Schuhstraße

Corona bremst Verkehrswende in Celle

Corona bremst die Verkehrswende in Celle aus. Das wird am Beispiel der Schuhstraße klar, die zur Fußgängerzone werden soll. Das gilt auch für die Parksituation.

  • Von Michael Ende
  • 09. März 2021 | 11:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 09. März 2021 | 11:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Spannend dürfte es werden, wenn es im Celler Stadtrat um die Schließung der Schuhstraße für den Autoverkehr geht. Die fordert die SPD, und während CDU und FDP dagegen sind und die Stadtverwaltung am liebsten nicht über das heikle Thema diskutieren möchte, wird die politische Debatte längst geführt. Entschieden ist sie noch nicht.

Grüne wollen weniger Autos in Schuhstraße

Die Celler Grünen unterstützen schon seit Jahren die Forderung vieler Anwohner nach Schließung der Schuhstraße für den Autoverkehr. „Ein Bummel durch die Schuhstraße an einem coronafreien Sonnabend im Frühjahr oder Sommer gleicht einem Slalom durch parkende oder fahrende Autos. Entspanntes Flanieren für Einheimische und Touristen ist nicht möglich“, so Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Zobel. Zur Eindämmung des Klimawandels sei eine generelle Verkehrswende in Celle nötig: „Das schreibt auch der Rat in seinem Klima-in-Not-Beschluss vom November 2019 fest, in dem die Ausweitung der autofreien Altstadt aufgeführt wird.“

Antrag auf Fußgängerzone schon 2020 gestellt

Um Celle als klimafreundliche und nachhaltige Kommune zu entwickeln, hätten die Grünen daher bereits im Januar 2020 beantragt, die autofreie Altstadt bis 2025 umzusetzen, so Zobel: „Die notwendige Attraktivitätssteigerung der Altstadt und somit auch der Schuhstraße erfolgt nicht durch verstärkten Autoverkehr, sondern durch die Ausweitung der Fußgängerzone, der Weiterentwicklung des öffentlichen Raums und der Erhöhung der Aufenthaltsqualität. Das stärkt die Einkaufsatmosphäre und das Wohlfühlen in der Schuhstraße.“

Ist jetzt der falsche Zeitpunkt?

„Nach Fertigstellung des gegenspurigen Nordwallverkehrs war die Schuhstraße als Fußgängerzone vorgesehen“, so Torsten Schoeps (WG), der darauf hinweist, dass sich der „Zeitgeist“ verändert habe: „Lebendige Straßen mit beruhigtem Verkehr in Kombination mit Kaffeetrinken, Shoppen und Bummeln sind gefragt.“ Neu seien der Onlineboom, der den Kaufleuten den Umsatz nehme und coronabedingte Handelsbeschränkungen in der City, so Schoeps. „Vor diesem Hintergrund erscheint eine Änderung zum jetzigen Zeitpunkt mehr als kontraproduktiv.“

Unabhängige wollen Parksituation in Celle verbessern

Das meint auch Unabhängigen-Fraktionsvorsitzender Udo Hörstmann, der sagt, dass mit den Autos auch mehr Leben in die Schuhstraße gekommen sein: „Vorher war die Schuhstraße insgesamt abgehängt, besonders ab Brandplatz Richtung Nordwall. Jetzt hat sich dort deutlich mehr Leben etabliert, mehr Gewerbetreibende haben sich angesiedelt. Ich denke, diesen Zustand wieder zurückzudrehen, macht wenig Sinn.“ Das bedeute nicht, dass eine Verbesserung der Situation nicht in Angriff genommen werden sollte, so Hörstmann: „Die Parksituation in der Schuhstraße müsste verändert werden in der Hinsicht, dass das Querparken nicht mehr möglich sein darf. Dadurch gewinnt man sowohl für die Fußgänger als auch für die Radfahrer ein höheres Maß an Sicherheit.“

„Zukunft Celle“ will neue Verkehrspolitik

Seine Fraktion „Zukunft Celle“ setze sich für den Durchbruch einer nachhaltigen umwelt- und sozialverträglichen Verkehrspolitik ein, sagt Jörg Rodenwaldt: „Wir empfehlen kurzfristig für eine deutliche Reduzierung des Pkw-Verkehrs in der Schuhstraße zu sorgen mit dem längerfristigen Ziel, sie nach einem innerstädtischen Verkehrs- und städtischen Mobilitätskonzept für Durchgangsverkehr gänzlich zu schließen. Langfristig sollte die Schuhstraße von Pkw und noch größeren Verkehrsteilnehmern befreit werden.“ Ausnahmen sollte es für Ladeverkehr, Anwohner, Behinderte, Taxis oder kleinere Elektrobusse als Innenstadt-Shuttle mit Anbindung zu P&R-Möglichkeiten geben, so Rodenwaldt: „Geeignete erste Schritte könnten eine Verringerung der Parkplätze sein oder gleich nur noch ausgewiesene Kunden- und Anwohnerparkplätze, oder eine geänderte Verkehrsführung – etwa keine Durchfahrt mehr bis zur Kanzleistraße.“ Anwohner und Gewerbetreibende müssten bei einer Lösungsfindung unbedingt eingebunden werden, findet der Politiker, der auch eine Hoffnung hat: „Vielleicht kommt es ja jetzt schon durch die Öffnung des Nordwalls zu einer Verringerung des Verkehrsaufkommens.“