Klimaschutztipps

Jeder Einzelne kann etwas tun

Gute Vorsätze bezüglich des Klima- und Umweltschutzes sind ebenso wichtig wie das Ziel einer gesünderen Ernährung. Michael Weinrich sagt, was man machen kann.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 05. Jan. 2022 | 11:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 05. Jan. 2022 | 11:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Sport treiben und sich gesünder ernähren – das sind die Antworten der meisten Menschen, wenn sie nach ihren Vorsätzen für das neue Jahr gefragt werden. Aber was gibt es darüber hinaus? Das Klima und die Umwelt würden jetzt zahlreiche Anhänger von Greenpeace sagen. CZ-Volontärin Katharina Jäger sprach mit dem Sprecher der Klimaplattform Celle Michael Weinrich (54) über die Mithilfe eines jeden Einzelnen beim Klimaschutz.

Wir starten in das neue Jahr 2022. Welche Vorsätze haben Sie bezüglich der Themen „Klima“ und „Umwelt“?

Als Celler Klimaplattform werden wir uns weiterhin für eine zunehmende Transparenz der Entscheidungsprozesse einsetzen. Der Beschluss „Klima in Not“ muss wirksam umgesetzt werden. Bei Themen wie Baumschutz, Energie- und Wärmewende oder einer ökologischen Mobilitätswende gibt es gute Ansätze, die auf kommunaler Ebene realisiert werden können.

Wir werden auch in diesem Jahr wieder unseren Preis „Klimaheld:in Celle“ vergeben. Aber wir haben auch noch andere Ideen, um Bürger, Geschäftsleute und Politiker ins gemeinsame Gespräch zum Thema Klimaschutz zu bringen.

Und wie wollen Sie persönlich das Klima und die Umwelt schützen? Was machen Sie da bereits?

Persönlich würde ich gern meine Gasheizung durch eine andere Lösung ersetzen. Hinsichtlich meiner Ernährung gibt es auch noch Möglichkeiten zur Optimierung.

Darüber hinaus lebe ich seit vielen Jahren autofrei und achte beim Einkauf darauf, Verpackungen möglichst zu vermeiden und regionale Produkte zu kaufen. Außerdem engagiere ich mich in einigen Gruppen, die sich aktiv für den Klimaschutz einsetzen.

Was wünschen Sie sich von den Bürgern im Landkreis Celle?

Zusammenhalt. Wir haben nur eine Chance, wenn wir den Klimaschutz gemeinsam angehen. Das gilt für alle Bürger im Landkreis Celle. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das gemeinsame Arbeiten an einem so großen Ziel auch Spaß macht: Wenn ich mich gesund ernähre, wenn ich mich an der frischen Luft bewege, statt im Auto zu sitzen, dann geht es mir besser.

Was kann jeder Einzelne bei sich zu Hause für den Klima- und Umweltschutz tun?

Jeder Mensch kann etwas tun – und jede kleine Entscheidung ist wichtig! Einen guten Einstieg bietet die Klimafit-Challenge (www.klimafit-challenge.de), bei der man sich für eine oder mehrere Maßnahmen entscheiden und auch direkt die Wirkung des eigenen Handelns sehen kann. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Celle werden wir als Celler Klimaplattform die Klimafit-Challenge in diesem Jahr noch bekannter machen.

An einem (weiteren) Tag in der Woche kein Fleisch zu essen oder regional einzukaufen, hilft beispielsweise auch dem Klima. Und die Standby-Funktion des Fernsehers kann ausgeschaltet werden, wenn er nicht benutzt wird. Das sind erste Kleinigkeiten, die nicht weh tun, andererseits aber etwas bringen, wenn sie von vielen Menschen umgesetzt werden.

Wie schafft man es, dass mehr Arbeitstätige auf CeBus umsteigen?

Das Thema ÖPNV ist sehr wichtig, nicht nur in Bezug auf Arbeitstätige. Wenn wir Menschen dauerhaft vom eigenen Auto in den ÖPNV, also zum Beispiel CeBus, bekommen wollen, muss dieser gut erreichbar sein und oft fahren. Es reicht nicht, sich auf Schüler oder Arbeitstätige zu konzentrieren. Der ÖPNV muss für alle attraktiv sein, gut verfügbar und kostengünstig.

