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Celle Stadt „Ich gehe sehr gern zur Arbeit“
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Die Auslidung macht Spaß: Cellerin will medizinische Fachangestellte werden

17:00 23.01.2021
Nele Ristau nach einer Blutentnahme.
Nele Ristau nach einer Blutentnahme. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

„Nele, Hilfe bitte“, liest die 21-Jährige Nele Ristau auf dem Display und eilt zu ihrem Chef ins Sprechzimmer 1: Er benötigt ihre Assistenz bei der Vorsorgeuntersuchung eines vier Monate alten Säuglings. Nele Ristau ist Auszubildende für den Beruf der Medizinischen Fachangestellten in der Kinder- und Jugendarztpraxis von Dr. Volker Dittmar in Celle. „Genau das sollte es sein, das wollte ich lernen“, findet Ristau, „ich hab die Geduld und das Verständnis für Kinder, die manchmal zur Untersuchung mitarbeiten und manchmal nicht wollen.“

Auf junge Patienten eingehen

Durch die Vorsorgeuntersuchungen der Kinder zu festgelegten Zeitpunkten sollen Krankheiten oder Entwicklungsstörungen frühzeitig erkannt werden. Häufig treten Kinder ungern auf die wackelige Waage, um das Gewicht genau ermitteln zu lassen, oft möchten sie sich nicht gerade hinstellen, um die Körpergröße zu messen. „Das gehört aber zur normalen Untersuchung dazu. Das ist kein großes Thema“, sagt Nele Ristau. Sie weiß inzwischen, wie sie die jungen Patienten dazu bekommt, gut mitzumachen.

Die Auszubildende Nele Ristau richtet die Utensilien für die nächste Behandlung in der Praxis des Kinder- und Jugendarztes Dr. Volker Dittmar in Wietzenbruch. Quelle: Lothar H. Bluhm

132 Azubis als MFA

Seit August 2019 erlernt Nele Ristau ihren Beruf. Jetzt bereitet sie sich auf die demnächst anstehende Zwischenprüfung vor. Coronabedingt findet die in diesem Jahr an einem Wochenende statt, um die Abstandsregeln in der Schule einhalten zu können. In insgesamt sechs Klassen werden zurzeit in der Albrecht-Thaer-Schule Celle 132 Auszubildende beschult, pro Ausbildungsjahr zwei Klassen. Ristau hofft, dass ihr Prüfungsergebnis gut ausfallen wird, denn dann könnte ihre Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden. „Ich bin da ganz zuversichtlich.“

Nach Realschule Fachabi gebaut

Nach dem Besuch der Realschule besuchte die Lachendorferin die Fachoberschule Gesundheit und Soziales der Ross-Schule der Blindow-Gruppe in Hannover, die in Gesundheitsfachberufen ausbildet. So bekam sie nach zwei Jahren ihr Fachabitur im Bereich Sozialpädagogik.

Nele Ristau mit frisch gezapften Blut eines jungen Patienten. Quelle: Lothar H. Bluhm

Eltern unterstützen sie

Beim anschließenden Studium für das Grundschul-Lehramt in Braunschweig merkte sie aber immer mehr, dass der Lehrerberuf wohl nichts für sie war: „Ich bin da eher praktisch veranlagt.“ Noch während ihres Studiums suchte sie deshalb einen Ausbildungsplatz. Ihre Eltern waren in dieser Phase nicht sonderlich überrascht, denn sie sahen ihre Tochter bereits mehr im praktischen Bereich und nicht so sehr im Lehramt. „Sie haben mich immer unterstützt“, ist Nele Ristau dankbar.

Nach Probearbeitstag war alles klar

Ihre Freundin Julia sagte ihr, dass ihr Chef noch eine Auszubildende suche. Nach einem Probearbeitstag schrieb Nele Ristau ihre Bewerbung und ihr Chef sagte nach dem Vorstellungsgespräch mit ihr gleich ja.

Jedes Jahr wird Ausbildungsplatz besetzt

Seit 1994 praktiziert der Kinder- und Jugendarzt Dr. Volker Dittmar an der Fuhrberger Straße: „Ich besetze jedes Jahr einen Ausbildungsplatz für den Beruf der medizinischen Fachangestellten. So ist es kein Wunder, dass zwei von drei festen Mitarbeiterinnen in der Praxis auch hier zuvor ihre Ausbildung absolviert haben.“ Eine Fortbildung zur Pädiatrice oder auch ein Studium zur Praxismanagerin mit einem Bachelor-Abschluss könnten sich an die Ausbildung anschließen.

Dr. Volker Dittmar stellt jedes Jahr einen Ausbildungsplatz zur Verfügung. Quelle: Lothar H. Bluhm

Empathie ist dem Mediziner wichtig

Für Dittmar ist wichtig, dass sein Personal viel Empathie gegenüber den jungen Patienten zeigt und dass medizinische Grundbegriffe beherrscht werden: „Im Umgang mit den Eltern einiger unserer Patienten ist es hilfreich, über Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen, um Untersuchungs- und Behandlungsmethoden genau erklären zu können.“ So könnten schon im Vorfeld Tests zur Entwicklungsdiagnostik durchgeführt werden: Grobmotorik, Sprache, Feinmotorik und Sozialkontakt. Kann das Kind greifen, sprechen, Tierlaute imitieren, kann es stehen, Figuren malen oder mit Klötzen bauen? Muss Blut abgenommen, müssen Impfungen durchgeführt werden?

