Fünf neue Routen

Schneller mit dem Rad in die Stadt

Mit der Umsetzung von fünf Komfortradwegen beginnt die Umsetzung des Fahrradaktionsplans in Celle. Doch das war nicht das Hauptthema im Verkehrsausschuss.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 12. Mai 2021 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 12. Mai 2021 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Sie haben nach den Worten von Stadtbaurat Ulrich Kinder "den größten Nutzen und den größten Effekt": Die Hauptrouten, die den Fahrradverkehr in Celle schneller und bequemer machen sollen. Mit einer Gegenstimme von der AfD, bei einer Enthaltung der Grünen, gab der Verkehrsausschuss jetzt Grünes Licht für die Umsetzung von fünf Strecken, die die Ortsteile mit dem Zentrum verbinden. Das beherrschende Thema in der Sitzung war jedoch ein anderes. Kinder möchte die Langversion des Fahrradaktionsplans nicht direkt an die Politik weitergeben.

Fünf Hauptrouten für mehr Qualität

Das grobe Konzept war bereits im November vorgestellt worden. In der Zwischenzeit hat die Verwaltung mit der AG FahrRad die Haupt- und Basisrouten für den Fahrradverkehr definiert. In einem ersten Schritt ist vorgesehen, die Radwegverbindungen von Altencelle, von Wietzenbruch, von Klein Hehlen, von Vorwerk/Hehlentor und von Altenhagen in Richtung Innenstadt umzusetzen. Fahrradfahren erhalte auf diesen Strecken "deutlich mehr Qualität und deutlich mehr Platz", so Kinder.

Streit um Heimlichtuerei der Celler Verwaltung

Juliane Schrader (Grüne) fand "viel Gutes" an den Plänen, aber sie würde gerne einmal die Langversion des Gutachtens haben. Die Antwort von Kinder: "Ich glaube nicht, jedes Gutachten der Politik vorlegen zu müssen. Lassen Sie die Verwaltung mal machen, sonst machen wir auch mal Politik", so Kinder, der sich wunderte, woher "immer dieses Misstrauen" komme. Schrader zeigte sich erschrocken: "Die Verwaltung macht seit Jahren Politik." Doch Kinder ließ sich nicht erweichen: "Sie können das Gutachten ja einsehen." Auch Ute Rodenwaldt-Blank (Zukunft Celle) wollte sich damit nicht abspeisen lassen. "Die Radwegeplanung ist bedeutend für die ganze Stadt", kündigte sie an, das Thema in den Verwaltungsausschuss zu bringen.

400.000 Euro für Radwege-Ausbau pro Jahr

Jährlich stehen 400.000 Euro für den Ausbau und Erneuerung von Radwegen zur Verfügung. Die Stadt, die Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen ist, strebt eine entsprechende Zertifizierung an, "wenn erkennbare Umsetzungsergebnisse aus dem Fahrradaktionsplan vorliegen".

Fördermittel für Fahrradstraße Trift gesucht

Die Radwegeverbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt über eine Fahrradstraße Trift wird etwas über eine Million Euro kosten. Ohne Fördermittel, so die Stadt, sei dies nicht darstellbar. Nachdem ein erster Versuch hierzu nicht erfolgreich war, prüft die Verwaltung, ob andere Fördertöpfe verfügbar sind.

Kommentar: Transparenz

Die Stadt gibt ein Gutachten für einen Fahrradaktionsplan in Auftrag, aber die Endfassung darf die Politik nur einsehen. In der heutigen Zeit, in der Transparenz eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wirkt diese Haltung von Stadtbaurat Ulrich Kinder sehr aus der Zeit gefallen.

Dabei geht es nicht nur um die Ratsmitglieder. Mit etwas Aufwand können sie sich über die Langversion informieren. Aber was ist mit den Bürgern? Das Gutachten ist mit Steuergeldern bezahlt worden und sicherlich wäre es für viele Radfahrer sehr interessant, im Detail zu erfahren, wie die Stadt die Bedingungen für das Radfahren in Celle optimieren möchte.

Oder liegt diese Heimlichtuerei daran, dass die Verbesserung des Radverkehrs in Celle "das Ding" von Oberbürgermeister Jörg Nigge ist? Er hat sich die Fahrradoffensive auf die Fahnen geschrieben, seine Verwaltung setzt sie um. Möchte er den Erfolg dafür selbst einheimsen? Ohne dass jeder daran an einzelnen Maßnahmen herumkritteln kann?

Die CZ-Serie "Radfahren in Celle" hat gezeigt, dass mit einem "Lassen Sie die Verwaltung mal machen" mitunter voll an den Interessen der Radfahrer vorbeigeplant wird, wie etwa beim Radweg hinter Kasernenmauern an der Hohen Wende. Auch um solche Fehlplanungen künftig zu vermeiden, wäre es besser, wenn der Fahrradaktionsplan der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.