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Celle Stadt „Des Postillons Morgenlied“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Des Postillons Morgenlied“
16:07 25.06.2010
Celle Stadt

Den Chorsatz „Des Postillons Morgenlied“ (Text von Wilhelm Müller) schrieb Brahms vermutlich schon 1847 im Alter von 14 Jahren. Damit verfügt Celle über die älteste überlieferte Brahms-Komposition überhaupt. Der zweite hier entdeckte und zuvor gänzlich unbekannte Chorsatz „Goldne Brücken“ ist die Vertonung eines lyrischen Liebesgedichtes von Emanuel Geibel und vermutlich erst im Mai 1853 bei einem Konzert in Celle entstanden. Wie Behr ausführte, konzertierte der noch völlig unbekannte Brahms damals gemeinsam mit dem ungarischen Geigenvirtuosen Eduard Reményi in der Herzogstadt und widmete dem hiesigen Männergesangverein „Celler Liedertafel“ die beiden Chorsätze als Dank für die Unterstützung bei diesem Konzertaufenthalt. Als er sich später, nachdem er populär geworden war, bemühte, alle seine nicht veröffentlichten Jugendwerke, die seinen nunmehr gehobenen kompositorischen Ansprüchen nicht mehr genügten, zu sammeln und anschließend zu vernichten, waren die beiden Celler Partituren von ihm offenbar vergessen worden. Und sie blieben vergessen, bis sie im Stadtarchiv wiederentdeckt wurden. Und nach 157 Jahren erklangen sie nun erstmals wieder, in einer aktuellen CD-Einspielung vom Chor des Bayerischen Rundfunks.

Doch schon bahnt sich eine neue Überraschung an: Unter den Musikhandschriften im Bestand des Bomann-Museums – so Lauterwasser - befindet sich auch das bedeutende „Celler Clavierbuch“ aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Dieses enthält eine Sammelhandschrift mit dem Titel „Lüneburgisches Kirchen-Choral-Buch“. Und darin – so der Musikwissenschaftler – sei eine durch Carl Philipp Emanuel Bach vorgenommene, bisher nicht bekannte Vertonung einer Ode von Christian Gellert entdeckt worden. Celle lässt die Fachwelt aufhorchen.

Die Referenten Johannes Behr (links) und

Helmut Lauterwasser mit den in Celle wiederentdeckten Brahms-Partituren. Foto: Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl