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Celle Stadt DGB: Diese Lehren sollte man aus Corona ziehen
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DGB-Demo in Celle: Diese Lehren sollte man aus der Corona-Krise ziehen

17:00 27.04.2021
Von Michael Ende
Quelle: triocean - stock.adobe.com
Celle

Trotz und auch wegen der Corona-Pandemie will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am 1. Mai eine Demonstration veranstalten. Um 11 Uhr soll es am Samstag in den Celler Triftanlagen losgehen - unter dem Motto "Solidarität ist Zukunft".

Corona-Krise zeigt, wo's brennt

"Die Corona-Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf alt bekannte Probleme", sagt der Celler DGB-Kreisvorsitzende Dirk Garvels: "Mittlerweile sollten es alle verstanden haben: Wir brauchen eine stabile öffentliche Infrastruktur, wir brauchen eine gute Personalausstattung im öffentlichen Dienst." Zwischen 1991 und 2019 sei die Anzahl des Personals des öffentlichen Dienstes um rund 30 Prozent von 6,74 auf 4,88 Millionen Beschäftigte gesunken. Garvels: "Corona macht deutlich: Wir brauchen ein gutes Gesundheitssystem mit flächendeckender Gesundheitsversorgung, gut ausgestatteten Gesundheitsämtern sowie mehr Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich - nicht nur in der Krise, sondern langfristig."

Homeoffice muss gesetzlich fair geregelt werden

"Wir müssen aus der Krise kommen - und das schaffen wir nur mir massiven Investitionen", sagt DGB-Gewerkschaftssekretär Ralf Müller. In der Krise hätten die Unternehmen und Beschäftigte gezeigt, dass sie flexibel seien und improvisieren könnten: "Zum Beispiel beim Thema Homeoffice. Aber der Küchentisch darf kein Dauerarbeitsplatz sein. Dieser ganze Bereich muss jetzt gesetzlich fair geregelt werden." Menschen, die im Pflegebereich, in Kitas, in der Bildung oder bei der Müllabfuhr arbeiteten, diejenigen, die den Laden während der Krise am Laufen hielten, hätten mehr verdient - und sollten endlich auch mehr verdienen als nur Applaus, sagt Lorenzo Poli (Verdi): "Bis 2015 werden bundesweit in den Kitas 200.000 Fachkräfte fehlen. Das hat Gründe. Die Mitarbeiter dort sagen, sie würden in Aufbewahrungsanstalten verheizt - wie Kanonenfutter der Krise."

Immer mehr Pflegekräfte wollen Job hinschmeißen

"Der Fachkräftemangel ist auch im Pflegebereich ein großes Thema, sagt Ernst-Günther Mörsel  (Verdi): "120.000 Stellen müssten in der Altenpflege geschaffen werden - und auch im Krankenpflegesektor sind 120.000 dringend benötigte Stellen unbesetzt." Die Situation entwickle sich dramatisch, so Mörsel: "Ein Drittel der Pflegekräfte spielt mit dem Gedanken, aus dem Beruf auszusteigen. Die Gründe werden klar benannt: zu hohe Belastung bei zu wenig Lohn."

Gewerkschaften setzen auf zusätzliche Steuereinnahmen

"Für uns ist klar: Wir wollen gute Arbeit und starke öffentliche Dienstleistungen. Bildung, Gesundheit, Verwaltungsleistungen und Kultur sind keine Waren", sagt Garvels. Der Staat müsse seine Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, vor allem um die kommenden Herausforderungen der sozialökologischen Wende zu meistern: "Grundsätzlich müssen Kommunen finanziell gut ausgestattet werden. Nur so erreichen wir lebenswerte Kommunen und schaffen gleichwertige Lebensverhältnisse überall. Investitionen in Infrastruktur können und sollten gerade in Zeiten von Niedrigzinsen über Kredite finanziert werden." Laufende Kosten und zusätzliches, gut bezahltes Personal im öffentlichen Dienst könnten über zusätzliche Steuereinnahmen bezahlt werden.

Kundgebung am 1. Mai ab 11 Uhr in Celler Triftanlagen

Um dieses und um andere Themen geht es am 1. Mai ab 11 Uhr in den Triftanlagen. Die Mairede hält Dirk Garvels. Weitere Redebeiträge werden die Themen "Pflege"  (Verdi) und "Tarifautonomie in der Krise" (IG Metall) behandeln. Das Bunte Haus Celle und das feministische Bündnis "Gemeinsam Kämpfen" haben weitere Beiträge zugesagt. Neben dieser Veranstaltung vor Ort wird der Deutsche Gewerkschaftsbund zudem wie im vergangenen Jahr wieder ab 14 Uhr im Internet auf www.dgb.de einen Livestream zum 1. Mai senden

Gunther Meinrenken 27.04.2021
Christoph Zimmer 27.04.2021
Christoph Zimmer 27.04.2021