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Celler Berufsschulpastorin: „Ich bin Profiteurin von Corona“

15:55 11.02.2021
Anne Störmer ist Berufsschulpastorin.
Anne Störmer ist Berufsschulpastorin. Quelle: cz
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„Ich bin Corona-Profiteurin!“ Wir haben keine Geldsorgen. Wir haben Platz im Haus und im Garten. Wir haben täglich vier ausgeschlafene Jungs zwischen vier und zwölf Jahren, die gelernt haben, regelmäßig in der Küche und bei der Wäsche zu helfen. Wir reden und streiten und vertragen uns zeitnah. Erziehungsarbeit ist leichter, weil wir näher dran sind.

Mein Mann und ich haben uns die Wochentage mit Blick auf die Arbeit sinnvoll aufgeteilt und genießen die Zeit, die jeden Tag übrig ist. Noch ein Nebeneffekt der aktuellen Zeit: Im vergangenen Jahr waren wir so gesund wie schon lange nicht mehr. Herausfordernd erlebe ich dagegen die Sehnsucht der Kinder nach ihren Freunden und ich sehne mich nach geöffneten Schwimmbädern und Ausflügen zu Freunden an einem Samstag.

Beruflich habe ich viel dazugelernt. Ich nutze digitale Tools für den Unterricht und probiere mich an unterschiedlichen Strategien des Online-Unterrichtens aus. Schwierig sind instabile Übertragungen und ungeeignete Endgeräte bei Schülern. Manchmal bin ich einfach nur froh, wenn ich einen Schüler erreiche, der wochenlang abgetaucht ist. Von meinen etwa 190 Schülern haben etwa 40 den Distanzunterricht zu wörtlich genommen – sie laufen Gefahr, auf Dauer abgehängt zu werden. Im Distanzunterricht treten einzelne Schüler stärker in den Mittelpunkt, aber es ist weitaus schwieriger, einen pädagogischen Blick für die Klasse zu gewinnen.

Meine Sicht ist trotzdem eine hoffnungsvolle. Weil das Ganze ein großes Bildungspotenzial in sich trägt. Was tut mir in Krisen gut? Was schadet mir? Wer hat mir geholfen und wer hat mich enttäuscht? Welche Freunde haben den Kontakt gehalten? Für wen und was lerne ich? Wenn ich diese Fragen auf Bildungsbiographien beziehe, dann ist zum einen das (Schul)-Jahr weder verlorene Zeit, noch endet die Bildungsherausforderung mit dem Ende des Lockdowns.

Von Anne Störmer

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