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Corona-Zeiten: Celler Religionspädagogin über ihre Erfahrungen und Sorgen

14:55 18.02.2021
Die Religionspädagogin Petra Proell.
Die Religionspädagogin Petra Proell. Quelle: Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Celle
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Neues Jahr, neue Herausforderungen, neue Themen, die den Kirchenkreis bewegen. In einer Serie berichten Mitglieder aus dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis, aber auch in anderen sozialen Bereichen Tätige, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Petra Proell, Religionspädagogische Beraterin der Kitas im Kirchenkreis Celle, berichtet von ihren Sorgen und Hoffnungen im Hinblick auf kleine Kinder:

Abstand halten

Kürzlich unterhielt ich mich mit einer älteren Dame. „Für meine Enkelin“, sagte die Frau, „besteht die Welt zur Zeit nur aus ganz wenigen Personen: ihren Eltern, selten den Großeltern und manchmal der Tante. Ansonsten erlebt sie andere Menschen lediglich mit großem Abstand und Maske. Für sie ist das normal. Sie kennt es ja nicht anders.“
Das hat mich sehr bewegt. Wie prägt das die kleinen Kinder, dass wir ein Leben ohne Nähe leben müssen? Keine Krabbelgruppen, kein Babyschwimmen, keine Spielplatzbekanntschaften, keine spontane Umarmung? Auch die wenigen direkten Kontaktpersonen halten Abstand zu allen anderen. Das sollte eigentlich nicht sein. Und doch ist es das schon seit so langer Zeit.

Fragen über Fragen

Werden wir das wieder aufholen können? Für mich als Pastorin und religionspädagogische Beraterin der Kindertagesstätten ist das eine wichtige Frage. Was ist meine Aufgabe in der Arbeit mit Kindern? Wie kann ich die Erzieherinnen in dieser schwierigen Situation unterstützen? An welcher Stelle kann ich besonders hinschauen und gegensteuern? Ich tue mich ja selber schwer mit dem Aushalten der (notwendigen) Vorschriften. Wobei ich nicht mal mehr meine Maske zu Hause vergesse. Ich bin schon so erprobt im Einhalten der AHA-Regeln (AbstandHygieneAlltagsmasken), dass ich mich bei dem Gedanken ertappe: „Huch, der ist mir jetzt aber zu nahegekommen. Das geht aber nicht! Warum hält er nicht genügend Abstand?“

Nicht zu viele Gedanken machen

Eine Kollegin sagte mir neulich, ich solle mir nicht zu viele Gedanken machen. Kleine Kinder seien sehr anpassungsfähig und sie können sehr wohl Gefühle im Gesicht des Gegenübers wahrnehmen und richtig deuten, auch wenn sie nur die Augen sehen. Ich hoffe sehr, dass das stimmt und wir nicht nach der Pandemie kontaktscheue, kleine Menschen heranwachsen sehen werden, die wirkliche Nähe nicht erleben können und wollen.

Ich selbst war als Kind eher schüchtern und habe von mir aus Abstand zu Fremden gehalten. Wenn ich zurückblicke, hat es mir geholfen, wenn Erwachsene damals die Grenze von sich aus nicht überschritten haben, sondern mit mir Geduld hatten. Vielleicht ist das ein Ansatz, um mit dem aktuellen Problem umzugehen: Halten wir die ganz Kleinen im Blick, überfordern wir sie nicht und lernen wir (lieber einmal mehr) aus der Entfernung mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

Freude auf neue Kontakte nach Corona

Eigentlich ist das ja nichts Neues: Vertrauensbildende Maßnahmen sind hilfreich. Nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, sondern eher vorsichtig, tastend, um dann irgendwann normal und unbeschwert den Umgang zu genießen. Auch wenn Kontakt wieder möglich sein wird: Fangen wir immer wieder mit kleinen Schritten an.
Ja, man kann mit den Augen viel Kontakt aufnehmen und mit Worten und Gesten eine große Innigkeit erzeugen. Ja, ich freue ich mich sehr auf neue Kontakte. Noch vorsichtiger als vor Corona, aber intensiv und belebend mit Menschen um mich herum. Den Kleinen und den Großen.

Von Petra Proell

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