Zahlen steigen weiter

Die Corona-Sommerpause fällt aus

Celle hat den achthöchsten Inzidenzwert in Deutschland. Mit der Corona-Sommerpause ist es längst vorbei. Das sagt das AKH Celle zur Lage im Landkreis.

  • Von Jana Wollenberg
  • 20. Jun 2022 | 19:16 Uhr
  • 21. Jun 2022
  • Von Jana Wollenberg
  • 20. Jun 2022 | 19:16 Uhr
  • 21. Jun 2022
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Celle.

Keine Maskenpflicht, keine Testpflicht und auch Corona-Impfzertifikate müssen fast nirgendwo mehr vorgezeigt werden: Vielerorts wirkt es so, als wäre die Pandemie vorbei. Kulturangebote, Schützenfeste und andere Veranstaltungen werden wieder ausgerichtet wie früher. Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Rede von einer Sommerpause, bevor die Infektionszahlen im Herbst wieder ansteigen könnten. Ein Blick auf die aktuelle Lage zeigt aber: Mit dieser ist es längst vorbei.

Infektionsketten werden nicht mehr nachverfolgt

Seit Anfang des Monats klettert die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Celle stetig nach oben, nach dem Wochenende 11./12. Juni stieg die Sieben-Tage-Inzidenz sprunghaft von 474,4 (Samstag, 11. Juni) auf 711,3 (Dienstag, 14. Juni) an. Am vergangenen Samstag wurde vom Gesundheitsamt des Landkreises zuletzt ein Wert von 914,2 an das Robert-Koch-Institut übermittelt. Bundesweit wird Celle derzeit von nur sieben Landkreisen überboten – trauriger Spitzenreiter ist der Kreis Oldenburg mit einer Inzidenz von 1784,5.

Diese Entwicklung wirft Fragen auf: Müssen wieder Schutzmaßnahmen her, um den Verlauf zu bremsen? Und wo stecken sich die Menschen an? Neben zahlreichen weiteren Veranstaltungen werden allein am kommenden Wochenende in Stadt und Landkreis acht Schützenfeste gefeiert, seit Ende Mai haben zahlreiche weitere stattgefunden. Ob sie der Ursprung der steigenden Infektionen sind, lässt sich anhand der Zahlen der RKI zwar nur vermuten, andererseits sind tatsächlich nach einigen Schützenfesten im Landkreis vermehrt Infektionen aufgetreten. „In geschlossenen Räumen wie Schützenfestzelten ist die Ansteckungsgefahr sicherlich höher“, sagt Landkreissprecher Tore Harmening. Die Nachverfolgung von Infektionsketten habe aber, außer im Bereich von vulnerablen Gruppen, keine erhöhte Priorität mehr.

Bei weiter steigenden Zahlen reichen Appelle nicht mehr aus

Dass sich die Bevölkerung nach mehr als zwei Jahren voller Einschränkungen darüber freue, dass viele Regeln nun nicht mehr gelten, sei verständlich, sagt Tobias Mull, Leiter der Unternehmenskommunikation im Allgemeinen Krankenhaus Celle (AKH). „Rein medizinisch betrachtet sollte gerade in Anbetracht der nun wieder steigenden Zahlen hier jedoch unbedingt mit Bedacht vorgegangen werden.“ Die Ärzte im AKH würden Appelle, wie etwa vom Bundesgesundheitsminister, für Vorsicht selbstverständlich unterstützen. Vorbildlich sei, dass einige Menschen sich weiterhin freiwillig für einen Mund-Nasen-Schutz entscheiden. „Steigen die Zahlen weiterhin stark an, reichen Eigenverantwortung und Appelle jedoch nicht mehr aus“, so Mull weiter. „Dann brauchen wir wieder klare Regelungen – zumindest für Innenräume. Nach derzeitigem Stand der Dinge bieten richtig getragene Masken weiterhin eine gute Schutzwirkung, eine neuerliche Testpflicht könnte dabei helfen, symptomlose Infektionen zu erkennen.“

AKH ist auf mehr Covid-Patienten vorbereitet

Auf die Möglichkeit, dass mit steigenden Infektionszahlen auch wieder mehr Covid-19-Patienten ins AKH kommen könnten, sei das Krankenhaus auf alle Eventualitäten vorbereitet. In den vergangenen 10 Tagen habe die Zahl der stationär behandelten Infizierten zwischen fünf und neun geschwankt, so Mull. „Ein direkter Zusammenhang zwischen steigenden Corona-Zahlen und einem Anstieg an Corona-Patienten war in der Vergangenheit nicht immer zu beobachten, ist jedoch sehr wahrscheinlich“, sagt der AKH-Sprecher. „Handelt es sich um Menschen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, dann wird wohl auch die Zahl an Corona-Patientinnen und -Patienten im AKH steigen.“