Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Eiskaltes Drama im Celler Silbersee
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Eiskaltes Drama im Celler Silbersee
14:33 13.06.2010
Von Michael Ende
Eisrettungsübung am Silbersee
Eisrettungsübung am Silbersee Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Der junge Mann winkt verzweifelt, immer wieder versinkt sein Kopf zwischen den Eisschollen, die im Loch auf der trügerisch glatten Eisfläche des Silbersees treiben, wo der unvorsichtige Eisläufer eben gerade eingebrochen ist. Die Eiseskälte des Wassers saugt die Energie aus seinem Körper. Immer leiser und kraftloser werden seine Hilferufe – und Hilfe naht: Zwei Helfer der Celler Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Feuerwehr schieben sich mit einem Rettungsschlitten, der zur Not auch schwimmen würde, über das brüchige Eis zur Unfallstelle. Starke Arme packen den Verunfallten und hieven ihn auf den Schlitten. Ab geht’s Richtung Ufer und ins Warme.

DLRG-Teamchef Stefan Dannenberg ist mit dem, was er eben gesehen hat, zufrieden. Mitleid mit dem Opfer hat er nicht – denn dieses trug praktischerweise einen Neopren-Anzug: Der Vorfall gehörte zu einer Übung, in deren Rahmen am Sonnabend 17 Helfer des Wasserrettungszuges der DLRG Celle und 4 Taucher der Freiwillige Feuerwehr Celle Eisrettungen trainierten. „Zum Glück hatten wir in diesem Winter noch keinen derartigen Einsatz, aber wir müssen das üben“, so Dannenberg. Schnelligkeit gehöre dabei zu einer der Stärken der Retter, sagt Ralf Ramachers, Leiter der Feuerwehr-Taucher: „Sollte zum Beispiel jemand im Bereich der Celler Aller einbrechen, sind wir in fünf Minuten da.“

Trotz ihrer Schnelligkeit sind die Retter dankbar, dass es die Celler nicht darauf anlegen, Bekanntschaft mit den Tauchern zu machen. „Zum Glück haben wir die Dammaschwiesen, deren Wasser einem Eingebrochenen höchstens bis zur Hüfte reicht, und zum Glück wagen sich die meisten Celler nur dort aufs Eis“, so Dannenberg.

Selbst unterm Eis könnten Verunglückte länger als gedacht überleben, so Dannenberg: „Es gab einen Fall in den USA, da wurde ein kleines Kind nach einer halben Stunde unter Wasser von Tauchern gefunden, reanimiert, und es überlebte ohne bleibende Schäden.“

Dann steigt Danneberg in Taucherausrüstung ins Wasser: „Da drinnen ist es wärmer als draußen.“ Im Ernstfall müsse man sich zwingen, Ruhe zu bewahren, sagt er noch, dann taucht er gut angeseilt ab. Als er nach knapp zehn Minuten wieder aus dem Eisloch auftaucht, ist es mit seiner Ruhe vorbei. Dannenberg hat tatsächlich ein lebendes Wesen in den eisigen Fluten entdeckt: „So ein Hecht“, ruft er, und seine Handflächen bewegen sich 60 Zentimeter auseinander. Nur retten lassen wollte der Fisch sich nicht.

Eisunfälle: Wenn’s passiert ist, helfen Besonnenheit und rasches Handeln

Wer selbst ins Eis eingebrochen ist, sollte versuchen, sich in Bauch- oder Rückenlage auf feste Eisschichten in Richtung Ufer zu bewegen, weil eventuell die Eiskante immer weiter abbricht. Hastige Bewegungen schaden: Opfer kühlen schneller aus und brechen noch mehr Eis ab. Wer das Ufer erreicht, sollte sich in ärztliche Behandlung begeben.

Wer sieht, dass eine Person unter die Eisfläche gelangt ist, sollte verständigen umgehend unter s 112 Hilfe anfordern. Beim der Annäherung an einen Eingebrochenen gilt: Gewicht verteilen, möglichst auf dem Bauch zur Unfallstelle bewegen – und das nicht ohne Hilfsmittel wie Äste, Stangen oder Kleidungsstücke. Hilfsmittel, die das Gewicht verteilen, können Bretter, Leitern oder Schlitten (Kufen nach oben) sein. Mit langen Stangen oder Leinen kann auch mit Sicherheitsabstand dem Verunglückten geholfen werden. Bei aller Vorsicht ist Eile geboten. Der Verunglückte ist sehr schnell abgekühlt, so dass er selbst nicht mehr mithelfen kann oder sogar bewusstlos wird.