Celler Jahreswetter 2021

Schadfröste bis in den Mai hinein

Das turbulente Wetterjahr 2021 brachte auch bei der Vegetation im Landkreis vieles durcheinander. Ein Blick zurück – und nach vorn.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 03. Jan. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 03. Jan. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Nicht nur wegen Corona gab es im Jahr 2021 wenig zu lachen. Auch beim Wetter ging einiges schief. Statt der Sonne überwogen im Sommerhalbjahr graue Wolken. Für Unmut sorgte das kälteste Frühjahr seit Jahrzehnten, zu dem ein frostiger Februar den Startschuss gab. Viele werden es auf ihrer Heizrechnung merken. Sein winterliches Erbe behinderte mit herben Spät- und Schadfrösten den Fortschritt der Vegetation bis weit in den Mai hinein. Auch wenn längere Hitze- und Dürrephasen ausblieben, erforderten Gewitter mit örtlich unwetterartigem Starkregen den Einsatz der Feuerwehren. Wer auf ein feuchtes Jahr hoffte wurde erneut enttäuscht. Auf der Habenseite landete vor allem der Juni, der diesmal die Rolle des Hochsommermonats übernahm.

Januar – grau und nass

Tiefs treiben immer wieder Regen über das nordöstliche Niedersachsen. Darunter das Tief „Goran“, das am 21. und 22. Januar mit Spitzenböen von 75 bis 85 Kilometer pro Stunde (Windstärke Beaufort 9) im Celler Land nur wenig Schaden anrichtet. Der Januar endet mit arktischer Kaltluft, aus der Schnee- und Graupelschauer fallen. Entlang einer Luftmassengrenze schneit es am 29. Januar zwischen Aller und Elbe anhaltend, im Raum Faßberg bis zu zehn Zentimeter.

Februar – fast 40 Grad rauf in acht Tagen

Der Februar startet tief winterlich. Nach einer eisigen ersten Hälfte mit strengen Frösten bis unter minus 20 Grad und einer durchgängigen Schneedecke (Faßberg maximal 20, Celle 22 Zentimeter am 11. Februar) wird die Region in gut einer Woche durch subtropische Warmluft vom Winter in den Frühling katapultiert (Faßberg am 13. Februar -20,5 Grad Celsius/ am 24. Februar +18,8 Grad Celsius). Durch den massiven Wärmeschub endet der Februar nur wenig zu kalt.

März – trocken und freundlich

Ein freundlicher und trockener März sorgt für Freude. Trotzdem rauschen vor allem in der zweiten Dekade Niederschlagsgebiete heran, die Schnee- und Graupelschauer und lokal auch mal ein kurzes Gewitter im Gepäck haben. Durch den Kampf von Winter- und Frühlingsluft auf engem Raum fahren die Temperaturen Achterbahn. Am Ende gewinnt die Wärme. Mit 24 bis 25 Grad (in Celle 24,8 Grad Celsius) wird vereinzelt sogar der erste Sommertag in einem März verbucht.

April – kalt wie lange nicht

Das Auf und Ab der Temperaturen setzt sich im April auf niedrigem Niveau fort. Mit 7 bis 14 Frosttagen (26. April bis minus fünf Grad Celsius) und einer Mitteltemperatur von 5,7 Grad Celsius in Faßberg geht der April als kältester seiner Art seit 1977 in die Annalen ein. Während der Sonnenschein im Normalbereich liegt, lassen die Niederschläge zu wünschen übrig. Und es gibt vereinzelt kurzzeitig heftigen Sturm.

Mai – wenig wonnig

Auf der Südseite eines Tiefdrucksystems über Nordeuropa will der Zustrom polarer Kaltluft nicht enden. So müssen wir den kühlsten Mai seit 2010 hinnehmen, der zudem sehr nass ausfällt. Mit dem Mai endet zugleich das kälteste Frühjahr seit 2006, örtlich sogar seit 1984.

