Kunstprojekt

Sponsorensuche gescheitert

Celle verliert Skulpturen von zwei renommierten Künstlern, weil nicht genug Geld zum Erwerb der Werke gesammelt werden konnte.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 06. Jan. 2021 | 08:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 06. Jan. 2021 | 08:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

In diesem Jahr wird die Residenzstadt zumindest um zwei beeindruckende Kunstobjekte im öffentlichen Raum ärmer sein. Der Verbleib des dritten, im Rahmen der „Celler Skulpturenwoche“ 2018 geschaffenen Werks, wird noch verhandelt. Die Skulpturen des niederländischen Künstler Herbert Nouwens sowie den beiden deutschen Metallkünstlern Jörg Bach und Hermann Grüneberg sollten eigentlich nur ein Jahr kostenlos an ihren Standorten bleiben. In der Zwischenzeit hoffte man, genügend Sponsoren gefunden zu haben, die einen Ankauf der Arbeiten für die Stadt ermöglichten. Ein Plan, der offensichtlich gescheitert ist.

Celler konnten Entstehungsprozess begleiten

Es war ein innovativer Gedanke, der vor rund drei Jahren den Künstler Frank Schult das Projekt „Celler Skulpturenwoche“ angehen ließ. Als Protektor der Heitland Foundation hatte er für die „Honneurs“ der Stiftung des Celler Unternehmers Volker Heitland für 2018 unter anderem drei Bildhauer vorgeschlagen. Die Preisverleihung verband sich mit einer neuen Aufgabe. Das Konzept: Drei Künstler, drei neue Skulpturen für einen vorbestimmten Ort, verbunden mit einem offenen Begleiten des Entstehungsprozesses – Zuschauen, wie Kunst entsteht.

Celler Grünflächenamt stellt Flächen zur Verfügung

Mit Unterstützung der Stadt Celle wurde im Spätsommer 2018 das Projekt der Künstler Herbert Nouwens, Jörg Bach und Hermann Grüneberg verwirklicht. Das Celler Grünflächenamt stellte die notwendigen Werkflächen zur Verfügung und übernahm später auch die Aufstellung der fertigen Arbeiten – am Hafen, im Heilpflanzengarten und vor dem Neuen Rathaus. Die Cellesche Zeitung hat damals das Projekt dokumentarisch begleitet. Wie festgelegt übernahm die Heitland Foundation die Aufgabe, Sponsoren zu suchen, um den Verbleib der Skulpturen in Celle sicherzustellen. Die Stadt selbst hatte von Anfang an deutlich gemacht, selbst für einen Teil des Gesamtpreises von rund 100.000 Euro kein Budget zu haben.

Heitland Foundation bei Suche nach Kunstförderern erfolglos

Friedhelm Feldmann, Vorstandssprecher der Heitland Foundation, sagt: „Wir haben 2019 begonnen entsprechende Unterstützer zu suchen, haben potenzielle Sponsoren wie Banken und Unternehmen angeschrieben und Kontakt zu kunstfördernden Verbänden aufgenommen – bislang ohne Erfolg. Was das Objekt „Der Strom“ von Herbert Nouwens am Hafen angeht, so haben wir auch gezielt die Firmen, die am Projekt „Allerinsel“ beteiligt wären, angesprochen. Insgesamt 10.000 Euro wurden in Aussicht gestellten – abhängig von einer positiven Entscheidung der Stadt zur Allerinsel – die bislang nicht vorliegt. Weitere 1000 Euro sollten den Ankauf unterstützen – wenn die vom Künstler angesetzte übrige Kaufsumme zusammen kommt. Die Coronapandemie hat unseren Bemühungen zusätzlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. 2020 hat sich die Heitland Foundation über ihr 40-jähriges Bestehen gefreut – leider ohne entsprechende Feier. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, für jedes der zum Kauf anstehenden Objekte 10.000 Euro aus Stiftungsmitteln beizusteuern – vorausgesetzt eine Einigung bezüglich des Erwerbs findet statt“.

Skulpturenwoche war Herausforderung

Eine öffentliche Suche nach Sponsoren – um möglicherweise auch private Unterstützer für den Ankauf der Skulpturen zu gewinnen – gab es bislang nicht. Ein Ansatz, den Herbert Nouwens – nach inzwischen fast zweieinhalb Jahren „Verlängerung und bereitwilligem Hinhalten ohne Erfolg“ – jetzt aufgreifen wollte und sich deshalb an die CZ gewandt hat: „Ich möchte vorausschicken, ich lebe von meiner Arbeit. Mit ihrer Bezahlung bestreite ich meine Rechnungen, meinen Lebensunterhalt. Ich habe lange geglaubt, dass die Heitland-Stiftung wirklich ihr Bestes tut, um die Skulpturen für Celle zu erhalten. Das Konzept der Skulpturenwoche war für mich eine interessante Herausforderung – auch wenn elf Tage für die Erschaffung eines Kunstwerks in dieser Größe utopisch waren. Ich habe deshalb – wie mein Künstlerkollege Jörg Bach auch – diverse Vorarbeiten geleistet, von der Inspektion des angedachten Aufstellungsortes über Planentwicklung und Entwurf bis hin zu ersten Vorarbeiten in Holland samt Transport“.

