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Celle Stadt Tornadorot ist nicht gleich Tornadorot
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Dennis Akiz ist Azubi als Fahrzeuglackierer in Celler Betrieb

16:46 15.02.2021
Zur präzisen Farbabstimmung verschiedener Farbmuster mit dem Originallack benutzt Dennis Aziz ein Spektrometer.
Zur präzisen Farbabstimmung verschiedener Farbmuster mit dem Originallack benutzt Dennis Aziz ein Spektrometer. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Westercelle

„LY3D – Tornadorot“, sagt Dennis Aziz zu seiner Aufgabe, die Lackfarbe für einen neuen Stoßfänger für den roten VW-Golf zusammenzustellen. „Da gibt es sehr viele verschiedene Farbtöne – und alles ist tornadorot.“ Aziz muss mit den unterschiedlichen Farbkarten und einer sehr hellen Lampe, dem Spektrometer, direkt am Fahrzeug prüfen, welche Tornadorot-Variante genau passt. Die richtige wird gescannt und am Computer in der Lackküche werden dann diverse Kriterien aufgezeigt, die bei der Zusammensetzung der Farbe beachtet werden müssen. Welches Material? Ist das Ersatzteil grundiert? „Genauigkeit und Sauberkeit sind hier ganz wichtig“, beschreibt Aziz seine Arbeit.

Die genaue Farbabstimmung für "Tornadorot" erfordert präzises, mitunter tropfenweises Mischen in der Lackküche. Quelle: Lothar H. Bluhm

Führerschein ist nächstes Projekt

Dennis Aziz ist 17 und wohnt noch bei seinen Eltern im Hehlentorgebiet. Zu seiner Ausbildungsstätte in Westercelle gelangt er mit dem Bus, gelegentlich mit dem Fahrrad oder auch im Auto eines Kollegen. „Doch das klappt ganz gut“, sagt der junge Mann mit den dunklen Haaren und den braunen Augen. „Mein nächstes Projekt ist aber der Führerschein – noch vor der Zwischenprüfung.“

Drei Monate Praktikum absolviert

Aziz ist seit August 2020 Auszubildender in der Autolackiererei Berger. Nach dem Besuch der Hehlentorschule und der Oberschule auf der Heese hat er sich zunächst für ein Berufsgrundbildungsjahr an der Axel-Bruns-Schule am Lönsweg entschieden. „Ich hab mich schon immer für Autos interessiert und habe dann auch ein Praktikum gemacht. Fast drei Monate. Da ging es echt ums Schrauben.“ Chef Waldemar Albach hat ihm anschließend angeboten, mal in die Lackiererei hinein zu schnuppern. „Ich find das hier besser als zu schrauben“, sagt Aziz und zählt auf, woran er Gefallen hat: „Hier muss sehr auf Genauigkeit und Sauberkeit geachtet werden.“

Chef Waldemar Albach Quelle: Lothar H. Bluhm

Ständige Maskenpflicht in Lackiererei

„Hier herrscht Maskenpflicht – und zwar schon immer“, weist Waldemar Albach darauf hin, dass in seiner Autolackiererei von seinen Mitarbeitern schon immer gut schützende Masken getragen werden. – Unabhängig von Corona. Hier wird geschliffen und gefeilt, da fällt immer Feinstaub an, und beim Lackieren wird in der Kammer zwar die Luft vollautomatisch abgesogen, aber Dämpfe und mikroskopisch kleine Partikel schweben ständig in der Luft. „Das sind echte Aerosole und das geht nicht ohne Maske“, sagt Albach, „auch wegen der Berufsgenossenschaft. Aber das ist voll in Ordnung!“ Entsprechend riecht es in den drei großen Hallen nach Lösungsmitteln und Lackfarbe.

