Kindheit neben Kaufhaus

Elternhaus wich Karstadt-Neubau

An den Neubau des Celler Karstadt-Warenhauses in den 1960er Jahren erinnert sich Karin Aschemann gut – ihr Elternhaus wurde damals dafür abgerissen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Jan. 2021 | 11:04 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

An den Neubau des Celler Karstadt-Warenhauses in den 1960er Jahren erinnert sich Karin Aschemann noch gut – ihr Elternhaus wurde damals abgerissen, um Platz zu schaffen für die vergrößerte Verkaufsfläche des am 25. März 1965 eröffneten neuen Warenhauses. Das galt zu seiner Zeit als bundesweit modernstes Haus der Warenhauskette, verfügte sogar über ein Spielzimmer für Kleinkinder. Die Wirkungsstätte von damals mehr als 700 Beschäftigten (!) sollte dem Celler Stadtkern neue Zugkraft und weitere Impulse geben, ist der CZ vom Eröffnungstag zu entnehmen.

Erinnerung an Hermann Bunzel

Neben dem Düsseldorfer Architekten Walter Brune, dessen Entwurf schließlich verwirklicht wurde (und der anschließend die mittlerweile denkmalgeschützte Karstadt-Hauptverwaltung in Essen baute), habe damals auch der Celler Architekt Hermann Bunzel einen ersten Preis im Wettbewerb zur Neugestaltung des Kaufhauses erhalten, weiß die Cellerin nach dem CZ-Bericht über Brune vom 5. Januar zu erzählen. „Die Fassade beim Bunzel-Entwurf war etwas stärker an den Fachwerk-Charakter der umgebenden Altstadt angeglichen“, erinnert sich die 72-Jährige, die noch immer in dem 1965 bezogenen Gebäude wohnt, das ihre Eltern nach dem Verkauf ihres Hauses an Karstadt errichten ließen. Übrigens von Hermann Bunzel – dem Baumeister, der bei Karstadt nicht zum Zuge gekommen war.

Bauhäusler arbeitete für Architekt Haesler

Der Celler Architekt Otto Haesler – mittlerweile Kult in der längst nicht mehr nur als Fachwerkstadt bekannten Kommune – hatte den diplomierten Bauhäusler Bunzel 1930 in sein Büro nach Celle geholt. Nur ein Jahr später konstatierte der Angeworbene ernüchtert, angesichts der schlechter gewordenen Auftragslage und Bezahlung ergebe es keinen Sinn mehr, „eigene ideen dem privaten ,würger’ zuzuspielen“. So gründete Bunzel sein eigenes Büro, in das er später übrigens auch die Architektin Katt Both holte, die von 1929 bis 1933 für Haesler gearbeitet hatte. Bunzel (1901 bis 1985) entwarf unter anderem die Trauerhalle/Kapelle auf dem Celler Stadtfriedhof.

Kindheit mit Spielzeug-Schaufenster

Doch zurück zum Karstadt-Gebäude und zu Karin Aschemann: „Ich sehe noch die schön dekorierten Schaufenster mit Spielsachen in der Weihnachtszeit vor mir“, erinnert sie sich an ihre Kindheit und an den alten, 1929 von Rudolph Karstadt eröffneten Kaufhaus-Vorgängerbau an der Celler Poststraße.

Quasi nebenan lag damals ihr Elternhaus; den Innenhof teilte man sich mit der Firma Dobberkau. Die ersten Angebote zum Verkauf der alten Innenstadt-Immobilie an der Mauernstraße 52 habe ihre Großmutter noch abgelehnt, sagt die langjährige Sparkassen-Angestellte über das Bemühen der Warenhauskette, die eigene Verkaufsfläche zu vergrößern. „Unser damaliges Haus war schon sehr lange im Familienbesitz gewesen.“

Warenhauskette Karstadt kauft Wohngebäude

Die Geschäftsräume im Erdgeschoss waren an einen Eisenwarenladen verpachtet, die Familie wohnte im ersten Obergeschoss. Drei weiteren Mietparteien diente das Haus damals ebenfalls als Wohnort. Doch nach längerem Zögern sei dem Verkauf dann doch zugestimmt worden, als die Warenhauskette einen sehr vorteilhaften Kaufvertrag angeboten habe. Es folgte der Abriss, und nach einer Bauzeit von 15 Monaten war dann auf einer Verkaufsfläche von gut 7000 Quadratmetern anstelle der zuvor knapp 4000 ein neues Einkaufsparadies für die Celler und ihre Gäste entstanden.

Von Klaus M. Frieling

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