Kursangebot

Seepferdchen in Bronze verwandeln

Die DLRG-Ortsgruppe Celle ist mit Schwimmkursen für Kinder gestartet. Darum ist die Ausbildung so wichtig.

  • Von Benjamin Behrens
  • 28. Mai 2021 | 14:03 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 28. Mai 2021 | 14:03 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Julius taucht wieder auf. Ohne den roten Gummiring, den der Sechsjährige eigentlich vom Grund des 1,20 Meter tiefen Spaßbeckens hochholen sollte. So Spaß hat er gerade allerdings nicht. „Die Haare stören“, sagt Julius und streicht sich die langen Strähnen aus dem Gesicht. „Dann solltest du das nächste Mal eine Badekappe tragen“, rät DLRG-Schwimmlehrer Dietmar Fleischer.

Schwimmpraxis fehlt durch Lockdown

Geschlossene Schwimmbäder, ausgefallen Schwimmkurse, mangelnde Praxis – viel ist verloren gegangen während der Pandemie-Pause bei den Seepferdcheninhabern, die gestern im Celler Badeland in einen Auffrischungskursus starteten. Am Ende sollen alle der insgesamt rund 180 Kinder zwischen 7 und 12 Jahren ihr Bronze-Schwimmabzeichen haben – und sicher im Wasser unterwegs sein.

Aktion für sichere Schwimmer in den Sommerferien

Unter Federführung von Nicole Harstorff, der Leiterin Ausbildung, wurde die Aktion „Mit Sicherheit in die Sommerferien“ ins Leben gerufen. Gestern war erster Tag der Schwimmausbildung. Ziel dieser Aktion sollte es sein, mindestens 100 sichere Schwimmer bis zum Beginn der Sommerferien auszubilden. Acht Termine sind für die in vier Gruppen aufgeteilten Kinder geplant. Die Anmeldungen überstiegen das angepeilte Ziel. Es gibt viel zu tun.

Leistungsstand von Seepferdchen verloren

„Wir haben gesehen, dass sicher 50 wenn nicht sogar 80 Prozent der Kinder ihren Leistungsstand nicht wieder abrufen konnten“, sagt Harstorff, nachdem die ersten Übungen absolviert sind. „Es zeigt sich einfach, dass die Maßnahme richtig ist, wir schicken die Kinder wirklich sicher in die Sommerferien. Jetzt müssen wir aber den Leistungsstand des Seepferdchens wieder aufarbeiten“, sagt Harstorff.

Lockdown wirkt sich aus

Beinschlag, Ausdauer, Tauchen, aber auch generelle Baderegeln stehen auf dem Programm. Manchmal fängt es bei Grundlagen an – das Wasser ist wieder zu einem fremden Element geworden, plötzlich ist die Angst wieder da, beim Tauchen Wasser zu schlucken, oder der Sprung vom Startblock kostet viel Überwindung. „Gerade Kinder stecken das Jahr Lockdown nicht einfach so weg“, sagt der Celler DLRG-Vorsitzende Stefan Dannenberg. „Unser oberstes Ziel ist, dass sich die Kinder sicher über Wasser halten können“, betont Dannenberg.

DLRG vor Badesaison besorgt

Die DLRG blickt mit Sorge auf die anstehende Badesaison, in Celle wie im ganzen Land. In der vergangenen Woche hatte die DLRG auf Bundesebene ihre Jahresbilanz vorgestellt. Die Folgen der Corona-Pandemie sind deutlich zu spüren. Nach Einschätzung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft macht die Pandemie immer mehr Menschen zu Nichtschwimmern. Das Risiko zu ertrinken, steige – gleichzeitig nehme die Fähigkeit ab, sicher zu schwimmen, warnte DLRG-Präsident Achim Haag. „Hier sprechen wir mittlerweile von mindestens einem, wenn nicht sogar schon zwei verlorenen Jahrgängen in der Schwimmausbildung“, betonte Haag.

Die Pause setzte auch den Schwimmausbildern und Rettungsschwimmern zu, nicht nur bei der DLRG. „Seit Mitte März sind wir wieder im Bad und nehmen die Rettungsfähigkeit gerade für Lehrer, Einsätzkräfte und Polizisten ab. Da haben wir auch unsere Ausbilder dabeigehabt, die jetzt in Phase zwei präsent sein müssen. Natürlich ist das sehr anspruchsvoll, von 16.30 bis 20 Uhr nonstop Kinder zu unterrichten, da dürfte jeder Ausbilder gut schlafen. Wir sind dankbar, dass wir es umsetzen können“, so Harstorff. Neben der Celler DLRG sind noch die Celler Schwimmvereine an dem Projekt beteiligt. Die Stadtwerke haben das Badeland extra wieder auf Betrieb gebracht.

Auch Schwimmausbilder merken Folgen des Lockdown

„Manche können sicher früher Bronze machen, andere sind noch nicht so sicher, aber das ergibt sich. Dafür ist der Kurs auch da“, sagt Fleischer. Erklären, erarbeiten, ermutigen – der Schwimmlehrer und seine Kollegen arbeiten gezielt da, wo es hakt. „Ich mache seit 28 Jahren Anfängerausbildung und habe gerade meinen Rettungsschwimmerabzeichen in Gold wiederholt. Wir sind alle gut aufgestellt, um die Kinder auszubilden“, ist sich der 49-Jährige sicher. Das Einfühlen fällt nicht schwer, denn auch bei den alten Hasen fehlte die Routine. „Wir haben das ja im Schnellkurs gemacht, da hatte ich schon mächtig Muskelkater am nächsten Tag. Die Kinder werden auch sehr gut schlafen heute Abend“, so Fleischer. Mit zur Bronze-Prüfung gehört der „Paketsprung“, bei dem es in gehockter Haltung ins Becken geht. Die Sprunghaltung verhindert ein zu tiefes Eintauchen und beugt so Verletzungen in flacheren Badegewässern vor.

Freude am Sport kommt zurück

Ganz davon abgesehen spritzt es dabei ordentlich, sodass manches Kind mit breitem Grinsen aus dem Wasser auftaucht. Julius macht sich fertig für den großen Satz. „Wenn ich vom Dreier springe, kann ich wohl auch vom Startblock springen“, sagt der Sechsjährige mit Überzeugung. „Das denke ich auch“, antwortet Fleischer und hält ihm eine Teleskopstange als kleine Sicherung hin. Mit einem beherzten Sprung geht es ins tiefe Ende des Beckens. Als er auftaucht, lächelt der Schwimmer. Da ist er wieder, der Spaß im Wasser.