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Celler Wort zum Sonntag von Pastor Norbert Schwarz

10:00 25.07.2021
Norbert Schwarz
Norbert Schwarz Quelle: Eingesandt
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Celle

Ihr seid das Salz der Erde“, sagt Jesus in seiner Bergpredigt. Er vergleicht Menschen, die nach seinen Worten handeln, mit jenem Gewürz, das in keiner Küche fehlen darf. Heute ist es leicht und für wenig Geld zu bekommen. Früher war es eine heiß begehrte Kostbarkeit. Ein halbes Fass Salz hatte zeitweise den Gegenwert eines ganzen Hauses. In der Heide sorgte das weiße Gold für Wohlstand und blühenden Handel.

Wenige Körner Salz verändern den Geschmack

Was Jesus mit dem Bild sagen will, ist klar: Vom Salz braucht es nur eine kleine Prise – aber die ist entscheidend. Wenige Körner verändern den Geschmack des ganzen Gerichts. Sie bringen die Würze, auf die es ankommt. So ist es auch mit uns: Ich bin nur ein Einzelner. Dennoch ist es nicht gleichgültig, was ich tue.

Naturgewalt ohnmächtig ausgeliefert

Jede und Jeder kann durch sein Handeln die Welt verändern. – Schwer zu glauben angesichts der Wucht, mit der wir manchmal von Ereignissen überrollt werden. Die Bilder von den alles verschlingenden Flüssen führen uns vor Augen, wie ohnmächtig wir der Naturgewalt ausgeliefert sind. Wahllos kommen Menschen zu Tode. Sinnlos wütet die Zerstörung. Selbst angesichts dieses Schreckens reißt jedoch die Hoffnung nicht ab: Eine Frau blickt auf die Trümmer ihres Hauses. Ihre Verzweiflung muss unermesslich sein. Alles, was sie sich in ihrem Leben aufgebaut hat, haben die Fluten in wenigen Minuten hinweggerissen. Als sie sich zur Kamera wendet, zeigt sie sich jedoch von etwas anderem ergriffen. Sie erzählt davon, was sie in den Stunden danach erlebt hat: Wie die Überlebenden zusammenrücken und sich gegenseitig helfen. Sobald die Flut der Zerstörung abgeebbt ist, eilten von allen Seiten helfende Hände herbei. Entschlossen, dem Unheil zu widerstehen. Retter, Nachbarn und Freiwillige kämpfen sich durch Wasser, Schutt und Trümmer.

Spontane Hilfsbereitschaft

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch,“ sagte der Dichter Friedrich Hölderlin. Für mich ist diese spontane Hilfsbereitschaft ein Anzeichen dafür, dass der Geist der Bergpredigt auch heute noch unter uns wirkt. „Ihr seid das Salz der Erde!“ – selten war so klar, wen Jesus damit meint: Menschen, die helfen im Angesicht der Katastrophe, sind ein unermesslich kostbares Gut. Ihr Engagement wiegt mehr auf als der Gegenwert eines ganzen Hauses. Auch heute noch.

Von Norbert Schwarz

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