Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Nergiz Agirman: „Ich fühle mich wertgeschätzt“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt

Cellerin will Sozialversicherungsfachangestellte werden

07:00 05.04.2021
Von Andreas Babel
Nergiz Agirman an ihre Arbeitsplatz in den Räumen der IKK classic an der Wehlstraße in Celle.
Nergiz Agirman an ihre Arbeitsplatz in den Räumen der IKK classic an der Wehlstraße in Celle. Quelle: David Borghoff
Anzeige
Celle

Nergiz Agirman hat schon eine Menge Praktika absolviert. Dabei erfuhr die 20-Jährige, dass ihr die Arbeit im Büro besonderen Spaß macht. Nun lernt sie (als eine von drei Azubis in ihrem Ausbildungsjahr) bei der IKK classic an der Wehlstraße in Celle den Beruf der Sozialversicherungsfachangestellten. Und da dieses Wort mit seinen 35 Buchstaben (ja, zählen Sie ruhig einmal nach!) schwerlich sogar in eine solch breite Zeitungszeile passt, wird dieser Beruf eingängig mit „SoFa“ abgekürzt. Nach Praktika im Kindergarten und bei RMK stand ein Praktikum beim Finanzamt an. Und das hat der jungen Frau so viel Spaß gemacht, dass sie sich nach einem geeigneten Jahrespraktikum umgesehen hat, das sie für die Fachoberschule absolvieren musste. Das hat sie dann bei der Krankenkasse gefunden, bei der sie heute ausgebildet wird. „Das war ein Vorschlag meiner Mutter und ich habe mich schon während meines Praktikums bei der IKK classic sehr wohl gefühlt“, sagt Agirman, die noch zu Hause bei ihren Eltern lebt.

Die  Geschäftsstelle der IKK classic Celle ist in diesem modernen Gebäude an der Wehlstraße 33 untergebracht. Die Räume sind angemietet. Quelle: Bernd Kohlmeier

Blockausbildung auch in der IKK-Akademie in Hagen

Neben dem Büro und der Schule gibt es einen weiteren Pfeiler dieser Ausbildung, wie Ausbilder Daniel Gehring erläutert: „Unsere Azubis werden in der IKK-Akademie in Hagen ausgebildet. Azubis, die die Berufsschule besuchen, nehmen dort an sieben Seminaren teil, die jeweils zwei Wochen andauern. Zusätzlich besuchen sie die Berufsschule im Blockunterricht. Ein Block dauert in der Regel sechs Wochen. Azubis, die nicht die Berufsschule besuchen, nehmen in unserer Akademie an insgesamt zehn Seminaren teil, die auch jeweils zwei Wochen andauern. In unserer Akademie vermitteln wir alle fachpraktischen Inhalte rund um die Sozialversicherung.“ Und das Ganze ist für die jungen Leute kostenlos: „Unseren Azubis wird dort eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit und Vollverpflegung während der Seminare angeboten.“

Kudenkontakt gefällt Agirman besonders

Besonders gut gefällt Agirman, dass sie viel Kundenkontakt hat. „Denn durch den Kundenkontakt arbeite ich nicht nur die Aufgaben ab, sondern lerne die einzelnen Personen kennen. Durch das direkte Feedback der Kunden merke ich immer wieder, wie sehr man letztlich mit seiner Arbeit den Menschen helfen kann“, sagt die Auszubildende. Zudem werde es in diesem Beruf nie langweilig, „denn jeden Tag kommen andere Kunden mit anderen Sorgen, sodass ich jeden Tag etwas Neues dazulerne“. Sie fühlt sich in dem Unternehmen sehr wertgeschätzt und möchte gerne dort nach der Ausbildung weiter arbeiten. Zudem kann sich die junge Frau vorstellen, Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb der IKK classic anzunehmen.

