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Celle Stadt Citymanager: „Produkt der Lobbyarbeit“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Citymanager: „Produkt der Lobbyarbeit“
14:34 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Wieder müssen sich die Celler Kaufleute mit neuen Vorschriften aus Hannover herumschlagen, die seit Anfang April gelten. Die Neufassung des Ladenöffnungsgesetzes wirkt sich für einige Geschäftsleute vorteilhaft aus. Anderen bringt sie eher Nachteile, wie zum Beispiel den Betreibern von Modeboutiquen.

In Ausflugsorten kann die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage, an denen uneingeschränkt Waren in allen Geschäften verkauft werden dürfen, von vier auf acht erhöht werden, teilte die Stadtverwaltung mit. Für Celle gilt diese Regelung für das Gebiet der Innenstadt. Im übrigen Stadtgebiet bleibt es bei vier verkaufsoffenen Sonntagen.

Im Gegenzug werden für Ausflugsorte Bekleidung und Schmuck aus dem zulässigen Warenangebot gestrichen. „Das Sortiment ist reduziert worden“, erläuterte Ralph Lüßmann vom Fachdienst Allgemeine Ordnung. In Zukunft dürfen die Geschäfte an rund 40 Sonntagen neben Devotionalien und Artikeln, die für den Ort kennzeichnend sind, nur noch folgende Waren des täglichen Kleinbedarfs verkaufen: Bäckerei- und Konditoreiwaren, Zeitungen, Zeitschriften, Straßenkarten, Stadtpläne, Reiselektüre, Schreibmaterialien, Tabakwaren, Schnitt- und Topfblumen, Pflanzengestecke, Kränze, Weihnachtsbäume, Toiletten- und Hygieneartikel, Verbrauchsmaterial für Film- und Fotozwecke sowie Tonträger, Geschenkartikel und Spielzeug (wenn es sich um Gegenstände geringen Werts handelt), Lebens- und Genussmittel in kleinen Mengen sowie ausländische Geldsorten.

Die Geschäfte, für die die Ausflugsordnung gilt, dürfen acht Stunden öffnen. Vom 1. November bis 14. Dezember sowie Karfreitag und am ersten Weihnachtsfeiertag bleiben die Läden allerdings geschlossen.

Die Neuregelung trifft besonders die zahlreichen Modeboutiquen in der Altstadt. Sie werden außerhalb der verkaufsoffenen Sonntage an anderen Sonntagen ihre Ware nicht mehr anbieten können. Dem Vernehmen nach soll die Neuregelung im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines Fabrikverkaufszentrums in Soltau stehen, das Designerware zu Billigpreisen anbieten wird.

Celles Citymanager Gunnar Duvenhorst nannte die neuen Regelungen ein „Produkt der Lobbyarbeit“, sieht aber mit Blick auf vier zusätzliche verkaufsoffene Sonntage „gewisse Verbesserungen“. So könnten nun die Einzelhändler ohne Sortimentsbeschränkung acht verkaufsoffenen Sonntage organisieren. Das würde den Geschäftsleuten Wettbewerbsvorteile gegenüber Städten ohne Ausflugsortregelung bringen. Nach wie vor bestünde allerdings das Problem, dass nicht alle Geschäftsleute an einem Strang zögen. Einige machten bei den verkaufsoffenenen Sonntagen mit, andere wiederum nicht. Auch bei den Öffnungszeiten sei man sich nicht einig. Das führe zu einer Verunsicherung der Besucher, insbesondere der auswärtigen. „Am Ende kann das ein Imageschaden bedeuten. Wir versprechen zu viel und halten zu wenig.“

Das Citymanagement plant für dieses Jahr noch am 2. Mai, 3. Oktober und 7. November verkaufsoffene Sonntage. Ebenfalls sind die Geschäfte am 20. Juni im Rahmen des Niedersachsentages geöffnet. Zudem ist ein Moonlight-Shopping bis 22 Uhr ist für den 4. Dezember vorgesehen. An eine Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage denkt Duvenhorst zunächst nicht. „Lieber wenig richtig machen“, sagte er.

Das Vorschriften-Wirrwarr im Zusammenhang mit der Ausflugsortregelung hatte in der Vergangenheit so manchen Celler Händler verärgert. Die Stadtverwaltung achtet penibel darauf, dass die Sortiments- und Zeitvorgaben eingehalten werden. Streit gab es beispielsweise bei der Frage, ob ein Rasierer ein Hygieneartikel ist oder nicht. Auch ein Kioskbesitzer bekam Besuch von den Ordnungshütern, weil er sein Geschäft zu lange geöffnet hatte.