Zwölf Gesellen arbeiten bei Berger

Albach ist Geschäftsführer seiner Autolackiererei in Westercelle, in der er zwölf Gesellen und zwei Auszubildende beschäftigt. Einer von ihnen ist Dennis Aziz. In der Lackküche stellt er genau nach Vorgaben des Computers, der von Auto- und Lackherstellern regelmäßig aktualisiert wird, die Bestandteile des passenden Lacks zusammen. „Es gibt viele Sachen, zu denen man Erfahrung braucht“. So erfordere Spachteln viel Feingefühl, das sich erst im Laufe der Berufsjahre ausbildet. Oder das Schleifen des zu lackierenden Materials: „Das Schleifmittel muss richtig ausgewählt werden und man muss erkennen, was weg muss, damit es später für den Kunden akkurat aussieht.“ Oder auch beim Lackieren. „Da gilt es, Nasen oder Läufer zu vermeiden“, unterstreicht auch Albach, dass dafür viel Berufserfahrung gefragt ist. Falls es doch mal passiert, kann das beim Finishen ausgeglichen werden.

Familienbetrieb seit fast 40 Jahren

Seit fast 40 Jahren ist die Berger Autolackiererei Spezialist für Lackierarbeiten und Unfallinstandsetzungen. „Als langjähriges Celler Traditionsunternehmen legen wir allergrößten Wert auf die Qualität unserer Arbeit und damit auf die Zufriedenheit der Kunden“, skizziert Albach seine Firmenphilosophie. „Denn uns als Familienbetrieb ist vor allem eines sehr wichtig: Eine vertrauensvolle und auf Dauer ausgerichtete Beziehung zu allen unseren Kunden.“

Er mischt Farbton in Lackküche an

Für Dennis Aziz bedeutet das, Teil eines Familienunternehmens zu sein, in dem Teamgeist und die Freude am Arbeiten dazu gehören. „Ich will mich demnächst auf die Zwischenprüfung vorbereiten, da weiß ich doch jetzt noch nicht, was ich in 20 Jahren mache. Ich sehe nicht, was dagegen spricht, in diesem Beruf zu bleiben“, entwickelt der Auszubildende Perspektiven: Gesellenjahre – Meister – Techniker. „Wir versuchen immer, unsere Auszubildenden zu halten, denn selbst ausgebildete Leute sind immer besser“, sagt Albach. Derweil lässt Aziz in der Lackküche die verschiedenen Lacke in einem kleinen Gefäß zusammenlaufen. Nur so entsteht die gewünschte Farbtonvariante zu LY3D – Tornadorot.

Alina Feckler ist an der BBS 2 Celle (Axel-Bruns-Schule) Bildungsganggruppenleiterin der Bildungsganggruppe „Farbtechnik und Gestaltung“. Quelle: bbs 2

Nachgefragt bei Alina Feckler

Alina Feckler ist die Bindungsgangleiterin unter anderem für den Beruf des Fahrzeuglackierers an der Axel-Bruns-Schule Celle (BBS 2).

Wie lange dauert die Ausbildung zum Fahrzeuglackierer?
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Wenn man im Vorfeld die einjährige Berufsfachschule Farbtechnik an der BBS2 Celle absolviert hat, kann man in Rücksprache mit dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
In der Berufsschule lernt man alle wichtigen theoretischen Grundlagen. Mit diesen Fragen beschäftigen sich die schuler zum Beispiel: „Welche Lackierungen kann ich auf verschiedenen Untergründen wie Metall, Kunststoff oder Holz anwenden?“,
„Wie kann ich den passenden Farbton für die Lackierung des Fahrzeuges rausfinden?“, „Wie kann ich ein Fahrzeug mit Airbrush designen?“ Die Antworten auf all diese Fragen erlert man in insgesamt zwölf Lernfeldern. Lernfelder sind so ähnlich wie die Unterrichtsfächer, die man aus der Schulzeit kennst. Auch Deutsch, Politik und Sport stehen während der Ausbildung auf dem Stundenplan.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
In der Ausbildung ist der Azubi abwechselnd in Betrieb und Berufsschule. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres absolviert er eine Zwischenprüfung in Theorie und Praxis. Hier kann er sich und sein Wissen schon einmal selbst testen. Bestimmte Lerninhalte können im Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule nicht immer optimal gelehrt werden. Deshalb gibt es überbetriebliche Lehrgänge in speziellen Werkstätten der Handwerkskammer. Dort lernen die Auszubildenden gemeinsam zum Beispiel spezielle Lackiertechniken.Am Ende der Ausbildung legen die Schüler die Gesellenprüfung ab. Sie besteht aus praktischen und theoretischen Inhalten.