Ausbildungsverantwortlicher der IKK classic in Celle ist Daniel Gehring. Quelle: David Borghoff

Hohe Lernbereitschaft Voraussetzung

Voraussetzung, um bei der Celler Krankenkasse einen Ausbildungsplatz zu erhalten, ist mindestens ein Realschulabschluss mit guten Noten in Mathematik und Deutsch. Doch Daniel Gehring ist es auch wichtig, „dass der Bewerber motiviert und mit Freude in die Ausbildung startet, eine hohe Lernbereitschaft hat, weil die Ausbildung einen hohen theoretischen Anteil hat“. Und man sollte offen auf Menschen zugehen, sehr kundenorientiert sein und ein gepflegtes Erscheinungsbild haben.

Azubis werden nicht alleine gelassen

Das alles trifft offenbar auf Agirman zu. Sie arbeitet nicht im Homeoffice und die Kunden reagieren sehr verständnisvoll, wenn sie hören, dass sie mit einer Auszubildenden sprechen, die vielleicht einmal nicht auf Anhieb auf jede Frage eine Antwort weiß. Die Azubis werden hier auch nicht alleine gelassen. Ein erfahrener Kollege sitzt bei den Gesprächen immer in ihrer Nähe. Während der Corona-Pandemie hat sie gemerkt, dass der Job als „SoFa“ ein krisensicherer ist. Auch deshalb möchte sie in der Branche bleiben. Denn: „Es ist ein vielfältiger Beruf, der nie aussterben wird“, so Agirman.

Das Logo der Hannah-Arendt-Schule Hannover. Quelle: Klaus Oppermann

"Übernahmechancen sind sehr gut"

Und wie sehen die Chancen für eine weitere Zukunft bei der IKK aus? Daniel Gehring sagt: „Die Übernahmechancen nach der Ausbildung sind bei uns im Unternehmen sehr gut. Beim Abschuss mit der Note ,gut‘ oder besser bieten wir Stand heute direkt einen unbefristeten Vertrag nach der Ausbildung an. Wer mit ,befriedigend‘ oder ,ausreichend‘ abschließt, dem bieten wir zunächst einen befristeten Vertrag für zwei Jahre an, der bei guten Leistungen in der Praxis aber selbstverständlich auch in einen unbefristeten Vertrag gewandelt werden kann.“

Carsten Roisch ist der Schulleiter der Hannah-Arendt-Schule (BBS der Region Hannover für Wirtschaft - Recht - Verwaltung),  die für die Ausbildung der Sozialversicherungsfachangestellten zuständig ist. Quelle: cz

Nachgefragt bei Carsten Roisch

Carsten Roisch ist Schulleiter der BBS Hannah-Arendt-Schule Hannover, an der die Sozialversicherungsfachangestellten ihren Berufsschulunterricht erhalten. Er hat selbst eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten absolviert

Wie lange dauert die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten?
Die Ausbildung dauert im Regelfall drei Jahre und kann bei guten Leistungen um ein halbes Jahr verkürzt werden. Dazu muss ein Antrag gestellt werden, der vom Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule befürwortet wird.

Worum geht es in der Ausbildung?
Die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten („SoFa“) kann bei unterschiedlichen Trägern der Sozialversicherung absolviert werden. Während ihrer Ausbildung werden die Azubis gezielt auf die Übernahme anspruchsvoller Tätigkeiten im Bereich der Sozialversicherung vorbereitet. Sie werden zu kompetenten Ansprechpartnern für Versicherte und Arbeitgeber im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung, Rentenversicherung oder Unfallversicherung. Sie beraten Versicherte und Arbeitgeber rund um das Versicherungsverhältnis, prüfen Ansprüche der Versicherten, führen Beitragsberechnungen durch, gewähren Leistungen und vieles mehr.

