen Verkehrsteilnehmenden bestätigt", sagt Frohnert.

Keine Tempo-30-Schilder mehr

Anwohner und auch der ADFC bemängeln hingegen, dass Autofahrern nicht mehr bewusst sei, dass sie nur Tempo 30 fahren dürfen. Vor der Ausweisung als Fahrradstraße wurde dies durch Schilder kenntlich gemacht. Die wurden weggenommen, weil in einer Fahrradstraße generell die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer gilt. Ein extra Schild möchte die Stadt nicht mehr platzieren. Frohnert: "Rechtlich ist dies nicht zulässig."

Keine Entlastung von Schleichverkehren

Außerdem wurmt die Anwohner etwa der Küsterstraße, dass die Stadt nicht die Gelegenheit genutzt hat, um die Schleichverkehre zu unterbinden, denn der Durchgangsverkehr ist nach wie vor erlaubt. Frohnert: "Die Freigabe für Kfz nur für Anlieger hätte nicht funktioniert. Das hätte für Menschen, die in den Nebenstraßen wohnen, große Umwege bedeutet."

Südwall bleibt für Durchgangsverkehr geöffnet

Vom Durchgangsverkehr bleiben auch die Radfahrer in der neuen Fahrradstraße Südwall nicht verschont. "Es ist richtig, dass man möglichst viele Kfz aus den Fahrradstraßen heraushalten sollte. Aber der Südwall ist Teil des Inneren Rings, deswegen bleibt er für Kfz frei. Der Autoverkehr hat sich außerdem nach Freigabe des Nordwalls bereits deutlich reduziert", sagt Frohnert.