Corona-Probleme

Drahtseilakt: Circus Belly in Gefahr

Weihnachtszirkus in Celle? Circus Belly bangt wegen der Coronakrise um die Existenz. Wie groß die Not von Mitarbeitern und Tieren ist - und was Hoffnung macht.

  • Von Michael Ende
  • 17. Nov. 2020 | 13:15 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 17. Nov. 2020 | 13:15 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Das 20. Jahr als Celles Weihnachtszirkus – das wollte der Circus Belly mit einem Feuerwerk aus Show und Artistik ganz groß feiern, mit Tausenden von großen und kleinen Besuchern. Doch daraus wird nichts. Die Coronakrise zwingt die Belly-Truppe zu einem Drahtseilakt nach dem anderen. Und das ohne finanzielles Netz und doppelten Boden: Ewig kann der Traditions-Zirkus so nicht weitermachen. Es droht das Aus: Frust in der Manege.

Zelt aufbauen oder nicht?

Trist sieht es an der Braunschweiger Heerstraße dort aus, wo jetzt eigentlich ein 1400 Zuschauer fassendes Zirkuszelt stehen sollte. Im weiten Rund stehen die Wohnwagen der Zirkusleute, Hundegebell vermischt sich mit dem Lärm von der Bundesstraße, kein Hauch von Zirkusmagie liegt in der Novemberluft. „Ob wir das Zelt aufbauen? Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht“, sagt Direktor Klaus Köhler. „Wir wollen es unbedingt – aber wer weiß schon, wie es weitergeht?“

Gastspiel-Abbruch in Hannover

Nicht weiter war es in Hannover gegangen. Dort hatte der 71-Jährige die Hoffnung, durch das Gastspiel in der Landeshauptstadt die Verluste aus der ersten coronabedingten Pause etwas abzufedern. Doch daraus wurde nichts. Gerade einmal drei Tage lang konnten die Besucher sich an den Darbietungen in der Manege erfreuen. Doch dann war das Gastspiel schon wieder vorbei. „Der zweite Corona-Lockdown hat uns trotz Hygienekonzept voll erwischt“, sagt Köhler, der in Hannover bereits die Platzmiete gezahlt hatte. Und nicht nur das: „Bei uns ist jeder Tag ein Arbeitstag. Wir können nicht einfach Betriebsferien machen. Die Tiere wollen versorgt werden, und die Menschen müssen auch von irgendetwas leben: Wie sollen wir Gagen, Strom, Futter, Fahrzeugunterhaltung und, und, und bezahlen?“

Existenzsorgen plagen Familienzirkus

Keine Einnahmen, laufende Kosten – und welche Perspektive? Das fragt sich der Zirkusdirektor und blickt nachdenklich auf die grasbewachsene Fläche, auf der eigentlich sein riesiges Zelt stehen sollte. Vom 18. Dezember bis zum 3. Januar sollte hier der Celler Weihnachtszirkus über die Bühne gehen. Die Ungewissheit sei quälend, berichtet Köhler im Vorfeld. Der Familienzirkus kämpfe um seine Existenz: „Unsere Rücklagen sind längst aufgebraucht. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

Hoffnung, dass es irgendwie weiter geht

Bei allen Sorgen strahlt Klaus Köhler Zuversicht aus. Verzweifeln will er nicht: „Wir sind es gewohnt, aus eigener Kraft, mit unserer Hände Arbeit immer irgendwie zurechtzukommen. Ich hoffe, das schaffen wir auch dieses Mal.“