Celler Arztpraxen bereit für Corona-Impfung: Zum Start gibt's nur Biontech
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Celler Arztpraxen bereit für Corona-Impfung: Zum Start gibt's nur Biontech

11:00 27.03.2021
Von Christian Link
In Mecklenburg-Vorpommern impft Hausarzt Stefan Zutz seine 95-jährige Patientin Ingeborg Ketelhohn am Freitag mit Astrazeneca. Die 9000 Arztpraxen in Niedersachsen sollen Corona-Impfstoffe erst nach Ostern erhalten.
In Mecklenburg-Vorpommern impft Hausarzt Stefan Zutz seine 95-jährige Patientin Ingeborg Ketelhohn am Freitag mit Astrazeneca. Die 9000 Arztpraxen in Niedersachsen sollen Corona-Impfstoffe erst nach Ostern erhalten. Quelle: Jens Büttner
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In Niedersachsen sollen nach Ostern auch die niedergelassenen Ärzte in die Corona-Impfkampagne einsteigen. Aus Sicht des Celler Kreisärztesprechers Rolf Aring ist das höchste Zeit. "Wir haben die Expertise, die Räumlichkeiten und das Personal. Die Arztpraxen können alle sofort anfangen zu impfen", sagt der Internist und Kardiologe stellvertretend für die rund 220 Kassenärzte im Landkreis Celle. Aus seiner Sicht hätten die niedergelassenen Ärzte schon von Anfang an die Arbeit der Impfzentren übernehmen können. "Das war rausgeworfenes Geld, die Arztpraxen sind ja da."

Welche niedergelassenen Ärzte im Landkreis Celle impfen werden, ist noch offen. Genauso wie die Frage, wie viel Vakzin jede einzelne Praxis bekommt. "Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat alle Praxen aufgerufen, sich an den Impfungen zu beteiligen. Dies sind rund 9000 Praxen", sagt KVN-Sprecher Detlef Haffke aus Hannover. Wie viele davon sich tatsächlich an den Impfungen beteiligen werden, sei nicht vorhersehbar. Fest steht laut Haffke aber: "Je mehr Praxen einsteigen, umso geringer ist die Menge des Impfstoffes, der an jede einzelne Praxis verteilt werden kann."

Nur 10 bis 20 Impfdosen pro Arztpraxis?

Letztlich hängt alles von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab. "Es wird einen langsamen Start geben, da bundesweit voraussichtlich in den ersten Wochen nur jeweils rund eine Millionen Impfdosen für die vertragsärztliche Versorgung zur Verfügung stehen. Für Niedersachsen sind dies dann rund 100.000 Impfdosen", sagt Haffke. Die KVN und das Niedersächsische Sozialministerium gehen davon aus, dass jede Arztpraxis zunächst zwischen 10 bis 20 Impfdosen pro Woche erhalten wird. Ende April/Anfang Mai soll der Zufluss an Impfstoffen aber deutlich steigen. Nach Angaben der Bundesregierung werde sich die Menge dann verdreifachen.

Angesichts dieser Zahlen macht sich der Celler Facharzt keine Sorgen, dass er und seine Kollegen durch die Corona-Impfungen überfordert werden. "Eine ganz normale Arztpraxis kann pro Woche locker 100 bis 200 Patienten impfen. Das kriegt man auch im normalen Tagesablauf hin", sagt Aring. Viele Kollegen hätten zudem schon die Bereitschaft erklärt, zusätzliche Impfsprechstunden außerhalb der regulären Sprechzeiten unter der Woche oder auch am Samstag anzubieten.

"Zu Beginn der Impfungen in den Arztpraxen, also in den ersten zwei Wochen, wird ausschließlich der Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft", sagt Haffke. Die Lagerung ist dabei kein Problem. Die Impfdosen sind klein und halten sich in einem handelsüblichen Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius bedenkenlos bis zu fünf Tage. Die anderen Corona-Vakzine von Astrazeneca, Moderna sowie Johnsen & Johnsen überstehen 30 Tage bis sechs Monate im Kühlschrank.

Impfstoff jetzt bestellt, nach Ostern geliefert

Damit sie zum Impfstart nicht leer ausgehen, müssen die Celler Arztpraxen jetzt bei ihren Partnerapotheken aktiv werden. "Die Bestellung für den Impfstart nach Ostern muss Ende des Monats März bei der Apotheke erfolgen, andernfalls kann leider kein Impfstoff geliefert werden", warnt Haffke und sagt: "Selbstverständlich erhalten die Praxen neben dem Impfstoff auch das notwendige Impfbesteck."

Den bürokratischen Aufwand bei den Corona-Impfungen schätzt die KVN als gering ein. "Der Wunsch nach einer schlanken Dokumentation und Meldung ist berücksichtigt worden", sagt Haffke. Die Ärzte müssen die Impfungen wie gewohnt in der Patientenakte vermerken. "Angaben zur Impfindikation sowie die Chargennummer werden später mit der Quartalsabrechnung erfasst und durch die KVen an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt." Einzige Zusatzanforderung: Die Praxen müssen täglich im KVN-Portal einen "eingeschränkten Datensatz" eintragen, damit das RKI das laufende Impfgeschehen verfolgen kann.

Priorisierung bei Impfen für alle verbindlich

"Der Impfstoff ist gerade anfangs noch knapp", betont Haffke. Dementsprechend bittet die KVN zunächst nur die Arztpraxen mit den Impfungen zu beginnen, die in ihren Praxen dauerhaft Patienten aus den Prioritätsgruppen 1 und 2 betreuen – insbesondere über 80-Jährige und "Personen mit medizinischer Indikation". "Später sollen die Praxen nach der Impfverordnung ihre Patienten zur Impfung einladen", sagt der KVN-Sprecher.

Der Forderungskatalog, den die KVN-Vertretung im Vorfeld an das Land Niedersachsen gestellt hatte, ist damit weitgehend erfüllt. Nur bei der Priorisierung konnten sich die Ärzte mit ihrem Ruf nach einer lockereren Handhabung nicht durchsetzen. Dem Wunsch nach einer fairen Vergütung sei die Landesregierung dagegen nachgekommen. "Für die Impfung kann der Arzt 20 Euro abrechnen. Bei einem Hausbesuch kommen noch einmal 35 Euro hinzu", erläutert Haffke und meint: "Die Honorierung ist angemessen."

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