Ortsbürgermeisterwahlen

Dicke Luft in Celler Politik

Nach den Ortsbürgermeister-Wahlen hängt der Haussegen in der Celler Politik schief. CDU und SPD machen sich gegenseitig Vorwürfe.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 02. Dez. 2021 | 07:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 02. Dez. 2021 | 07:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Sechs Ortsbürgermeister für die CDU, vier für die SPD – angesichts der Stimmverluste bei der jüngsten Kommunalwahl, die jeweils bei minus 4,5 Prozent im Celler Stadtgebiet lagen, könnten beide Parteien mit diesem Ergebnis zufrieden sein. Die SPD ist es auch, die CDU ganz und gar nicht. Nachdem sie nach den Wahlen für die Ortsbürgermeister nun einen Posten weniger bekleidet als in der vergangenen Wahlperiode, teilt der Stadtverbandsvorsitzende Alexander Wille verbal aus: "Für die SPD waren Inhalte und Personen völlig gleichgültig, es ging ihr allein um das Organisieren von Mehrheiten gegen die CDU", sagt er.

Die meisten Direktstimmen und doch nicht Ortsbürgermeister

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende hebt vor allem darauf ab, dass die CDU-Kandidaten Axel Fuchs, Klaus Didschies und Joachim Ehlers zwar mit Abstand die meisten Direktstimmen bekommen hatten, bei der Wahl zum Ortsbürgermeister in den jeweiligen Ortsräten aber trotz dieser "besonderen Unterstützung" durch die Wähler das Nachsehen hatten.

Absprachen mit der AfD?

Damit nicht genug. In Neuenhäusen sei Jörg Rodenwaldt (Zukunft Celle) nicht nur mit entscheidender Stimme der AfD gewählt worden , sondern dort "gab es offensichtlich auch Absprachen mit der AfD, entweder von Rodenwaldt selbst, oder seinen Unterstützern. Sowohl für Zukunft Celle, die SPD und die Grünen ist dies ein Tabubruch, den sie sonst angeprangert hätten. In diesem Fall war die Unterstützung der AfD aber offenbar hoch willkommen", stellt Wille fest.

SPD soll auf Gesprächsangebote nicht reagiert haben

Direkt nach der Wahl habe er der SPD fünf Gesprächsangebote gemacht, auf die zunächst nicht reagiert worden sei. "Hier wurde deutlich, dass nicht die SPD-Fraktion entscheidet, wie sie ihre Arbeit gestalten will, sondern dass die SPD-Fraktion von ihrer Parteiführung straff durchregiert wird".

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Christoph Engelen hält die Kritik von Wille für "völligen Blödsinn". Im Gegensatz zur CDU gebe es nur noch einen Ortsverein der SPD in Celle. Vor den Wahlen der Ortsbürgermeister habe es Gespräche vom Ortsverein mit den jeweiligen Ortsratsmitgliedern gegeben, um die verschiedenen Optionen auszuloten. "Es wurde niemandem gesagt, wen er zu wählen hat oder nicht", behauptet Engelen.

SPD: CDU hat sich nicht an Absprachen gehalten

Der SPD-Ratsherr gibt den Schwarzen Peter an Wille zurück. "Die CDU hat sich im Vorfeld der konstituierenden Sitzungen als unverlässlicher Partner gezeigt. Insbesondere vor der Ratssitzung wurden kurz vor Beginn noch Absprachen zurückgezogen und anders gehandelt als vereinbart", hebt er darauf ab, dass SPD-Fraktionsvorsitzender Patrick Brammer bei der Wahl zum zweiten Bürgermeister der Stadt nicht die Stimmen der CDU erhalten hatte.

Sozialdemokraten haben sich "verlässlichere Partner" gesucht

In den Ortsräten hätten CDU-Mitglieder teilweise auf Kontaktaufnahmen gar nicht reagiert. "Dies führte dazu, dass sich die SPD-Mitglieder in den Ortsräten verlässlichere Partner gesucht haben, mit denen dann auch ein Konsens möglich war. Dies muss ich so werten, dass die CDU nicht mit uns zusammenarbeiten wollte. Schade, denn es gab Situationen wo es eigentlich wichtig gewesen wäre, breitere Mehrheiten – ohne die AFD – nach außen zu demonstrieren. Aber durch das Verhalten der CDU war dies nicht möglich", sagt Engelen.