Hier stimmt einfach alles

„Ich gehe sehr gern zur Arbeit“, stellt Nele Ristau jetzt nach der Hälfte der Ausbildung fest. Hier stimme alles, sagt sie. Die Arbeitszeit mit der zweistündigen Mittagspause, das Arbeitsklima und die Teamarbeit mit den Kolleginnen, die Arbeit selbst: „Es geht immer um den Patienten.“ Und schließlich hat sie einen halben Tag pro Woche frei. „Manchmal hab ich aber auch bis 19 Uhr Dienst – je nach Dienstplan.“ EKG, Blutdruck, Blutentnahme. „Das Schönste ist die Zusammenarbeit mit den Kindern“, freut sie sich schon wieder auf den nächsten Tag, wenn es heißt „Nele, Hilfe bitte!“

Nachgefragt bei Sabine Petersen

Sabine Petersen ist als Bildungsgangsleiterin in der Albrecht-Thaer-Schule Celle (Berufsbildende Schulen 3) zuständig für die Medizinischen Fachangestellten (MFA).

Sabine Petersen ist als Bildungsgangsleiterin in der Albrecht-Thaer-Schule Celle (Berufsbildende Schulen 3) zuständig für die Medizinischen Fachangestellten.

Wie lange dauert die Ausbildung zur MFA?
In der Regel drei Jahre. Bei guten Leistungen in der Berufsschule und in der Zwischenprüfung, ist eine Verkürzung mit Zustimmung des Ausbildungsbetriebes auf zweieinhalb Jahre möglich. Bei Vorliegen der (Fach-)Hochschulreife kann die Ausbildung in eineinhalb oder zwei Jahren absolviert werden.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
In zwölf Lernfeldern werden die für die Berufsausübung notwendigen Kompetenzen in den übergeordneten Bereichen Behandlungsassistenz, Praxisorganisation und Verwaltung theoretisch vermittelt. Konkret geht es unter anderem darum, den Patienten vor, während und nach der Behandlung zu betreuen und zu beraten,
Patientendaten aufzunehmen und elektronisch zu verarbeiten,bei der ärztlichen Diagnostik und Therapie zu assistieren (zum Beispiel Laborarbeiten durchführen, Verbände anlegen, EKG schreiben, Blut abnehmen und so weiter), erbrachte Leistungen für die Abrechnung zu erfassen, Hygienemaßnahmen zu planen und umzusetzen sowie Waren für den Praxisbedarf zu bestellen und zu verwalten.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Nach eineinhalb Jahren findet eine schriftliche Zwischenprüfung statt. Die Abschlussprüfung besteht aus drei schriftlichen Arbeiten und einer praktischen Prüfung. Die praktische Prüfung basiert auf der Simulation von konkreten Praxissituationen, in denen die Schülerinnen in ihrer Rolle der MFA agieren und praxisbezogene Arbeitsabläufe, sowie Diagnostik- und Therapievorgänge planen und demonstrieren.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Die Ausbildung ist für Schülerinnen und Schüler geeignet, die grundsätzlich gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Dies bezieht sich auf die Arbeit im Praxisteam, aber auch auf den einfühlenden Umgang mit Patienten. Außerdem sollten sie Freude daran haben, in einem abwechslungsreichen Berufsfeld mit verwalterischen, organisatorischen und medizinischen Aufgaben zu arbeiten.

Wie sind die Aussichten für Medizinische Fachangestellte auf dem Arbeitsmarkt?
Ausgebildete MFA sind sehr gefragt. Nahezu alle unsere Schülerinnen und Schüler finden im Anschluss an die Ausbildung einen Arbeitsplatz. Das Einsatzfeld ist sehr vielfältig. Neben den zahlreichen Facharztpraxen stellen auch Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen, Gesundheitsämter und die Bundeswehr Medizinische Fachangestellte ein. Durch zahlreiche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten besteht zudem die Möglichkeit, sich nach den persönlichen Wünschen vertiefend weiterzuentwickeln.

Von Lothar H. Bluhm

Was macht man in diesem Beruf?

Medizinische Fachangestellte vergeben Termine an die Patienten, dokumentieren Behandlungsabläufe für die Patientenakten, sorgen für die Abrechnung der erbrachten Leistungen und organisieren den Praxisablauf. Sie legen Verbände an, bereiten Spritzen vor oder nehmen Blut für Laboruntersuchungen ab. Außerdem informieren sie Patienten über Möglichkeiten der Vor- und Nachsorge, pflegen medizinische Instrumente und führen Laborarbeiten durch.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Medizinische Fachangestellte finden Beschäftigung in erster Linie

• in Arztpraxen aller Fachgebiete

• in Krankenhäusern und anderen Institutionen und Organisationen des Gesundheitswesens

• in medizinischen Laboren

• in betriebsärztlichen Abteilungen von Unternehmen

Arbeitsorte:

Medizinische Fachangestellte arbeiten in erster Linie

• in Behandlungsräumen

• im Labor

• am Empfang

• im Büro

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel beim Umgang mit Arzneimitteln und beim Einhalten

der Hygienevorschriften)

• Kontaktbereitschaft und Einfühlungsvermögen (zum Beispiel beim Eingehen auf die persönliche Situation von Patienten)

• Psychische Stabilität (zum Beispiel bei der Konfrontation mit schweren Schicksalen)

• Verschwiegenheit (zum Beispiel Schweigepflicht beim Umgang mit Daten der Patienten)

• Enger Körperkontakt mit Menschen, zum Teil besteht auch Infektionsgefahr

Wichtige Schulfächer:

• Biologie (zum Beispiel bei der Assistenz während der Behandlung)

• Chemie (zum Beispiel für Arbeiten im Labor)

• Mathematik (zum Beispiel zum Durchführen der Quartalsabrechnungen)

• Deutsch (zum Beispiel für den Schriftverkehr mit Patienten und Versicherungsträgern)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 880 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 935 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 995 Euro

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