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„Celle steht auf“ unterstützt bei Telegram Atilla Hildmann

11:24 22.03.2021
Attila Hildmann, Kochbuchautor und Anti-Corona-Aktivist, spricht Mitte 2020 nach einem Autokorso bei einer Kundgebung gegen Corona-Einschränkungen auf dem Washingtonplatz. 
Attila Hildmann, Kochbuchautor und Anti-Corona-Aktivist, spricht Mitte 2020 nach einem Autokorso bei einer Kundgebung gegen Corona-Einschränkungen auf dem Washingtonplatz.  Quelle: Christophe Gateau
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Celle

Das Celler Netzwerk gegen Antisemitismus warnt vor Hassbotschaften und Desinformation auf dem Telegram-Kanal „cellestehtauf“. Der Kanal begleitet die Aktivitäten der gleichnamigen Gruppe, die seit Februar regelmäßig zu Demonstrationen in Celle gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie aufruft.

Antisemitische Verschwörungstheorien auf Telegram

Am 9. März sei auf dem Kanal ein Video veröffentlicht worden, das eine heimliche Weltherrschaft der Rothschilds behauptet, heißt es in einer Pressemitteilung des Netzwerks vom Montag. Dieser antisemitische Verschwörungsmythos sei im 19. Jahrhundert entstanden und werde seitdem immer wieder aufgegriffen. 1940 nutzten ihn die Nationalsozialisten in dem Film „Die Rothschilds“, um die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden Europas propagandistisch vorzubereiten. Damit steht er in einer Reihe mit Filmen wie „Jud Süß“ und „Der ewige Jude“.

"Celle steht auf" teilt rechts-esoterisches Video

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Das auf „cellestehtauf“ geteilte Video „Die Rothschild-Kontrolle“ nimmt die wesentliche Botschaft des NS-Films auf und schreibt sie mit neuen Lügen für die Gegenwart fort." Produziert worden sei das Video von „Kla.tv“ des Schweizers Ivo Sasek, der "mit seinen rechts-esoterischen, antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Medien ein bekannter Akteur der deutschsprachigen verschwörungsideologischen Szene" sei.

Beitrag von Atilla Hildmann geteilt

Bereits am 1. März, so das Celler Netzwerk, habe „cellestehtauf“ einen Beitrag von Attila Hildmann geteilt, gegen den unter anderem wegen Volksverhetzung und des öffentlichen Aufrufs zu Straftaten Haftbefehl erlassen wurde. Weiter heißt es in der Mitteilung: "Der Link auf Hildmanns Kanal führt in eine bizarre Welt von Gewaltphantasien, rechtsextremem Antisemitismus und Antizionismus."

"Demonstranten unterstützten antisemitische Hassreden"

Dazu erklärt Enno Stünkel, für die Volkshochschule Celle im Celler Netzwerk: „Die Nähe von Pandemie-Leugnung und Antisemitismus ist angesichts der Entwicklung der Protestszene in Deutschland insgesamt keine Überraschung. Wir müssen auch vor Ort aufmerksam werden gegenüber Hetze und Propaganda. Wer unter dem Label ‚Celle steht auf‘ auf die Straße geht, muss sich bewusst sein, dass er damit antisemitische Hassreden unterstützt.“

Jens Binner, der die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten im Celler Netzwerk vertritt, fordert: „Politik und Zivilgesellschaft in Celle müssen ein deutliches Zeichen setzen. Antisemitismus darf nicht unwidersprochen bleiben. Wir bitten alle, die Betroffene von antisemitischen Vorfällen sind oder Zeuge werden, sich an die Beratungs- und Meldestelle in Hannover zu wenden.“

Celler Netzwerk gegen Antisemitismus seit 2015

Das Celler Netzwerk gegen Antisemitismus setzt sich seit 2015 für Aufklärung über und Bildung gegen Antisemitismus ein. Ihm gehören an: Jüdische Gemeinde Celle, Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Niedersachsen, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Celle e.V., Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, vhs Celle, Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Celle, Deutsch-Israelische Gesellschaft Hannover.

"Celle steht auf" weist Vorwürfe zurück

Die Organisatoren von "Celle steht auf" haben die Vorwürfe zurückgewiesen. In einer Reaktion vom Dienstag heißt es: "Wir sind eine Gruppe von etwa 20 Personen, die sich gefunden haben, um die aktuelle Situation, insbesondere die gegenwärtigen Maßnahmen unserer Regierung und Verwaltungen zu hinterfragen. Uns geht es in erster Linie um die Menschen, die besonders unter den oft zweifelhaften Maßnahmen leiden und Schaden genommen haben. Da wir in der Findungsphase Zulauf von verschieden Seiten hatten, gingen und kamen einige Mitglieder hinzu." Mit Bestürzung habe man zur Kenntnis genommen, dass auf der öffentlichen Seite bei Telegram ein Beitrag erschien, "der uns in einem völlig falschen Bild erscheinen lässt". Wörtlich heißt es weiter: "Von diesem Beitrag distanzieren wir uns mit Nachhaltigkeit. Der Inhalt widerspricht exakt dem, was wir mit unseren Aktivitäten zum Ausdruck bringen wollen." Der Beitrag sei inzwischen gelöscht worden.

Distanzierung von Hass und Fremdenfeindlichkeit

Abschließend heißt es in der Mitteilung von "Celle steht auf": "Wir distanzieren uns ausdrücklich von Hass und Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in jeder Art. Insofern sind wir dankbar, dass wir durch aufmerksame Beobachter aufmerksam wurden. Unser Selbstverständnis verbietet uns, solche Beiträge in unserem Namen zu veröffentlichen."

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