Celler Wort zum Sonntag

Himmelfahrt: Trau dich, werd erwachsen!

Christian Rebert ist Pastor in Wienhausen und Diakoniebeauftragter des Kirchenkreises Celle. Im "Wort zum Sonntag" schreibt er über Himmelfahrt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 28. May 2022 | 10:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 28. May 2022 | 10:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Ist Himmelfahrt nicht ein merkwürdiger Feiertag? Es wird gefeiert, dass Jesus in den Himmel entrückt wurde. Manche Bilder zeigen dieses Geschehen so plastisch, dass es den modernen Betrachter an den Beginn einer Weltraumfahrt erinnert. Warum begehen wir etwas so Skurriles?

Wir feiern es, weil es die Bedingung für das Erwachen des Geistes ist, der die Christen erwachsen werden ließ. Solange Jesus auf Erden wandelte, brauchten seine Jünger eigentlich keinen Glauben und kein Vertrauen. Sie konnten ihn und seine Wunderwerke ja unmittelbar sehen und seine Worte hören. Er war der Meister, sie die Lehrlinge.

Jünger mussten erwachsen werden

Als er aber von ihnen gegangen war, mussten sie erwachsen werden. Sie waren gefordert, seine Gedanken weiterzudenken und seine Worte zu deuten, denn fragen konnten sie ihn nun nicht mehr. Jesus hatte immer die Welt des Geistes als die entscheidende betont. Nun waren seine Jünger herausgefordert, sich in diese Welt vorzuwagen.

Das ist nicht ohne, denn als endliche Wesen sind wir geneigt, die sichtbaren und messbaren Dinge für das Eigentliche zu halten. Das geht so weit, dass manche meinen, nur was sich beziffern ließe, könne einen echten Anspruch auf Wahrheit erheben; nach der Devise: „Ich glaube nur, was ich sehen, anfassen und zählen kann.“

Vermeintliche Objektivität

Doch das Leben ausschließlich aus Zahlen, Daten, vermeintlicher Objektivität heraus beschreiben zu wollen, würde die Bereiche ausblenden, in denen die eigentliche Bedeutung des Lebens liegt. Maßstäbe für unser Handeln lassen sich daraus allein nicht ableiten.

Kalte Fakten können allenfalls ein Puzzlestück in alledem sein, was unserem Leben Orientierung gibt. „Die Zahlen verlangen dieses oder jenes“ ist ein Satz, der daher schlichtweg falsch und unmenschlich ist.

Welt selbst deuten

Das Fest der Himmelfahrt zeigt uns: wir sind herausgefordert, unsere Welt selbst zu deuten, abzuwägen, und keiner platten Wahrheit und vermeintlichen Alternativlosigkeit mehr zu glauben. Das gelingt nur durch einen fortwährenden Austausch miteinander, der nicht an Autoritäten, sondern an der Wahrheit orientiert ist. Dazu gehört ebenso eine Hochachtung gegenüber der Individualität und Selbstverantwortung eines jeden einzelnen.

Davon erzählt uns das Pfingstfest – also davon wahrscheinlich nächste Woche an dieser Stelle mehr...

Von Christian Rebert

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