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Celler Kanzlei Mertins und Jung bilden Steuerfachangestellte aus

13:00 21.11.2020
Für die Mandanten kümmert sich Auszubildende Vivien Hanns besonders gerne um die Buchführungen. Im Büro läuft dabei vieles nur noch digital mit entsprechenden Softwareprogrammen. Quelle: David Borghoff
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Celle

Wer eine Ausbildung beginnen möchte, startet meist direkt nach dem Erlangen eines Schulabschlusses. Viele Azubis sind kaum älter als 18, wenn sie in einem Betrieb anfangen. Vivien Hanns bildet die Ausnahme. Mit 31 Jahren möchte die Cellerin Steuerfachangestellte werden und befindet sich damit schon in ihrer zweiten Ausbildung.

Komplette Neuorientierung

Zuvor hatte sich Hanns zur Sport- und Fitnesskauffrau ausbilden lassen. „Da habe ich für mich aber keine Perspektive gesehen und wollte daher nach etwas Neuem suchen“, erklärt Hanns. Jetzt macht sie eine Ausbildung bei der Celler Steuerberatungsgesellschaft Mertins und Jung. Geschäftsführer Uwe Mertins lernte sie durch ihren früheren Beruf kennen und er konnte sie von der Kanzlei überzeugen. „Das ist ein zukunftsorientierter Beruf, mit dem man in der Regel niemals arbeitslos wird“, ist sich Mertins sicher.

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Geschäftsführer Uwe Mertins hat Vivien Hanns von der Ausbildung zur Steuerfachangestellten überzeugt. Quelle: Lisa Brautmeier

In verschiedene Betriebe hineindenken

„Mir gefällt hier sehr, dass man jeden Tag etwas dazu lernen kann und sich immer wieder neu in Dinge hineindenken muss“, sagt Hanns. Die Büroarbeit wird ihr nie langweilig. Typische Aufgaben der Auszubildenden sind zum Beispiel die Buchführung für Mandanten und das Erstellen von Jahresabschlüssen, Kassenbelege sortieren, einscannen und Steuererklärungen für Betriebe oder Privatpersonen vorbereiten. „Am liebsten mache ich derzeit die Buchführung, da man dadurch einen Einblick in verschiedenste Unternehmen erhält“, erklärt die 31-Jährige. Da sie jeden Tag mehrere Mandanten betreut, muss sich Hanns in unterschiedliche Betriebe hineindenken.

Vivien Hanns freut sich über viel Abwechslung in ihrem Berufsalltag. Quelle: David Borghoff

„Am schwierigsten ist es, das theoretische Wissen aus der Schule auf die Arbeit zu übertragen“, meint die Auszubildende. Hanns ist derzeit im zweiten Lehrjahr und ist einmal pro Woche an den Berufsbildenden Schulen 1 Celle. Dort stehen unter anderem die vielen Gesetze, zum Beispiel zur Einkommen- oder Umsatzsteuer, auf dem Lehrplan. „Die ganzen Bereiche sind wie einzelne Puzzleteile, aus denen sich später ein großes Puzzle zusammensetzt“, erklärt Hanns. Denn als Steuerfachangestellte muss sie sich in verschiedensten Bereichen auskennen.

Feste Ansprechpartner

Hanns und die drei anderen Auszubildenden der Kanzlei arbeiten vorwiegend selbstständig. Es gilt jedoch das Sechs-Augen-Prinzip, da natürlich alles noch einmal überprüft wird. Einen Ausbildungsleiter gibt es in dem Betrieb mit nur 30 Mitarbeitern nicht. „Aber ich habe dennoch feste Ansprechpartner, die ich bei Schwierigkeiten jederzeit fragen kann“, sagt Hanns.

Gefühl für Zahlen und wirtschaftliches Verständnis

"Es ist wichtig, sich in vielen verschiedenen Branchen auszukennen", meint Steuerberater und Geschäftsführer Marcel Jung. Quelle: Lisa Brautmeier

Die Kanzlei hat jedes Jahr unterschiedlich viele Bewerber, von denen vor allem ein Gefühl für Zahlen und ein wirtschaftliches Verständnis erwartet werden. „Es ist wichtig, sich in vielen verschiedenen Branchen auszukennen, damit man den Mandanten in den Gesprächen ein gutes Gefühl geben kann. Man muss mit ihnen kommunizieren können“, meint Geschäftsführer Marcel Jung. „Auch gute Deutschkenntnisse sind notwendig, da die Gesetzestexte nicht immer einfach zu verstehen sind“, fügt Uwe Mertins hinzu.

Gute Aufstiegschancen

Nach der Ausbildung können sich Steuerfachangestellte überlegen, ob sie sich noch weiterqualifizieren möchten. Es gibt gute Aufstiegsmöglichkeiten. Nach drei Jahren Berufserfahrung ist zum Beispiel eine Weiterbildung zum Steuerfachwirt möglich, anschließend kann sogar die Steuerberaterprüfung abgelegt werden – alles ganz ohne Studium. „Es gibt auch noch andere Fortbildungsmöglichkeiten, beispielsweise zum Fachassistent Lohn und Gehalt“, erklärt Hanns. Genau diese Vielfalt und diese Aufstiegschancen machen den Beruf für viele Auszubildenden so interessant.

Nachgefragt bei Elke Fitschen

Elke Fitschen ist die Bildungsgangleiterin für den bereich der Steuerfachangestellten an den Berufbildenden Schulen 1 Celle.