Wem würden Sie solch eine Ausbildung empfehlen?
Wer eine Ausbildung zum SoFa anstrebt, sollte kommunikationsfreudig sein und den Kundenkontakt nicht scheuen. Die Beratung von Kunden – persönlich oder telefonisch – gehört zum Arbeitsalltag des SoFas. Grundlegend für die Arbeit ist zudem der Umgang mit Gesetzestexten. Interessenten sollten mindestens über einen Realschulabschluss verfügen. Viele Azubis haben den erweiterten Sekundarabschluss I, einige auch die Fachhochschulreife oder das Abitur.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Sie ist abwechslungsreich und gliedert sich in Praxis- und Theoriephasen. Die praktische Ausbildung findet in den Ausbildungsbetrieben statt. Hier durchlaufen die Auszubildenden unterschiedliche Abteilungen und gegebenenfalls unterschiedliche Geschäftsstellen. Sie lernen die verschiedenen Abteilungen und betriebliche Abläufe kennen und haben Kontakt zu den Versicherten. Die theoretische Ausbildung wird in der Berufsschule und in hauseigenen Lehrinstituten der Ausbildungsbetriebe durchgeführt. Der Berufsschulunterricht findet als Blockunterricht (zwei Blöcke à 6 bis 8 Wochen je Ausbildungsjahr) statt. Neben den allgemeinbildenden Fächern werden vor allem berufsbezogene Inhalte aus den Bereichen Wirtschaft, Recht und Sozialversicherungslehre unterrichtet. Nach etwa eineinhalb Jahren findet die schriftliche Zwischenprüfung statt. Die Abschlussprüfung legen die Azubis am Ende der Ausbildungszeit ab. Diese umfasst vier schriftliche Teile und einen praktischen (mündlichen) Teil.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Ein gelernter „SoFa“ hat sehr gute Übernahmeaussichten. Auch die weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten sind durch die breit aufgestellte Berufsausbildung sehr gut. Zudem bieten die Ausbildungsbetriebe im System der sozialen Sicherung ein hohes Maß an Beschäftigungssicherheit. Im Anschluss an die Ausbildung bestehen gute Fortbildungsmöglichkeiten.

Sozialversicherungsfachangestellte

Was macht man in diesem Beruf?

Sozialversicherungsfachangestellte informieren und beraten Versicherte in rechtlichen Fragen der Mitgliedschaft sowie über die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, die krankenkassenindividuellen Mehrleistungen und gegebenenfalls über Zusatzangebote wie Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge. Zudem sind sie in der Neukundengewinnung tätig. Sie bearbeiten Leistungsanträge im Krankheits- und Pflegefall, wobei sie mit Leistungserbringern beziehungsweise Vertragspartnern wie Ärzten und Ärztinnen, Krankenhäusern, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen, Apotheken und Pflegediensten zusammenarbeiten. Ferner veranlassen beziehungsweise überwachen sie die EDV-gestützte Berechnung und Einziehung von Beiträgen und beraten Firmen über Beitragszahlungen und Meldungen zur Sozialversicherung. Darüber hinaus sind sie für weitere administrative Aufgaben in der inneren Verwaltung tätig und setzen zum Beispiel rechtliche Änderungen um.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Sozialversicherungsfachangestellte der Fachrichtung allgemeine Krankenversicherung finden Beschäftigung

• bei gesetzlichen Krankenversicherungen

• bei Verbänden der Sozialversicherungsträger oder in der Patientenabrechnung von Krankenhäusern

Arbeitsorte:

in erster Linie in Büroräumen/Großraumbüros und in Besprechungsräumen. Darüber hinaus arbeiten sie auch im Außendienst.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Sozialversicherungsträger überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Kundenorientierung und Kommunikationsfähigkeit

• Lernbereitschaft

• Sorgfalt und Verschwiegenheit

Wichtige Schulfächer:

• Mathematik

• Deutsch

• Wirtschaft/Recht

• Politik/Sozialkunde

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):

• 1. Ausbildungsjahr: 1092 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 1175 bis 1182 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 1253 bis 1281 Euro

Christian Link 04.04.2021
Wort zu Ostersonntag - Ostern – Hoffnungszeichen
04.04.2021
World Gin Awards - Mit einem Hauch Kurkuma
Lisa Brautmeier 04.04.2021