Konflikt bei Lobetal

Drängelte sich Aufsichtsrat bei Impfungen vor?

Neben Bewohnern und Mitarbeitern wurden auch Ehrenamtliche bei Lobetal geimpft - darunter auch Aufsichtsratsmitglieder.

  • Von Benjamin Behrens
  • 10. Mai 2021 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 10. Mai 2021 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

„Impfdrängelei in Lobetal“ – so lautet der Titel eines Schreibens, das der CZ-Redaktion in der vergangenen Woche zusammen mit weiterem Schriftverkehr zugespielt wurde. Gerichtet ist das Schriftstück an die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Lobetalarbeit. Der Vorwurf: Aufsichtsratsmitglieder hätten sich gegen Corona impfen lassen, obwohl sie dazu nicht berechtigt waren.

Fünf von sieben Lobetal-Aufsichtsratsmitglieder geimpft

Die Unterzeichnerin des Schreibens ist der Redaktion bekannt, wollte sich auf Nachfrage aber nicht weiter zu den Vorgängen äußern. Unterdessen wird der im Raum stehende Vorwurf, dass fünf der sieben Aufsichtsratsmitglieder im Zuge der Impfkampagne Anfang April geimpft wurden, obwohl zumindest zwei von ihnen gemäß der Prioritätengruppen dazu noch nicht berechtigt waren, aufgearbeitet. Ende des Monats will sich der Aufsichtsrat bei einer Zoom-Videokonferenz den Fragen der Mitglieder stellen.

Corona-Erstimpfung auch für Ehrenamtliche

1559 Menschen hatten kürzlich in der Celler Lobetalarbeit ihre Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Neben Bewohnern und Mitarbeitern waren dies auch Ehrenamtliche, die in der diakonischen Einrichtung tätig sind. Viele Ehrenamtliche hätten vor Corona unmittelbaren Kontakt zu Bewohnern gehabt, zum Beispiel bei Besuchen in Wohngruppen, bei Spaziergängen, Stadtfahrten oder beim Begleiten zum sonntäglichen Kirchgang, teilt Lobetal auf CZ-Anfrage mit. Dies solle möglichst bald wieder angeboten werden können.

„Die Einladung zum Impfen in Lobetal erging auch an Mitglieder des ehrenamtlich tätigen Aufsichtsrates – fünf Mitglieder haben diese Einladung angenommen", so Lobetal-Sprecher Markus Weyel. "Von ihnen haben nicht alle unmittelbaren Kontakt zu Bewohnern.“

Impfung nach Rücksprache mit Celler Impfzentrum

Ulrike Drömann, theologischer Vorstand der Lobetalarbeit, ergänzt: „Wir sind sehr dankbar für die Arbeit von Ehrenamtlichen in unserer Einrichtung. Wir waren daher sehr froh, den Ehrenamtlichen nach Rücksprache mit dem Celler Impfzentrum eine Impfmöglichkeit in Lobetal anbieten zu können." Bei aller Freude über diese Möglichkeit hätte man sich aber noch mehr Zeit bei der Vorbereitung nehmen und stärker differenzieren müssen, sagt Drömann. "Es wäre sachgerecht gewesen, nur die Ehrenamtlichen einzuladen, die im direkten Kontakt zu Bewohnern stehen. Auf der anderen Seite gab es auch Ehrenamtliche, die keine Einladung zum Impfen erhalten haben. Außerdem wurden zum Beispiel auch Testende geimpft, die nur kurzfristig in Lobetal tätig waren. Mit einem Wort: Es wurden Fehler gemacht." Bei der Fülle der möglichen Impfkandidaten und dem Zeitdruck sei das "vielleicht verständlich". "Trotzdem tun mir diese Fehler sehr leid und ich möchte mich dafür entschuldigen“, so Drömann. Mit dem Celler Impfzentrum werde man Kontakt aufnehmen, um weiteren Ehrenamtlichen eine Impfung zu ermöglichen.

Aufsichtsratsvorsitzende entschuldigt sich

Um Entschuldigung bat auch der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Mletzko. "Wir haben erkannt, dass diejenigen, die die sich haben impfen lassen, an dieser Stelle nicht die notwendige Sensibilität aufgebracht haben", teilt er schriftlich mit.

Die Mitglieder des Vereins Lobetalarbeit würden über den Vorfall informiert, auch mit dem Diakonischen Werk Niedersachsen (DWiN) stehe man in Kontakt, betont Markus Weyel. Dort ist der Vorfall ohnehin bekannt, denn die Verfasserin des Schreibens hat bei Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke gezielt nach Sanktionen gefragt, wie aus dem der Redaktion vorliegendem Schriftverkehr hervorgeht.

Steht Wohl der Lobetalarbeit im Vordergrund?

„Wir unterstützen unsere Mitglieder, nicht aber Mitglieder eines unserer Mitglieder in der Auseinandersetzung gegen Organe desselben“, schreibt Lenke in einer Reaktion an die Vereinsmitglieder. Die Motivation der Briefschreiberin, den Vorgang dem Diakonischen Werk zur Kenntnis zu geben, könne „kritisch hinterfragt werden“, so der Diakonie-Vorstand weiter: "Das vorgeschlagene Vorgehen intendiert eine Spaltung des Aufsichtsrates.“ Es sei die Frage, ob „das Wohl der Lobetalarbeit“ im Vordergrund stehe oder ob es „eine andere Agenda“ gebe, die bearbeitet werde. "Das gilt umso mehr, als es es in den letzten Monaten immer wieder Vorgänge gegeben hat, die Unruhe in die Struktur und Organe gebracht haben", so Lenke in seinem Schreiben an die Mitglieder. "Das ist unglücklich, da alle Kraft und Aufmerksamkeit dem gelten sollten, zum Wohle der Bewohnenden und der Mitarbeitenden die Lobetalarbeit gut durch anspruchsvolle Zeiten zu lenken ."

Vorstandssprecher reagiert auf CZ-Nachfrage

Auf CZ-Nachfrage bestätigt Lenke die Impfung von dazu nicht berechtigten Mitgliedern des Aufsichtsrates. „Wir halten das für nicht angemessen. Der Vorstand sieht zwischenzeitlich seine Entscheidung kritisch und hat um Entschuldigung gebeten“, sagt der DWiN-Vorstandssprecher. „Es gibt einen konkreten Anlass zum Diskurs und dies wird nun sachlich und angemessen erfolgen."