Ehrung für Heidedichter

Valleri, vallera, das Hermann-Löns-Museum ist da

Keiner hat die Heide so oft und innig besungen wie Hermann Löns. Celle revanchiert sich dafür jetzt mit einem Museum für den Heidedichter.

  • Von Christian Link
  • 19. Okt. 2019 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Christian Link
  • 19. Okt. 2019 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Mehr als 30 Jahre lang war Klaus Engling als Hermann-Löns-Interpret auf den Kleinkunstbühnen der Region zu Hause. Jetzt hat der 76-jährige Sänger und Gitarrist ein Heim gefunden und lässt die Löns-Freunde zu sich kommen. In der Blumlage hat Engling ein kleines Museum eingerichtet, dass den Heidedichter und sein Werk in allen Facetten zeigt. Ab diesem Wochenende ist das "Hermann-Löns-Brevier" an der Mestwartstraße 20 jeden Samstag von 11bis 17 Uhr geöffnet.

Lange hatte Engling nach einem Ort für seine riesige Löns-Sammlung gesucht, doch kein Museum in der Region hatte genügend Platz dafür. Bei einer "Singerei" lernte Engling glücklicherweise eine Hausbesitzerin kennen, die ihm die Räume für ein eigenes Museum zur Verfügung stellte. "Dadurch bin ich hier auch nicht auf Eintrittsgelder angewiesen und kann selbst bestimmen, was mit meiner Sammlung passiert", sagt Engling. Seine Besucher müssen keinen Eintritt zahlen, Spenden nimmt er aber gerne an.

Beim Aufbau der Ausstellung hat Kunstmanager Hans Erhardt Wobbe geholfen, der das "Kunst Haus Alte Schule" in Bröckel betreibt. Und die Zusammenarbeit soll nicht mit der Eröffnung an diesem Samstag auslaufen. "Es gibt noch viele spannende Themen zu Hermann Löns, die man hier nicht alle präsentieren kann, und es wäre schade, wenn man die in Klaus' Kopf lassen würde", sagt Wobbe und fügt hinzu: "Mein Wunsch ist es, dass wir das eine oder andere Thema erweitert darstellen, und das würde dann bei mir in der Galerie passieren."

Leben und Werk in 26 Abschnitten

In 26 Abschnitten will die Ausstellung nicht nur das umfangreiche Werk von Hermann Löns anschaulich machen, sondern auch sein Leben und seine persönlichen Beziehungen. Im besonderen Fokus stehen dabei unter anderem Löns' erfolgreichster Roman "Der Wehrwolf", seine Ehen und Affären wie etwa mit der Cellerin Hanna Fueß, seine Forschungsarbeiten über Schnecken und andere Weichtiere sowie seine Tiergeschichten und natürlich die Heidedichtung.

Sammlung wächst immer weiter

Englings Sammelleidenschaft ist mittlerweile zum Selbstläufer geworden. "Früher habe ich sehr viel Geld dafür ausgegeben, jetzt kriege ich von allen Seiten etwas umsonst", freut sich Engling. Bei einer Haushaltsauflösung in den USA wurde etwa kürzlich eine Löns-Gesamtausgabe von 1924 entdeckt, die über Dortmund den Weg nach Celle gefunden hat. Neben Büchern trudeln bei Engling auch immer wieder Briefe, Gemälde oder andere Fundstücke ein. "Ich habe die größte Privatsammlung an Löns-Bildern", sagt Engling.

Die Kritiker des Heidedichters haben im Museum auch ihren Platz – allerdings keinen allzu großen. Ihre Schriften stehen im Regal bei den Biografien und der übrigen Sekundärliteratur. Von den "Anti-Löns-Leuten" hält Engling nicht allzu viel. "Fast jeder meinte, dass er sich irgendwie über Löns äußern müsse", winkt der Sammler ab.

War Löns ein Antisemit?

"Löns war kein Antisemit", betont Engling. Und die spätere Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten lange nach seinem Tod könne man Löns, der zeitweise auch SPD-Mitglied war, nicht vorwerfen. Den Kritikern, die den Heidedichter als üblen Trunksüchtigen darstellen, hält Engling die große Schaffenskraft des Journalisten und Schriftstellers entgegen, die gegen exzessive Ausschweifungen spreche: "Es gibt allein nachweislich 1500 handgeschriebene Briefe – manchmal schrieb er bis zu 13 Briefe an einem Tag." Einige dieser Briefe hat auch Engling gesammelt. Zusammen mit anderen Originalniederschriften des Autors sind sie der größte Schatz des Museums und werden in Vitrinen im Roten Zimmer ausgestellt.

Musik spielt in der Ausstellung natürlich auch eine wichtige Rolle. "Es hat etwa 400 Komponisten gegeben, die Löns vertont haben – und ein Viertel dieser Werke habe ich hier", sagt Engling. Neben Notenblättern und Schallplatten hat der versierte Löns-Interpret auch immer seine Gitarre sowie ein Trunkenbold- und ein Heideschäfer-Kostüm zur Hand. Im Löns-Brevier an der Meswartstraße möchte Engling regelmäßig auch Lieder und Balladen zum Besten geben.

"Jeden ersten Samstag in Monat wird es hier eine Überraschung geben", kündigt Engling an und meint damit nicht nur Konzerte und Löns-Lesungen. Alles, was mit Hermann Löns und der Heide zu tun hat, ist erlaubt – gerne möchte Engling etwa Pilz- oder Wolfsspezialisten für Vorträge in sein Museum holen. Engling: "Hier kann immer etwas los sein."