Digitalisierung

Tabletklassen und spezielle Fächer

Celler Schulen werden immer digitaler. Dadurch entstehen auch neue Möglichkeiten zur Unterrichtsgestaltung. So digital sind die Schulen derzeit aufgestellt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Oct 2020 | 17:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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  • 30. Oct 2020 | 17:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Die Digitalisierung spielt in den Schulen eine immer größere Rolle – und das nicht erst seit dem Corona-Lockdown. In der Zeit des Distanzunterrichts konnten Lehrer und Schüler auf bereits Schulserver zurückgreifen. Aber das Thema Digitalisierung umfasst noch viel mehr Bereiche. Wir haben uns bei einigen Celler Schulen umgehört und gefragt, wie sie derzeit aufgestellt sind.

Mehr als nur der digitale Vertretungsplan

Vieles läuft heutzutage online. Auf den Homepages der Schulen ist auch längst mehr zu finden als der übliche Vertretungsplan. Wer zum Beispiel einen Blick auf die Webseite der Oberschule Westercelle wirft, findet dort unter anderem auch den Mensa-Plan und eine Möglichkeit zur Online-Krankmeldung. Zudem werden auch Elternbriefe elektronisch verschickt. „Dadurch sparen wir vor allem Papierkosten. So müssen wir nicht immer über 800 Zettel ausdrucken, die dann vielleicht eh nicht bei den Eltern ankommen“, erklärt Oberschuldirektor Ulf Krüger. Für diejenigen, die keine E-Mail-Adresse haben, werden die Informationen dennoch weiter ausgedruckt.

Schulserver schon seit Jahren genutzt

Das gleiche galt auch während des Distanzunterrichts. Eigentlich lief fast alles über IServ, den Schulserver. Aber für diejenigen, die sich dort nicht einloggen konnten, gab es auch die Möglichkeit, Unterrichtsmaterialien in Papierform abzuholen. Der Schulserver bietet nicht nur im Homeschooling eine gute Möglichkeit, Aufgaben zu erhalten, Lösungen hochzuladen und an Videokonferenzen teilzunehmen. „Durch Corona hat das immer mehr an Bedeutung gewonnen. Wir nutzen IServ jetzt noch verstärkter“, sagt Krüger. Bereits seit acht Jahren nutzt die Oberschule die interne Plattform zum Datenaustausch. Zum Beginn des Lockdowns war das ein großer Vorteil. „Wir mussten uns nicht wie andere Schulen erst damit zurechtfinden“, sagt der Schulleiter.

Ende der Kreidezeit

Auch im Schulgebäude lässt sich erkennen, dass die Kreidezeit längst vorbei ist. In den Räumen hängen nur noch Smartboards und es gibt auch einzelne Tabletklassen. Diese Geräte sind aber nur als Ergänzung gedacht. „Manche Eltern entscheiden sich aber auch bewusst dagegen – nicht nur aus Kostengründen“, weiß Sabine Carlow-Meyer, stellvertretende Oberschuldirektorin. Um den Kindern und Jugendlichen den Umgang mit bestimmten Programmen näherzubringen, gibt es die Möglichkeit, Computergrundlagen als Wahlpflichtfach zu belegen. Hier geht es vor allem um die Nutzung von Microsoft-Office-Programmen.

KAV mit speziellem Unterrichtsfach

Das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (KAV) geht sogar noch einen Schritt weiter. Ein derartiges Unterrichtsfach ist hier von der siebten bis zur zehnten Klasse Pflicht. „Es sind spezifische schulinterne Fortbildungs- und Unterrichtsformate entwickelt worden, um die gesamte Lehrer- und Schülerschaft regelmäßig in digitalen Schlüsselkompetenzen zu schulen“, sagt Alke Schillings, Schulleiterin des KAV. Für die Jugendlichen bedeutet dies, dass sie im Fach Digitale Medienbildung nicht nur Grundkenntnisse mit Computerprogrammen erwerben, sondern auch lernen, technische Zusammenhänge zu verstehen.

