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Celle Stadt „Es ist der absolute Horror“ - Baulärm zermürbt Anwohner
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Es ist der absolute Horror“ - Baulärm zermürbt Anwohner
12:51 13.06.2010
Porträt-Fotos von den Anwohnern, Baustellenbild von Nachtarbeiten.Foto von den Arbeiten an der Bahnhofsunterführung bei Dunkelheit auf dem Bahnhof
Porträt-Fotos von den Anwohnern, Baustellenbild von Nachtarbeiten.Foto von den Arbeiten an der Bahnhofsunterführung bei Dunkelheit auf dem Bahnhof Quelle: Christian Uthoff
Celle Stadt

Dogan Alatas ist verzweifelt. Seitdem die Bauarbeiten an der Bahnhofsunterführung Anfang März begonnen, macht der 20-Jährige nachts kein Auge mehr zu. Überall im Haus folgt ihm ein Rütteln, Schütteln, Pressen und Schlagen von der nahe gelegenen Baustelle: „Es ist der absolute Horror“, berichtet der junge Mann. Das Haus seines Vater steht an der Kreuzung Allergarten/Auf dem Kampe – nur rund 200 Meter von Celles lautester Baustelle entfernt.

Die lärmintensiven Arbeiten sollen noch bis Donnerstag, 29. April andauern. Dies teilte die Bahn am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit. Für die Anwohner bedeutet das: Auch in den nächsten drei Wochen müssen sie den Baulärm in Kauf nehmen. Genervt sind sie bereits jetzt bis zum äußersten: „Ich kann nur noch sehr schlecht einschlafen“, schildert Max Schulz aus dem Allergarten seine Situation. Auch seine vierjährige Tochter leide unter dem Lärm: „Nachts wird sie immer wieder wach“, so Schulz.

●Anwohner leiden unter Lärm: Genauso stark betroffen Hüseyin Alatas, der ein Mehrfamilienhaus an der Ecke Allergarten/Auf dem Kampe besitzt. Zu den Schlafproblemen gesellen sich bei ihm Existenzsorgen: „Einige meiner Mieter wollen fristlos kündigen oder Mietminderungen in Anspruch nehmen“, erklärt Alatas. Insgesamt würden rund 30 Menschen in seinem Haus leben. Einige bereits jetzt leer stehenden Wohnungen seien derzeit nicht vermietbar, weil potentielle Interessenten vom Lärm abgeschreckt werden. Das nächtliche Rütteln, Schütteln und Stampfen habe außerdem bereits Schäden am Haus angerichtet. Alatas befürwortet die Neuerrichtung der Brücke zwar, mit der Vorgehensweise ist er jedoch höchst unzufrieden. „Die gesamte Familie leidet darunter“, so Alatas. Er will deshalb eine Schadenersatzklage gegen die Verantwortlichen einreichen.

●Keine Entschädigungen für Lärmbelästigung: Forderungen nach Entschädigungen, wie der von Hüseyin Alatas, erteilt die Bahn eine Absage: „Eine Entschädigung ist nicht vorgesehen, die Bauarbeiten sind notwendig und im öffentlichen Interesse“, erklärte Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst auf Anfrage der CZ. Eventuelle Schäden sollten jedoch umgehend der DB Projektbau in Hannover gemeldet werden.

●Lärmintensive Arbeiten zu 75 Prozent abgeschlossen: Nach Angaben von Brunkhorst sind ein Großteil der lautstärkeintensiven Arbeiten bereits abgeschlossen. Trotz Einsatz modernster Gerätetechnik war der bisher entstandene Baulärm unvermeidbar. Im Zuge der eventuellen Bombenentschärfung zwischen dem 6. und 12. April werden jedoch wieder Lärmbelästigungen zu erwarten sein. Das Gleiche gilt für den Zeitraum zwischen dem 17. und dem 29. April – dann werden zeitweise für die Dauer von insgesamt rund 60 Stunden Bohr- und Rammarbeiten für den Einbau von Verbauspundwänden durchgeführt.

●Ansprechpartner bei der Bahn: Bei Fragen oder Beschwerden können sich Bürger direkt an die DB Projektbau Hannover wenden. Die Ansprechpartner der Bahn sind zu den Bürozeiten unter s (0511) 2861442 zu erreichen.

Friedlinde Gudehus, Anwohnerin in der Kirchstraße: „Die Lautstärke ist schon sehr extrem, die Baustelle ist ja direkt vor meiner Tür. Ich kann mich aber daran gewöhnen – Schlafprobleme habe ich keine.“

Hüseyin Alatas, Vermieter in der Straße Allergarten: „Das ist eine Katastrophe. Ich habe den Eindruck, dass die Bauarbeiter nur nachts arbeiten. Ich fürchte auch um meine Existenz, weil ich keine Mieter finde.“

Max Schulz, Anwohner in der Straße Allergarten: „Ich fühle mich vom Baustellenlärm richtig gestört. Nachts kann ich aufgrund des Bohrens, Schüttelns und Hämmerns kaum einschlafen. Auch meine kleine Tochter wird immer wieder wach.“

Von Christian Uthoff