Mir ist klar, dass das leichter gesagt als getan ist. Gerade für einen Flächen-Landkreis muss Mobilität in vielen Bereichen neu gedacht werden. Die gute Nachricht ist, dass es in anderen Orten schon viele Erfahrungen gibt, die uns in Celle nutzen können. Hier gilt es, von anderen zu lernen. Es gibt zum Beispiel interessante Versuche zu Shuttle-Systemen, einen zunehmend automatisierten ÖPNV oder unterschiedliche Bus-Größen.

Gibt es genügend Betriebe im Landkreis Celle, die ihren Mitarbeitern E-Bike-Aufladestationen und Unterstellmöglichkeiten anbieten?

Dazu liegen mir keine Zahlen vor. Ihre Frage zielt aber in eine sehr gute Richtung: Die Arbeitswege machen einen großen Teil des Verkehrsaufkommens aus. Da ist es wichtig, auch in den Betrieben darüber nachzudenken, wie die Arbeitstätigen ökologisch sinnvoll zur Arbeit kommen können. Die Betriebe können da aktiv unterstützen. Die von Ihnen genannten E-Bike-Ladestationen und Fahrrad-Unterstellmöglichkeiten sind Optionen, andere könnten auch eine gute Anbindung der Arbeitsstätte an den ÖPNV, die Unterstützung von Fahrgemeinschaften oder die Bereitstellung von Ladesäulen für Elektroautos sein.

Was können Arbeitgeber noch tun, um ihren Mitarbeitern den Umstieg vom Pkw auf den ÖPNV oder aufs Rad schmackhaft zu machen?

Es ist wichtig, dass das Thema in das Bewusstsein kommt, dass darüber auch in den Betrieben gesprochen wird. Die Frage ist ja, wer am besten weiß, was die Mitarbeiter zur Nutzung des ÖPNVs oder des Fahrrads bewegt. Das sind die Beschäftigten selbst! Daher sollten diese Themen auch in den Betrieben offen diskutiert werden.

Zum Bäcker um die Ecke mit dem Auto: Was sagen Sie dazu?

Solche Kurzfahrten sind völlig unsinnig: Ein kaltes Auto verbraucht in den ersten gefahrenen Kilometern ein Vielfaches an Sprit. Kurzfahrten verschwenden also unnötig Treibstoff. Hinzu kommt die Belastung der Luft im eigenen Wohnbereich. Bei mir hat sich eine Verkäuferin darüber beklagt, dass der Gestank der vor der Bäckerei rangierenden Autos durch die offene Tür in den Laden zieht.

Was wünschen Sie sich von der Celler Politik bezüglich des Klima- und Umweltschutzes?

Wenn im Jahresrückblick des Oberbürgermeisters das Wort "Klimaschutz" nicht auftaucht, haben wir noch viel zu tun. Dabei ist es uns wichtig, dass wir als Celler Klimaplattform nicht als Gegner der Stadt- oder Landkreisverwaltung gesehen werden, sondern als Partner, der Impulse für eine positive Entwicklung von Celle und Umgebung geben kann.

Gerade die Themen Wärme- und Mobilitätswende können von der Kommunalpolitik in weiten Teilen eigenständig gesteuert werden. Es geht darum, Handlungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene zu erkennen und sie umzusetzen. Auch hier sollen alle Beteiligten konstruktiv und offen miteinander am großen Ziel arbeiten.

Wir werden in diesem Jahr die direkte Zusammenarbeit mit den Politikern in Stadt und Landkreis intensivieren. Von einer Stadtratsfraktion sind wir bereits zu einem Gespräch eingeladen worden.

Die Celler Klimaplattform ist seit der letzten Kommunalwahl in den Klima-Ausschüssen des Stadtrats und Kreistags als beratendes Mitglied tätig. Wir freuen uns über und auf diese neue Aufgabe. Auf Kreistagsebene hat es eine erste Sitzung und einen ersten positiven Ideen-Austausch gegeben. Die erste Sitzung des Stadtrats-Ausschusses findet erst Ende Januar statt.

Von Katharina Jäger

Von