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Celle Stadt „Das wird ein hartes Jahr werden“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Das wird ein hartes Jahr werden“
13:47 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Im Zuge der Wirtschaftskrise ist das Celler Autohaus Frye finanziell ins Trudeln geraten, musste Insolvenz anmelden. „Das wird nicht das letzte Autohaus gewesen sein“, prognostiziert Reiner Burian, dessen Unternehmen an der Braunschweiger Heerstraße die Marken Kia und Mazda vertreibt. „Das wird ein hartes Jahr werden.“

Angesichts deutlich geringerer Gewinnmargen als früher könnten überbordende Ausgaben einem Unternehmen finanziell das Genick brechen, sagte Burian. Der Preisdruck in der Branche sei immens. „Die Folge davon ist das, was wir jetzt bei Frye sehen.“ Sollte das Unternehmen die Finanzprobleme nicht in den Griff bekommen, stünden schon andere Händler in den Startlöchern, um die vier Frye-Marken zu übernehmen. Das sei schon bei der Pleite des Autohauses Celle Nord, das seinerzeit die Marke Ford führte, so gewesen. Diese Marke übernahm letztlich Frye. „Es gibt nur Konkurrenz, keinen Konsens unter den Händlern“, kritisiert Burian.

Auch beim Autozentrum Maussner in der 77er Straße stellt man sich auf ein schwieriges Jahr ein, hat aber nach eigenem Bekunden die Bestände der sechs Marken an die sinkende Nachfrage – insbesondere im Januar und Februar – angepasst. „Durch die Abwrackprämie haben manche Kunden den Autokauf vorgezogen“, sagte Verkaufsleiter Sven Jessen. „Diese Kunden fehlen uns in diesem Jahr.“ Seit Jahren sei die Autobranche in einer schwierigen Situation. Dadurch seien die Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltender. „Die Banken schauen tiefer in die Branche hinein, als das noch vor zehn Jahren der Fall war“, so Jessen. Es sei durchaus möglich, dass eine Bank bei einem hohem Finanzvolumen ein Autohaus ins Schlingern bringen könne. „Noch viel schlimmer ist es, wenn dadurch eine Kettenreaktion ausgelöst wird und sich auch andere Kreditinstitute zurückziehen“, erläutert Jessen.

„Bei uns gibt es keine Kreditklemme“, betont Dietrich Marhenke, Inhaber des gleichnamigen Autohauses in der Dasselsbrucher Straße in Celle. Nach dem kräftigen Plus in 2009 durch die Abwrackprämie ist er auch für dieses Jahr zuversichtlich. „Wir sehen 2010 nicht so pessimistisch wir andere. Wir haben einen guten Start ins Jahr gehabt und sind sehr gut aufgestellt.“

Auf ein erfolgreiches Jahr 2009 blickt auch der Ford-Händler Speckhahn in Winsen zurück. „Wir haben 60 Prozent mehr Neuwagen verkauft“, sagt Geschäftsführer Ralph Tintemann. Im Gegenzug sei allerdings der Gebrauchtwagenverkauf um rund 25 Prozent geschrumpft.

Aus Sicht des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) leidet der Automobilhandel nicht unter einer Kreditklemme. „Für unsere Unternehmen war es allerdings schon in der Vergangenheit schwierig, Kredite zu bekommen“, sagte ZDK-Pressesprecher Ulrich Köster. „Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert.“ In den vergangenen Monaten hätten Banken aber von den Unternehmen zusätzliche Sicherheiten gefordert und Kreditlinien gekürzt.

In diesem Jahr rechnet der Verband mit 2,7 bis 2,8 Millionen Neuzulassungen. „Damit lägen wir um etwa zehn Prozent unter dem Jahr 2008 und unter einem Normalniveau von drei Millionen Neufahrzeugen“, sagte Köster. „Das ist nicht dramatisch und bewegt sich in einer Schwankungsbreite, die ein gut aufgestellter Händlerbetrieb verkraften sollte.“ Der ZDK vertritt 39100 Kfz-Meisterbetriebe in Deutschland, darunter sind rund 19000 fabrikatsgebundene Betriebe.