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Celle Stadt Bundeswehr übt Rettung aus der Luft in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bundeswehr übt Rettung aus der Luft in Celle
17:01 11.02.2020
Sanitäter und Feldjäger verlassen in einem MedEvac-Szenario einen TTH NH-90.
Sanitäter und Feldjäger verlassen in einem MedEvac-Szenario einen TTH NH-90. Quelle: Andrea Neuer
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Celle

Es ist kalt, windig und nass und im unwegsamen Gelände liegt ein verwundeter Soldat. Die Feindlage ist grade nicht das Hauptproblem, könnte es aber jederzeit werden. Die Zeit am Boden ist für den Rettungshubschrauber sehr gefährlich. Sobald die Räder den Boden berühren, muss alles schnell gehen.

Abläufe greifen ineinander

Orangeroter Rauch markiert bereits die Landestelle, als wenig später zwei Hubschrauber auftauchen. Einer von ihnen, ein H145 LUH (Light Utility Helicopter), ist die sogenannte Chase-Maschine. Sie überwacht das Gelände und ist für die Sicherheit verantwortlich, während die zweite Maschine, ein NH-90 Tactical Transport Helicopter in der MedEvac-Rolle, landet.

Jeder Handgriff sitzt

„MedEvac“ steht für Medical Evacuation und bezeichnet – in Abgrenzung zum behelfsmäßigen Verwundetentransport (Casualty Evacuation) durch Kameraden und Ersthelfer – den von medizinischem Personal begleiteten, qualifizierten Verwundetentransport: ein Szenario, das sich im Einsatz niemand wünscht, das aber durchaus eintreten kann. Jenseits einer festen Infrastruktur mit Straßen und Krankenhäusern ist für einen verwundeten Soldaten jede Minute wertvoll.

Heer und Luftwaffe im Schulterschluss: ein NH-90 landet in der mit farbigem Rauch markierten Landezone im Gelände. Quelle: Andrea Neuer

Nur wenige Minuten am Boden

„Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit Celle unterstützt diesmal die Ausbildung der Luftfahrzeugbesatzungen im Rahmen der Einsatzvorbereitung. Das Transporthubschrauberregiment 10 'Lüneburger Heide' ist mit der Planung, Vorbereitung und Durchführung des gemischten Einsatzes von Hubschraubern des Heeres und der Luftwaffe in der NATO-Mission 'Resolute Support' in Afghanistan beauftragt. Sie trainieren in speziellen Szenarien die Zusammenarbeit mit den Sanitätskräften sowie mit der Truppe am Boden, aber auch den Feldjägerkräften müssen die Abläufe bei derart zeitkritischen Operationen vertraut sein“, erklärt Hauptmann Tim Wein. Im aktuellen Übungsdurchgang führt er taktisch als Zugführer und koordiniert die Unterstützung seitens des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit.

Zusammenspiel der Kräfte muss klappen

Vom seinem militärischen Werdegang als Fallschirmjäger kennt Hauptmann Wein die Perspektive der Infanterie gut. Konzentriert beobachtet er, wie zwei Soldaten eine Sanitäterin auf dem Weg vom NH-90 zum Verletzten sichern. Der „Downwash“ der Rotorblätter wirbelt Gräser, Sand und Schmutz durch die Luft, denn der Hubschrauber bleibt jederzeit bereit zum Abheben. Die Patientenübergabe geht Dank eines formalisierten Übergabeverfahrens, genannt MIST-Report, schnell und die Maschine ist nach wenigen Minuten wieder in der Luft.

Damit die Zeit am Boden kurz bleibt, muss jeder genau wissen, was er zu tun hat. Der Ersthelfer übergibt den Verwundeten an den Sanitäter. Feldjäger und Sicherungssoldat sichern die Übergabe ab. Quelle: Andrea Neuer

Mehr Akteure bedeuten komplexere Szenarien

„Schwerpunkt in diesem Übungsdurchgang ist die Kohäsionsausbildung H145 LUH von der Luftwaffe und NH-90 vom Heer zur Vorbereitung der Mission „Resolute Support“. In diesem Rahmen werden zudem die Zusammenarbeit mit den Luftfahrzeugen und die Unterstützungsleistung MEDEVAC für bodengebundene Kräfte trainiert“, fasst Hauptmann Wein zusammen. „Luftbeweglichkeit ist niemals als Einzelleistung möglich.

Synergien und das Zusammenwirken von Kräften am Boden und in der Luft spielen in den Übungsdurchgängen des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit immer eine entscheidende Rolle. Denn mehrere Akteure bedeuten zwangsläufig auch einen höheren Grad an Komplexität. Die Infanteriekräfte müssen sich auf die Arbeitsweisen der Luftfahrzeugbesatzungen einstellen - und umgekehrt. Im Einsatz gibt es kaum Zeit, sich zusätzlich abzusprechen.“

Von Andrea Neuer

Christoph Zimmer 11.02.2020