Diskussion im Rat

Celler Schuhstraße wieder Fußgängerzone?

Die Autos könnten auch woanders fahren: Darum soll die Celler Schuhstraße nach Meinung der SPD wieder Fußgängerzone werden.

  • Von Michael Ende
  • 05. März 2021 | 19:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 05. März 2021 | 19:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Seit mit der Fertigstellung des in beide Richtungen befahrbaren Nordwalls der äußere Ring des Celler City-Verkehrs perfekt ist, wird die Frage diskutiert werden, ob es weiterhin nötig ist, Autos durch die Schuhstraße fahren zu lassen. Die Schuhstraße als Fußgängerzone würde zum vom Stadtrat mit Riesenmehrheit verabschiedeten "Klima in Not"-Paket passen, in dem von „Förderung von Radverkehr und Micromobilität" sowie der "Ausweitung der autofreien Altstadt“ die Rede war. Soweit die Theorie. Doch gibt es für diesen konkreten Schritt auch eine Mehrheit?

Weniger Autos, mehr Aufenthaltsqualität

"Uns liegt sehr viel daran, dass dieses Thema nun endlich in den Ratsgremien beraten wird", sagt SPD-Fraktionschef Patrick Brammer. Die Schuhstraße solle auf ganzer Länge für den Kfz-Verkehr gesperrt und in die Fußgängerzone eingebunden werden. "Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt für die Celler Bürger und die Gäste zu erhöhen." Letztendlich bedeute „Aufenthaltsqualität“ auch wirtschaftliche Standortvorteile für Handel und Gastronomie, so Brammer: "Eine attraktive Innenstadt mit wenig Autoverkehr lädt ein zum Einkaufen und zum Vorweilen."

Verkehrstechnisch in Celler Innenstadt möglich

Die Schuhstraße sei früher schon Fußgängerzone gewesen, so Brammer: "Vor einigen Jahren scheiterte ein Bürgerentscheid zum Verbleib der Schuhstraße in der Zone nur knapp." Die SPD habe die Freigabe der Schuhstraße für den Kfz-Verkehr immer nur als Provisorium bis zum Abschluss der Bauarbeiten am Äußeren Ring angesehen: "Der Versuch, die Schuhstraße durch den Kfz-Verkehr neu zu beleben, war nur mäßig erfolgreich. Im Gegenzug kam es zu einer Gefährdung der Fußgänger und insbesondere der Fahrradfahrer, welche die Straße im Zwei-Richtungsverkehr nutzen. Auch insofern ist es an der Zeit zu handeln." Negative Folgen für den Kfz-Verkehr seien nicht zu erwarten, so Brammer. Die Idee: "Der Innere Ring wird nicht unterbrochen, sondern auf einer Teilstrecke auf den Äußeren Ring verlegt. Durch die Nutzung des Kreisverkehrs an der Hafenstraße bleibt der Innere Ring auf kurzem Weg über die Hehlentorstraße erreichbar."

Nigge will Diskussion nicht jetzt führen

„Die Diskussion kommt definitiv zur falschen Zeit", sagt dazu Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU). Die Stadt habe sich in den vergangenen drei Jahren massiv darauf konzentriert, die Innenstadt attraktiver zu gestalten – für die Menschen vor Ort, aber auch für Gäste von außerhalb. "Das Bemühen hat sich gelohnt: mehr Grün, mehr Ansiedlungen und Neugründungen, mehr Veranstaltungen, mehr Leben in der Fußgängerzone, wachsende und vor allem ansprechende Außengastronomie und vor allem weniger Leerstände."

Gerade in Zeiten von Corona gelte es, die Einzelhändler weiter nach Kräften zu unterstützen, so Nigge. "Maßnahmen wie das Schließen von Zufahrten der Altstadt und damit einhergehend weniger Parkmöglichkeiten halte ich aktuell nicht für zielführend." Die Marschroute in Sachen Einzelhandel in der Innenstadt sollte „stärken, nicht verunsichern“. "Von daher kann ich der Politik nur zur Zurückhaltung raten.“

CDU gegen Sperrung

"Es wäre ein völliges Unding, der Forderung der SPD nach Schließung der Schuhstraße für den Fahrzeugverkehr in der jetzigen Situation zu folgen" , meint auch CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Wille: "Die derzeitige Schließung von Geschäften und Restaurants auf Grund der Pandemie belastet unsere Innenstadt und ihre Akteure ohnehin schon in kaum ertragbarer Weise." Die Erreichbarkeit der Innenstadt müsse in jeder Mobilitätsform unbedingt erhalten werden , so Wille: "Nach der Aufhebung des Lockdowns benötigen die Innenstadtakteure jede Unterstützung. Eine Schließung der Schuhstraße würde die ernste Situation nur unnötig weiter verschärfen."

Auch wenn es manchem "unpassend" erscheinen mag: Die Diskussion über die Sperrung der Schuhstraße hat begonnen. Und nicht nur die SPD ist dafür.