Schwerkranke

Onko-Forum schließt Lücken im sozialen Netz

Der Palliativ-Pflegedienst des Onkoforums Celle benötigt dringend Spenden, denn er schließt wichtige Lücken.

  • Von Benjamin Behrens
  • 12. Mai 2021 | 11:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 12. Mai 2021 | 11:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

„Waren es früher meist wenige Tage oder Wochen, so begleiten die Fachkräfte des Ambulanten Palliativdienstes vom Onkologischen Forum Celle ihre schwer kranken Patienten mittlerweile immer länger“, sagt Fritz Gleiß, Sprecher des Onkologischen Forums Celle.

Betreuung wird im Länger

Im letzten Jahr lag die durchschnittliche Begleitzeit, die Zeit zwischen erstem und letztem Kontakt, bei rund einem Dreivierteljahr. Dieses Phänomen lasse sich auf zwei Weisen deuten: Die Arbeit der hoch qualifizierten, erfahrenen Fachkrankenpflegerinnen und -pfleger hilft immer effektiver, Lebenszeit zu verlängern. Zudem würden sie von Angehörigen und Hausärzten, die palliative Diagnosen stellen, immer früher hinzugezogen, um Lebensqualität zu erhalten. „Die Diagnose ‚nicht heilbar‘ ist also selbst bei Krebserkrankungen nicht automatisch mit ‚zum Sterben verurteilt‘ gleichzusetzen. Begleitende Hilfen werden immer wichtiger“, betont Gleiß.

Gesetzgeber greift palliative Begleitung nicht auf

Gleichzeitig habe der Gesetzgeber die seit Jahren zunehmende Bedeutung palliativer Begleitung bis heute nicht aufgegriffen. Erst wenn eine „besonders schwere Symptomlast“ den Menschen plagt, treten die Krankenkassen auf den Plan und übernehmen im Rahmen der „Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung“ (SAPV) einige der dann besonders hohen Kosten für die Pflege und Begleitung. „Die lange davor so überaus sinnvolle, umfassende ‚Allgemeine Palliative Versorgung‘ (AAPV) ist praktisch nur durch Spenden zu leisten“, so Gleiß.

Vereine wie Onkologisches Forum brauchen Spenden

Vereine wie das Onkologische Forum Celle sein daher auf hohe Zuflüsse privater Mittel angewiesen. Auch dies hat zwei Seiten: Zum einen erlauben Spenden eine ganz andere Freiheit bei der Betreuung der Patienten. Deren Bedürfnisse können viel stärker in den Mittelpunkt rücken, Zeit spielt bei der Begleitung keine einschränkende Rolle. Spenden bleiben daher bedeutsam. Auf der anderen Seite aber erschwert ein hoher Spendenbedarf jede Planung und qualitative Weiterentwicklung des AAPV-Angebots, das von manchem Politiker schon als „Luxus“ geschmäht wurde, so Gleiß.

Soziales Netz hat Lücken

„Wer die Lücken unseres sozialen Netzes einmal miterlebt hat, die sich auftun, sobald ein Angehöriger unter einer „nicht mehr heilbaren“ Krankheit leidet, die dessen Lebenszeit zu verkürzen droht, wird die Zynik dieser Sicht erkennen“, ist sich der Sprecher sicher. Daher bleibe die Forderung nach einer höheren Wertschätzung und stärkeren staatlichen Absicherung der AAPV dringlich.

Vision für die zukünftige Gesundheitsversorgung

Der Internationale Tag der Pflege wird jährlich am 12. Mai begangen. Der Tag erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpfelgerin und Pionierin der modernen Krankenpflege Florence Nightingale.

Pionierarbeit im Krimkrieg

1965 wurde der Tag vom International Council of Nurses (ICN, Weltbund der Pflegenden) ins Leben gerufen. Seit 1967 wird er auch in Deutschland als Aktionstag gefeiert. Nigthingale war eine der ersten Medizinerinnen, die sich dafür einsetzte, dass es neben dem rein ärztlichen Versorgen eines Patienten auch eine eigenständige Pflege geben sollte. Während des Krimkrieges (1853–1856) leitete sie das Pflegepersonal und die Organisation eines Militärkrankenhaus im türkischen Scutari (heute der Istanbuler Stadtteil Üsküdar) – mit Erfolg. „Wie der Besuch eines Engels“, beschreibt einer der Soldaten die Arbeit der Schwestern.

Zukunftsvisionen für Pflegeberuf als Motto

In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Nurses: A Voice to Lead – A Vision for Future Healthcare“ (Krankenschwestern: Eine Stimme zum Führen – Eine Vision für die zukünftige Gesundheitsversorgung). Er befasst sich mit den Herausforderungen, denen sich die Pflege stellen muss, und fragt, wie der Berufsstand die Gesundheitsversorgung transformieren wird.