Wem würden sie die Ausbildung empfehlen?
Als Fahrzeuglackierer sind handwerkliches Geschick, Sorgfalt und Kreativität gefragt. Wenn man sich für die Gestaltung von Fahrzeugen interessiert, keine Probleme mit körperlicher Arbeit hat, sorgfältig und genau arbeiten kann, Montage- und Reparaturarbeiten interessant findet, dann ist die Ausbildung bestimmt das Richtige. Sie ist sehr vielfältig und reicht von der Beseitigung von Schäden, Reparaturlackierungen bis hin zur kunstvollen Gestaltung vonFahrzeugen für Firmen und Privatkunden.

Wie sind die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt?
Die derzeitige Situation durch Corona macht es schwierig, Prognosen zu geben. Auszubildende sind in den vergangenen Jahren durchaus übernommen worden. Gesellen haben auch die Chance sich weiterzubilden. Das Berufsfeld bietet vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. In der Fachoberschule Gestaltung an der BBSII (Axel-Bruns-Schule) kann man die Fachhochschulreife erlangen, die zum Studium an Fachhochschulen berechtigt. Weitere Weiterbildungsmöglichkeiten sind der Meisterbrief oder Techniker (Farb- und Lacktechnik).

Von Lothar H. Bluhm

Fahrzeuglackierer

Was macht man?

Fahrzeuglackierer beschichten Fahrzeuge und Aufbauten aller Art mit Lacken und gestalten sie gegebenenfalls mit Beschriftungen oder Motiven. Sie beurteilen Karosserie- und Lackschäden und bereiten Untergründe zum Beispiel durch Schleifen und Grundieren für die Lackierung vor. Mit Spritzgeräten und ‑pistolen tragen sie die einzelnen Lackschichten auf. Für spezielle Schriftzüge oder Ornamente verwenden sie Schablonen oder Folien. Sie versiegeln Hohlräume und konservieren Oberflächen mit Pflegemitteln wie Hochglanzpolituren und Hartwachsen. Sie demontieren und montieren Bauteile, messen und prüfen die Funktion elektrischer, elektronischer, pneumatischer und hydraulischer Bauteile beziehungsweise Systeme und setzen Fahrzeugverglasungen ein. Teilweise arbeiten sie auch an vollautomatisierten, computergesteuerten Lackierstraßen, die sie einrichten, bedienen, überwachen, warten und instand setzen.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

• in Fachwerkstätten für Fahrzeuglackierung

• in Unternehmen des Fahrzeugbaus

• in Werkslackierereien des Maschinen- und Anlagenbaus

Arbeitsorte:

• in Werkstätten und Werkhallen

• in Lackier- und Trockenkabinen

• in Lagerräumen

Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch in Büroräumen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Handwerksbetriebe überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss ein, Industriebetriebe wählen vor allem Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss aus.

Worauf kommt es an?

• Sorgfalt (beim Reinigen, Spachteln und Schleifen)

• Geschicklichkeit und Auge-Hand-Koordination (beim Lackieren von Fahrzeugen mit der Spritzpistole)

• Beobachtungsgenauigkeit (Erkennen von Unregelmäßigkeiten)

• Umsicht (beim Bedienen von Spritzlackiergeräten)

• Kreativität und Sinn für Ästhetik (beim Entwerfen und Aufbringen von Zier- oder Werbelackierungen im Airbrush-Verfahren)

Wichtige Schulfächer:

• Mathematik (für die Berechnung von Flächen, Volumina, Mischungsverhältnissen, Farbenmengen)

• Werken/Technik (bei Demontage von Fahrzeugbauteilen)

• Chemie (chemisches Verhalten von Trägermaterialien)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 680 Euro (Handwerk), 976 bis 1047 Euro* (Industrie)

• 2. Ausbildungsjahr: 750 Euro (Handwerk), 1029 bis 1102 Euro* (Industrie)

• 3. Ausbildungsjahr: 915 Euro (Handwerk), 1102 bis 1199 Euro* (Industrie)

*je nach Bundesland unterschiedlich

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