Juni – Hochsommer statt Schafskälte

Anfang Juni ist das Wetter immer noch wechselhaft. Gewittrige Tiefausläufer bringen wiederholt Niederschläge, mitunter auch Hagel und Sturmböen mit. Zur Monatsmitte wendet sich das Blatt: Wo sonst die Schafskälte herrscht, lässt der Hochsommer seine Muskeln spielen. An insgesamt vier Tagen wird die 30-Grad-Marke geknackt und schon am 18. Juni mit 35 Grad die Jahreshöchsttemperatur erreicht – in dem nach 2019 und 1917 drittwärmsten Juni seit 120 Jahren. Trockenheit und viel Sonnenschein runden das Bild des eigentlichen Hochsommermonats ab.

Juli – unfreundlich und sehr nass

Im Juli hat die Sonne wenig zu lachen. Immer wieder rücken Unwettertiefs heran, die vor allem Westdeutschland katastrophale Sturzfluten bringen. Im Bereich einer von Gewittern durchsetzten Luftmassengrenze schüttet es am 8. und 9. Juli auch im Celler Land ordentlich. Regional kommen bis zu 60 Liter pro Quadratmeter in 36 Stunden runter, in Celle am 9. Juli binnen zwei Stunden satte 43 Liter. Das Positive: Landwirtschaft und Natur freuen sich über den vielen Regen.

August – es wird noch schlimmer

Im August zeigt die Stimmungskurve weiter nach unten. Die missratene Siebenschläfer-Zeit von Anfang Juli weist den Weg. Unter dem Einfluss skandinavischer Tiefs regnet es oft, mitunter auch heftig. Hoher Luftdruck und Sonnenschein sind die Ausnahme. Die anfänglichen Sommertemperaturen gehen auf Tauchstation. Im letzten Augustdrittel liegen sie zeitweise auf Herbstniveau. So wundert es nicht, dass der Sommer insgesamt keine Loblieder verdient.

September – optimistisch in den Herbst

Drei Sommertage in der ersten Septemberhälfte lassen auf einen schönen Herbst hoffen. Trotzdem mischen sich Starkniederschläge ein. Ganz vorne mit dabei ist mal wieder die Südheide, wo Faßberg am 26. September 39 Liter Wasser pro Quadratmeter abbekommt. Gegen Monatsende läuft der Altweibersommer mit fast 25 Grad kurzzeitig zu Hochform auf.

Oktober – viel Blattgold

Stabile Hochdrucklagen ohne viel Nebel bringen einige ruhige und oft goldene Oktobertage. Für Aufregung sorgt nur das Sturmtief „Hendrik“, das am 21. des Monats mit Spitzenböen bis 76 Kilometer pro Stunde (Beaufort 9) über das Land zieht. Am Ende verabschiedet sich ein warmer, in der Fläche zu trockener und ungewohnt freundlicher Oktober von der Wetterbühne.

November – ein trüber Langweiler

Sonnenschein auf Dezember-Niveau lässt den November traurig aussehen. Anteil daran hat das Tief „Peter“, das am 4. November von den Alpen nach Nordpolen zieht. Es erfasst mit ergiebigem Dauerregen bis 20 Liter pro Quadratmeter hauptsächlich den Elbe-Raum. Polarfronten bringen zur Adventszeit mit Wind, Regen und Schneeregen endlich Schwung und mehr Licht in die Wetterküche.

Dezember – winterliche Weihnachten

Wo gewöhnlich Tauwetter herrscht, schwingt zu Weihnachten diesmal Väterchen Frost sein Zepter. Beißende Kälte, vereiste Tümpel, strahlender Sonnenschein und regional sogar etwas Schnee verbreiten die ersehnte Festtagsstimmung. Doch schon kurz darauf räumt milde Meeresluft die Winterfreuden wieder ab.

Von Reinhard Zakrzewski

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