Corona-Protest

Querdenker schlägt Celler Polizistin

Friedlicher Protest geht anders: Jetzt hat ein Gegner der Corona-Maßnahmen eine Celler Polizistin verletzt.

  • Von Michael Ende
  • 11. Jan. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 11. Jan. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Nicht friedlich ist am Montagabend der als "Spaziergang" deklarierte Corona-Protest in der Celler Innenstadt verlaufen. Die Bilanz der Polizei: drei Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, Widerstand und tätlichem Angriff sowie 17 Ordnungswidrigkeitenverfahren, unter anderem wegen Nichttragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Ein gewalttätiger Mann wurde vorläufig festgenommen.

Bereitschaftspolizei greift durch

Rund 140 Menschen hätten an der nicht angemeldeten Versammlung teilgenommen, so Polizeisprecherin Birgit Insinger: "Dies waren deutlich weniger als noch vor einer Woche, als noch rund 300 Kritiker der Anti-Corona-Maßnahmen zu verzeichnen waren." Auf der anderen Seite waren deutlich mehr Polizisten als vor einer Woche im Einsatz. Damals beobachtete rund ein Dutzend Beamte den illegalen Marsch durch die Altstadt und dokumentierte lediglich Regelverstöße, um sie später eventuell zu ahnden.

Jagdszenen in nächtlichen Gassen

Mit Unterstützung von Kräften der Bereitschaftspolizei schritten die Ordnungshüter an diesem Montag aktiv ein, als sich Demonstranten nicht an die Regeln hielten. "Um 18.30 Uhr deklarierte die Polizei die nicht angemeldete Veranstaltung als Versammlung im Sinne des Versammlungsgesetzes und beschränkte sie mit Auflagen", so Insinger. Nach Lautsprecherdurchsagen sei von den "Spaziergängern" kein Versammlungsleiter benannt worden. "Jegliche Kooperation oder Kommunikation mit der Polizei fand nicht statt", sagt die Polizeisprecherin.

Der Aufzug habe sich über die Zöllnerstraße in Richtung "Am Heiligen Kreuz" in Bewegung gesetzt: "Im Gegensatz zu vorherigen Versammlungslagen trug der überwiegende Teil der Teilnehmer dieses Mal eine FFP2-Maske. Diejenigen, die keine Maske trugen, wurden auf diese Pflicht analog der Allgemeinverfügung der Stadt Celle hingewiesen." Zwischenzeitlich seien Mitglieder kleinerer Gruppen bei Erscheinen von Polizeikräften auseinander gestoben und davon gelaufen, so Insinger: "Der Aufzug zog über die Schuhstraße bis zum Markt, wo die Polizei die Versammlung beendete."

63-Jähriger rastet aus

Die meisten "Spaziergänger" hätte sich erst nach mehrfacher Aufforderung entfernt, so Insinger: "Als ein Mann auf seine Pflicht, sich zu entfernen, hingewiesen und ihm ein Platzverweis angedroht wurde, reagierte er zunächst verbal aggressiv, schlug jedoch anschließend einer Polizeibeamtin ins Gesicht." Weil er im Verlauf der weiteren Maßnahmen erheblichen Widerstand leistete, sei er in Gewahrsam genommen worden. Der Mann sei 63 Jahre alt, wohne in Celle und sei inzwischen wieder auf freiem Fuß, so Insinger am Dienstag: "Der Polizei ist er als regelmäßiger, aktiver Teilnehmer der Corona-Gegner-Versammlungen bekannt."

Landtagsabgeordneter macht sich selbst ein Bild

Der Celler CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses, Thomas Adasch, hatte den Polizeieinsatz begleitet: „Es ist mir wichtig, persönliche Eindrücke zum Verhalten der sogenannten Spaziergänger und der Gegendemonstranten in der Celler Innenstadt zu gewinnen. Diese Woche berichtet das Innenministerium in meinem Ausschuss zu diesem Thema landesweit. Als Ausschussvorsitzender bin ich daher mit dem Thema auch im ganzen Land befasst", sagt er. Vor allem die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen hier vor Ort seien ihm wichtig.

"Mitläufer" in der Kritik

„Die Kollegen haben die Versammlung professionell begleitet" , sagt Adasch, der selbst Polizist ist: "Sie haben Meinungsfreiheit und das Versammlungsrecht ermöglicht, dabei jedoch die Einhaltung der vorgeschriebenen Regeln kontrolliert und Verstöße konsequent geahndet." Das stimme ihn hochzufrieden: „Leider kann ich dasselbe über die Versammlungsteilnehmer nicht sagen. Auch wenn der eine oder andere Mitläufer meint, er beteilige sich an einem harmlosen Spaziergang, war auch hier die Realität eine andere. Beamte wurden im Vorbeigehen provoziert, die Stimmung wurde immer emotionsgeladener und als sich die Menschen am Markt weigerten, nach Hause zu gehen, wurde eine Polizeibeamtin ins Gesicht geschlagen. Wann werden die gutgläubigen Mitläufer merken, was hier 'spazieren geht’?"

Friedliche Gegendemonstration

Friedlich und regelkonform hatten 40 Celler gegen das Treiben der "Spaziergänger" demonstriert. Damit wolle man auch weitermachen, so die SPD-Politikerin Angela Hohmann: "Eine Versammlung für Samstag um 11 Uhr ist von uns angemeldet, es liegt jedoch noch keine Genehmigung der Versammlungsbehörde vor."

Weitere Aktionen in Faßberg und Wietze

Unterdessen berichtete Birgit Insinger, dass weitere nicht angemeldete Versammlungen von Corona-Protestlern in Faßberg und Wietze mit 16 beziehungsweise 31 Teilnehmern am Montagabend friedlich und ohne Verstöße verlaufen seien.