Auch das Gymnasium konnte während des Lockdowns auf eine Plattform, mit der die Schüler bereits Erfahrungen sammeln konnten. „In enger Zusammenarbeit mit dem Landkreis bauen wir unsere digitale Infrastruktur beständig aus. In Coronazeiten konnte vor allem vom flächendeckenden Funknetzwerk und von der seit zehn Jahren betriebenen Moodle-Lernplattform profitiert werden“, erklärt Schillings.

IGS-Schüler nutzen Tablets

Während Schulserver immer mehr genutzt werden, gibt es eine Sache, die es immer seltener gibt: die Kreidetafel. Untypisch ist aber noch, dass jeder Schüler über ein eigenes Tablet verfügt. In Celle setzt die Integrierte Gesamtschule auf IT-gestützten Unterricht. „Die Tablets werden dort eingesetzt, wo es sinnvoll ist“, sagt Schulleiterin Meike Kerker. Im Physikunterricht können auf den Geräten Messwerte festgehalten werden und für den Kunstunterricht können die Schüler beispielsweise Fotos erstellen. „Wir haben vor sieben Jahren eine große Entscheidung getroffen. Schließlich musste sich auch jeder der über hundert Lehrkräfte ausstatten“, erklärt Kerker. Für die Finanzierung ist die IGS nicht verantwortlich. Diese läuft über eine gemeinnützige Gesellschaft.

Tablet wie eine digitale Mappe

Die Schüler lernen neben dem normalen Unterrichtsstoff auch noch den Umgang mit den Tablets. „Das ist fast wie das klassische Führen einer Mappe, nur eben digital“, meint die Gesamtschuldirektorin. Da aber über tausend Schüler mit diesen Geräten arbeiten, müsste die digitale Infrastruktur noch weiter ausgebaut werden. „Wir bräuchten mehr Netzanschlüsse für ausreichend Datenvolumen“, sagt Kerker.

BBS II hofft auf Verbesserungen

Ähnlich sieht das auch Heinrich von Fintel, Oberstudiendirektor der Axel-Bruns-Schule. Für die Berufsbildenden Schulen (BBS) II sieht er noch drei wichtige Punkte, bei denen Veränderungen wichtig wären. Zum einen müsste der Anschluss ans Glasfasernetz her, zum anderen müsste geklärt werden, wer für die Administration und Pflege der Maschinen und Programme zuständig ist, die in der BBS II genutzt werden. „Zurzeit müssen sich unsere Lehrkräfte darum kümmern. Ohne ihren Einsatz wäre die Nutzung derzeit nicht möglich“, erklärt von Fintel. Der dritte Punkt ist daher auch eine intensivere Schulung der Lehrkräfte. „Gut ist, dass wir viele junge Kollegen haben, die die anderen in digitalen Bereichen unterstützen“, freut sich von Fintel.

An der technisch-gewerblichen Schule gehört es zum Alltag dazu, dass Dutzende Anwendungsprogramme genutzt werden. „Auch im handwerklichen Bereich wird nicht nur mit Zeichenbrettern gearbeitet“, erklärt der Schulleiter. Auch dort müssen die Schüler lernen, Maschinen wie Kreissägen zu bedienen. „Die benötigten Programme werden hierfür alle über Clouds heruntergeladen. Auch dafür brauchen wir einen verbesserten Netzanschluss“, meint von Fintel.

Ausbau der digitalen Infrastruktur notwendig

Fest steht, dass in den Schulen schon vor dem Lockdown viel getan wurde. Sollten die Kinder und Jugendlichen in Zukunft auch im Schulgebäude vermehrt mit Geräten wie Tablets, Computern und Ähnlichem arbeiten, wäre aber ein weiterer Ausbau der digitalen Infrastruktur von Vorteil.

Von Lisa Brautmeier

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