Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Ernennung Oltrogges schlug hohe Wellen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ernennung Oltrogges schlug hohe Wellen
12:50 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Wegbereiterin: Helga Oltrogges Karriere hat andere Frauen ermutigt, Führungspositionen in der Justiz anzustreben.
Wegbereiterin: Helga Oltrogges Karriere hat andere Frauen ermutigt, Führungspositionen in der Justiz anzustreben. Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Der Tag ihrer Ernennung war der 10. November 1989. „Es war der Tag nach dem Fall der Mauer“, erinnert sich Oltrogge. „Er wird mir deshalb immer in Erinnerung bleiben.“

Die Ernennung Oltrogges schlug hohe Wellen. Das Interesse an ihrer Person war groß. Die Juristin musste zahlreiche Anfragen beantworten. Oltrogge behielt sich aber offen, wieder in ihre vorherige Position zurückzukehren. Bevor sie in Celle OLG-Präsidentin wurde, war sie an demselben Gericht als Vorsitzende Richterin eines Strafsenats tätig. „Ich wollte es versuchen und sehen, ob mir die Aufgabe zusagt“, berichtet die im schlesischen Bolkenhain geborene Rechtsexpertin. „Ich konnte nicht abschätzen, wie meine Kollegen das aufnehmen würden. Plötzlich war da eine Frau. Da hieß es: Kann die das überhaupt?“

Es habe so manche Diskussion gerade mit älteren Richtern gegeben, erinnert sich Oltrogge. „Das hat mich nur beflügelt.“ Die Juristin wollte es den Männern zeigen. „Nach fünf bis sechs Wochen lief es so, wie ich es mir vorgestellt habe“, erzählt Oltrogge. Andere Gerichte hätten sich an Celle ein Beispiel genommen und ebenfalls Frauen Führungspositionen angeboten. „Das war so, als ob plötzlich ein Tor geöffnet wurde.“ Insofern hat Oltrogge den Weg für so manche weibliche Karriere in der Justiz geebnet.

Am OLG Celle war Oltrogge von Juli 1980 bis zu ihrer Pension am 31. März 2006 tätig. Ihr Studium absolvierte sie von 1960 bis 1965 in Göttingen und Hamburg. „Es gab damals noch nicht so viele Juristinnen. Aber es gab schon die Bereitschaft, Frauen einzustellen“, sagt Oltrogge über diese Zeit.

Jetzt im Ruhestand unternimmt sie mit ihrem Ehemann Hermann Ausflüge in die nähere Umgebung. „Das genießen wir, weil wir beide sehr gerne wandern.“