Kaum noch Spenden aktuell

Coronakrise trifft Celler Tierheime

Weniger Gassigänger, Adoptionen nur nach Telefonabsprache oder Schichtarbeit: So versuchen die Celler Tierheime mit der Corona-Krise umzugehen.

  • Von Audrey-Lynn Struck
  • 30. Mar 2020 | 16:40 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Audrey-Lynn Struck
  • 30. Mar 2020 | 16:40 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Vorwerk.

Strahlender blauer Himmel und Sonnenschein: Eigentlich das perfekte Wetter, um draußen spazieren zu gehen – am besten mit Hund. Wer keinen Vierbeiner hat, konnte bisher im Vorwerker Tierheim als Gassigeher fungieren. Doch durch das Coronavirus hat sich einiges geändert, Gassigänger gibt es hier nicht mehr, und auch Besuche finden nicht mehr statt. Kaum ein Tierheim in Deutschland hat noch normal geöffnet, die Leitungen verfolgen wegen fehlender einheitlicher Vorgaben unterschiedliche Konzepte.

Besucher müssen in Hannover vor dem Tor warten

„Natürlich nehmen wir weiterhin Fundtiere an, alles Weitere ist aber nur nach Terminabsprache und einzeln möglich“, sagt Tierheimleiterin Annette Fischer. In Hannover sei Gassigehen hingegen noch möglich. „Die Leute müssen aber vor dem Tor warten und ihre eigene Leine mitbringen“, weiß Fischer.

Gassigehen im Waldtierheim noch möglich

Auch im Celler Waldtierheim verzichtet man nicht auf das Gassigehen. Das liegt nicht zuletzt an der unterschiedlichen Struktur und der Anzahl der Hunde – insgesamt leben hier zehn Hunde und zehn Katzen. „Die Gassigänger sind so selbstständig, dass sie eh alleine hierher kommen, sich das Tier holen und eigentlich keinen Kontakt zu uns haben“, so Tierheimvorsitzende Gabriele Lodder. „Die Besucher wissen auch, welche Leinen sie nehmen. Wir sind ein eingespieltes Team.“ So können die Vierbeiner immer noch eine große Runde laufen. Die Vermittlung erfolgt hingegen auch nach Absprache.

Schichtarbeit in Garßen bis zum 20. April

Ganz anders sieht es im Tierheim in Vorwerk aus, das seit dem 16. März komplett auf Gassigänger verzichtet. Die Mitarbeiter können das nur teilweise auffangen. Schließlich leben dort allein 36 Hunde, 19 Katzen, acht Kaninchen, 13 Mäuse und zahlreiche Wellensittiche. Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme wird seit dieser Woche in zwei Schichten mit jeweils vier oder fünf Personen tageweise gearbeitet. „So gibt es unter den Mitarbeitern kein Durcheinander mehr“, erklärt Fischer. Der Schichtbetrieb soll erst einmal bis zum 20. April andauern. Im Waldtierheim werden die Mitarbeiter seit der Coronakrise ebenfalls besser geschützt. Es wird Abstand gehalten, überall auf dem Gelände stehen Desinfektionsmittelspender und auf die gemeinsame Kaffeepause wird zurzeit verzichtet.

Trotz Corona-Krise bleibt Zahl der Fundtiere konstant

Andere Tierheime berichten vereinzelt von Menschen, die ihre Haustiere aus Angst vor einer Coronainfektion abgeben. Dabei ist wissenschaftlich bisher nicht bestätigt, dass die Krankheit auch von Tieren übertragen werden kann. Solche Fälle gab es in den beiden Celler Tierheimen jedenfalls noch nicht. „Tiere werden hier wohl in nächster Zeit nicht abgegeben, die Leute haben ja nun mehr Zeit“, vermutet Fischer.

An allen Ecken wird gespart: Dringend Spenden benötigt

Neben der Versorgung der Tiere und dem Schutz der Mitarbeiter treibt die beiden Tierheime jedoch in Coronazeiten noch ein weiteres Thema um: die Finanzierung. „Es wird hier von Tag zu Tag ruhiger, was uns natürlich auch Kopfzerbrechen bereitet“, gibt Fischer zu. Spenden gibt es nur noch vereinzelt. „Auch die Sachspenden fallen weg, die sonst im Tierheim abgegeben werden“, weiß Lodder. Zudem brechen in Vorwerk die Pensionsgäste weg, es wird an allen Ecken gespart. Die einzige Hoffnung der Tierheime: dass die Krise schnell vorbeigeht und die ein oder andere Spende doch noch ins Haus flattert.