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Celle Stadt Celler Ratsmühle entpuppt sich als Millionenflop
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Ratsmühle entpuppt sich als Millionenflop
18:12 10.12.2010
Von Gunther Meinrenken
Celler Ratsmühle im Winter
Celler Ratsmühle im Winter Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Cafébesucher, die dem idyllischen Rauschen des Allerwehrs lauschen, umweltbewusste Bürger, die sich im Haus der Nachhaltigkeit informieren, Arztpraxen und Anwaltskanzleien in den Stockwerken darüber und unten im Gebäude rotieren die Wasserturbinen und spülen durch die Stromerzeugung tüchtig Geld in die Haushaltskasse der Stadt Celle. So haben sich das Neue Rathaus und die Politik das künftige Treiben an der Ratsmühle vorgestellt. Der Traum ist geplatzt, der Kauf der Immobilie vom Land dürfte die teuerste Fehlentscheidung der vergangenen Jahre sein.

Ende 2009 hat die Stadt das Mühlen-, ein Verwaltungsgebäude sowie die Turbinen und das Wasserrecht vom Land gekauft, für insgesamt 2,3 Millionen Euro. Gleichzeitig band sich das Neue Rathaus damit die Verpflichtung auf, eine Fischtreppe zu bauen, der städtische Anteil daran beträgt noch einmal 360000 Euro.

Doch Bedenken gab es nicht. Schließlich sollte die Stromerzeugung durch die Wasserkraft jährlich 160000 Euro erbringen. Dieser Wert stimmt immer noch. Doch Berechnungen der Kämmerei haben jetzt ergeben. Insgesamt ist der Kauf ein Minusgeschäft. Abschreibungen, Zinsen und der Unterhalt des Gebäudes zehren die Einnahmen durch die Stromerzeugung auf. Unterm Strich bleiben ab 2013 etwa 100000 Euro Miese – pro Jahr.

Und dabei wird es wohl nicht bleiben. Für die Instandsetzung des Gebäudes dürften noch einmal drei bis vier Millionen Euro, so die Schätzung aus dem Neuen Rathaus, aufgebracht werden müssen.

Und die müsste die Stadt nach Stand der Dinge aus eigener Tasche bezahlen. Denn die Förderkulisse in Millionenhöhe, auf die die Stadt geschielt hat, ist zusammengebrochen. Die Arztpraxen, Anwaltskanzleien und wohl auch Gastronomie zumindest im Gebäudeinnern lassen sich nicht realisieren. Das hat ein Schallschutzgutachten, das allerdings erst nach dem Kauf in Auftrag gegeben wurde, Mitte dieses Jahres ergeben. Für diese Nutzungen hätte es Ziel-1-Mittel gegeben. Übrig bleibt augenblicklich nur noch der Umbau als Museumsdepot – doch der ist nicht förderfähig. Die Kosten für Dach, Fassade, Heizung und Fenster dürften fast die gleichen bleiben.

Bei der Stadt, wo erste Überlegungen zum Kauf der Ratsmühle noch unter Oberbürgermeister Martin Biermann angestellt wurden, versucht man zu retten, was zu retten ist, will in Verhandlungen erreichen, dass die Fördermittel von den Richtlinien befreit werden. Ansonsten ergeht man sich darin, die Vorgänge als Verkettung unglücklicher Umstände darzustellen. „Bekanntlich ist die Barilla Wasa als Mieter Ende 2009 relativ kurzfristig aus der Mühle ausgezogen. Erst danach wurden und konnten Überlegungen angestellt werden, wie das Gebäude eventuell anderweitig sinnvoll genutzt werden könnte“, erklärte Stadtbaurat Matthias Hardinghaus. Doch das stimmt nicht ganz. Barilla Wasa hatte bereits im Oktober 2008 in einem CZ-Artikel angekündigt, den Betrieb der Ratsmühle im Laufe des Jahres 2009 einzustellen.

Kommentar:

Vom Traum zum Albtraum

Charmant war die Idee, die Celler Ratsmühle für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen und dabei auch noch durch Strom aus Wasserkraft Geld zu verdienen. Doch dieser Traum hat sich als Albtraum für den Celler Haushalt erwiesen. Der Kauf der Immobilie ist in Zeiten, in denen der Etat der Stadt sich in einer historischen Schieflage befindet, ein weiterer herber Schlag für die Finanzen der Residenzstadt. 100000 Euro zahlt die Stadt jährlich drauf – weitere Millioneninvestitionen könnten folgen, bezahlt aus städtischen Mitteln.

Jetzt stellt sich die Frage der Verantwortung für diesen Flop. Inwieweit Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) und Stadtbaurat Matthias Hardinghaus (CDU) sich diesen Schuh anziehen müssen, ist fraglich. Der Rat hat dem Kauf im Frühjahr 2009 zugestimmt, da war Mende kaum im Amt und Hardinghaus kam erst Mitte vergangenen Jahres nach Celle. Letztlich abgewickelt wurde der Kauf aber erst im November 2009.

Es bleibt auf jeden festzustellen, dass die Transaktion schlecht vorbereitet worden ist. Das ist ein Fehler der Planer im Neuen Rathaus. Und die Politik hat offensichtlich nicht intensiv genug nachgefragt.

Das Versäumnis liegt darin, kein tragfähiges Nutzungskonzept ausgearbeitet zu haben. Der Verweis darauf, dass man vom Auszug des Mieters Barilla Wasa quasi überrascht worden sei, kann nur als Ausrede bezeichnet werden. Es war hinlänglich bekannt, dass dieses Unternehmen die Ratsmühle aufgeben wollte. Sollte sich dies wirklich nicht bis ins Neue Rathaus und zur Politik herumgesprochen haben oder hat man dort vor lauter Vorfreude auf die Gelder aus der Stromerzeugung die Augen verschlossen?

Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und der Schaden für den Celler Haushalt ist da. Er wird sich nur schwer reparieren lassen. Erste Lösungsansätze, wie der Vorschlag, das Gebäude an die Stadtwerke abzustoßen, die dann einen Umbau zum Museumsdepot bewerkstelligen und dieses an die Stadt vermieten, klingen nicht gerade realistisch. Warum sollten sich die Stadtwerke auf einen Deal einlassen, der ihnen nur Verluste einträgt?

Gunther Meinrenken