"Der Strom" wurde für Celler Hafen konzipiert

„Für den Kauf hatte ich eine sehr angemessene, schon abgerundete Summe von 40.000 Euro veranschlagt. Als sich abzeichnete, dass sich diese Summe nicht beschaffen ließ, habe ich – auch in Anbetracht der Unterstützung durch die Foundation während der Celler Arbeitswoche und der Preisverleihung – noch 25 Prozent Nachlass gewährt. Weniger geht nicht, das wäre unfair meinen anderen Auftraggebern gegenüber, die meinen geforderten Preis akzeptieren und bezahlen – die Skulptur ist ihren Preis wert. Im Laufe der Zeit habe ich diverse Vorschläge gemacht, nichts brachte die Sache weiter. Stattdessen hatte man mir zu verstehen gegeben, ich könnte das bestehende Angebot von derzeit 11.000 Euro annehmen oder die Skulptur wieder abbauen. „Der Strom“ ist für den Celler Hafen konzipiert und passt dort meiner Meinung nach wirklich gut hin. Als ich, um Öffentlichkeit für den Stand der Dinge zu schaffen, an die Zeitung schrieb, wollte ich nicht die Foundation brüskieren, sondern eine letzte Möglichkeit eröffnen, die für Celle geschaffenen Plastik auch dort zu belassen.“

Heitland Foundation zieht sich von Herbert Nouwens Werk zurück

Die Heitland Foundation wertete das Vorgehen Nouwens als Vertrauensbruch. Feldmann erklärt: „Aus unserer Sicht ist es notwendig, dass es erst einen Termin der offiziellen Übergabe geben muss, bevor wir eine Spendenaufrufaktion über die Medien vornehmen. Ferner muss im Vorfeld sichergestellt sein, dass die Künstler ihre Skulpturen in Celle lassen wollen, denn sonst wäre eine „Aufrufaktion“ den Spendern gegenüber nicht gerecht. Selbstverständlich steht es jedem Künstler frei, das von ihm geschaffene Objekt zu vermarkten. Die Art und Weise, wie Herbert Nouwens dies in diesem Fall getan hat, entspricht nicht unserem Verständnis eines vertrauensvollen Miteinanders. Aus diesem Grund ziehen wir uns (was sein Objekt betrifft) zurück. Die zugesagten Sponsorengelder sowie der Zuschuss der Stiftung gehen damit (für ihn) verloren“.

„Skulptur wurde für Celle gemacht“

Die Antwort Nouwens darauf: „Meine Skulptur wurde für Celle gemacht – mit der Absicht, sie dort grundsätzlich zu belassen. Dass dies keine Schenkung wird, sondern das Angebot beinhaltet, die Objekte nach einem Jahr kostenloser „Leihgabe“ zu erwerben, ergab sich deutlich aus der ursprünglichen Abmachung. Ein Übergabetermin kann doch erst festgemacht werden, wenn die akzeptierte Kaufsumme bereitsteht. Aus meiner Sicht wurde nicht alles versucht, um die Objekte für die Stadt kaufen zu können. Ich werde „den Strom“ – so Corona es zulässt – im Frühjahr aus Celle wegholen“.

Jörg Bach wird Skulptur so bald wir möglich abholen

Jörg Bach hat sich auf eine langwierige Preis- oder Sponsoring-Diskussion für seine Skulptur „Meeresrauschen“ gar nicht erst eingelassen: „Es war alles klar ausgemacht, das Fertigen und Aufstellen, die Dauer im Heilpflanzengarten sowie die Zeit, Spenden zu sammeln, um die Plastik zu erwerben. Nachdem Letzteres nicht funktioniert hat, hatte ich mit Friedhelm Feldmann besprochen, die Skulptur im Frühjahr 2020 kurzfristig abzuholen. Corona hat das verhindert. Ich werde meine Arbeit so bald wie möglich abholen und in verschiedenen Ausstellungen präsentieren. Der Kaufpreis wird dann bei 40.000 Euro veranschlagt sein, für die Stadt Celle hatte ich schon den Sonderpreis von 30.000 Euro genannt“.

Plastik "Celler Engel" wird der Stadt Celle überlassen

Einzig Hermann Grünberg hat sich – laut dem Sprecher der Heitland Foundation – im Fall weiteren Ausbleibens von Spenden bereiterklärt, seine Plastik „Celler Engel“ der Stadt für die (von der Stiftung bereitgestellten) 10.000 Euro zu überlassen (ursprünglich waren 27.500 Euro dafür veranschlagt). Mit Hinweis auf die engen Beziehungen zur Foundation hat Grünberg jeden Kommentar dazu abgelehnt.

Von Doris Hennies

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