Elke Fitschen ist an den Berufsbildenden Schulen 1 Celle die Bildungsgangsleiterin Steuern. Quelle: Oliver Knoblich

Wie lange dauert die Ausbildung zur Steuerfachangestellten?

Die Ausbildung zur Steuerfachangestellten dauert in der Regel drei Jahre, wird aber gelegentlich von leistungsstarken Auszubildenden auf zweieinhalb Jahre verkürzt.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

In der Berufsschule erwerben die Auszubildenden die Kompetenzen, die sie zur Unterstützung ihres Steuerberaters bei der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung der Mandanten benötigen. Der Unterricht in Lernfeldern beinhaltet neben der Finanzbuchführung und der Erstellung von Jahresabschlüssen insbesondere die aktuellen Regelungen der Einkommen- und der Umsatzsteuer. In enger Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben bieten wir Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel Besonderheiten des Lohnsteuerrechts und Excel an.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Nach eineinhalb Jahren findet die Zwischenprüfung statt. Die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildungszeit besteht aus den drei schriftlichen Prüfungsfächern Rechnungswesen, Wirtschafts- und Sozialkunde und Steuerrecht und einem Mandantengespräch als mündliche Prüfung.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Diese Ausbildung ist interessant für Menschen, die ein Gefühl für Zahlen und Interesse an den Themen Steuern und Recht haben, sorgfältig arbeiten, verantwortungsbewusst, kundenorientiert und teamfähig sind, gerne im Büro und am PC arbeiten, und bereit sind, sich ständig fachlich weiterzubilden.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die Übernahmeaussichten nach der Ausbildung sind sehr gut. Zudem bieten sich als vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten beispielsweise der Fachassistent Lohn und Gehalt, der Fachassistent Rechnungswesen und Controlling oder der Steuerfachwirt. Sogar die Steuerberaterprüfung kann mit einigen Jahren Berufserfahrung ohne Studium abgelegt werden.

Wie viele Schüler betreuen Sie derzeit in diesem Bildungsgang?

Bei uns sind derzeit im ersten Ausbildungsjahr 10 Auszubildende, im zweiten Ausbildungsjahr 13 Auszubildende und im dritten Ausbildungsjahr 12 Auszubildende. Insgesamt wollen also 35 junge Leute diesen Beruf ergreifen. Wir haben also noch Platz für weitere geeignete Auszubildende im Ausbildungsberuf Steuerfachangestellte beziehungsweise Steuerfachangestellter.

Von Lisa Brautmeier

Steuerfach-angestellte

Weitere interessante Porträts von Auszubildenden und ihren
Berufen gibt es unter
www.cellesche-zeitung.de

Was macht man in diesem Beruf?

Sie unterstützen unter anderem Steuerberater bei der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung von Mandanten. Sie erteilen Auskünfte, stehen in Kontakt mit Finanzämtern oder Sozialversicherungsträgern, planen und überwachen Termine und stellen die Einhaltung von Fristen sicher. Sie stehen im engen Kontakt mit den Mandaten, verarbeiten deren Rechnungen, Belege und Kontoauszüge zu einer ordnungsgemäßen Buchführung, bearbeiten Steuererklärungen und überprüfen Steuerbescheide. Darüber hinaus führen sie Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Mandanten oder das eigene Unternehmen durch und wirken an der Erstellung von Jahresabschlüssen mit. Bei allen Tätigkeiten berücksichtigen sie stets die aktuelle Rechtslage und geltende Fristen. Außerdem erledigen sie allgemeine Büroarbeiten, führen die Korrespondenz und bereiten Unterlagen für Gesprächstermine mit Mandanten vor.

Wo arbeitet man?

• in Kanzleien von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und vereidigten Buchprüfern
• in Steuerberatungs-, Wirtschaftsprüfungs- und Buchprüfungsgesellschaften
• bei Wirtschaftsunternehmen in den Bereichen Rechnungswesen, Buchführung oder Personalsachbearbeitung

Arbeitsorte:

Steuerfachangestellte arbeiten in erster Linie in Büros.

Welcher Schulabschluss
wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein.

Anforderungen:

• Kommunikationsfähigkeit und Kunden- und Serviceorientierung (zum Beispiel Mandanten zu Steuerangelegenheiten beraten und dabei individuelle Besonderheiten und Anforderungen beachten)
• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel bei der Erstellung von Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Betriebe und bei der Berechnung von Einkommen-, Lohn- und Umsatzsteuerbeträgen)
• Flexibilität (zum Beispiel beim Wechsel zwischen Kundenkontakt, Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten und eigenständiger Bearbeitung von Akten)
• Lernbereitschaft (zum Beispiel sich laufend über aktuelle Steuergesetze und steuerlich relevante Bestimmungen informieren)

Wichtige Schulfächer:

• Mathematik (zum Beispiel beim Berechnen von Gewerbesteuerrückstellungen und Überschlagen der Umsatzsteuer)
• Wirtschaft/Recht (zum Beispiel beim Kontieren von Buchungsvorgängen)
• Deutsch (zum Beispiel beim Erstellen von schriftlichen Arbeiten und Geschäftsbriefen)

Was verdient man in der
Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):
• 1. Ausbildungsjahr: 550 bis
1000 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 650 bis
1050 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 750 bis
1150 Euro

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