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CZ-Wettbewerb: Wer hat Celles Horror-Garten?

08:00 01.05.2022
Von Michael Ende
Trendiger Wüsten-Garten: Hier lebt nichts. Das wollen wir ändern.
Trendiger Wüsten-Garten: Hier lebt nichts. Das wollen wir ändern. Quelle: David Borghoff
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Celle

Mit einem Wettbewerb der etwas anderen Art startet die CZ-Artenschutzaktion „Celle blüht auf“ ins neue Gartenjahr: Nachdem wir im vergangenen Sommer die schönsten und artenreichsten Gärten im Celler Land gesucht und prämiert haben, drehen wir jetzt den Spieß um: Gesucht werden jetzt Celles schlimmste, lebensfeindlichste und artenärmste Gärten. Natürlich sollen die nicht so bleiben: Zusammen mit den Besitzern und den Preisgeldern, die sie gewinnen, wollen wir zum Beispiel Schotterwüsten in blühende Oasen verwandeln.

Steinwüsten und Schottergärten liegen im Trend. Quelle: Christian Link (Archiv)

Gegen "Wüsten" - ohne Keule

„Schottergärten“, die aus mit Folie versiegelten Geröllflächen bestehen, die einfach nur abgekippt wurden, damit dort garantiert nichts Grünes wachsen kann, sind bei immer mehr Hausbesitzern beliebt. Ihr einziger „Vorteil“: Man hat garantiert keine Arbeit damit. Ihr Nachteil: Tot ist tot. Dort lebt nichts – und das in Zeiten des grassierenden Artensterbens besonders im Insektenbereich. Biologische Wüsten sind auch „gepflegte“ Rasenflächen, über die nachts ein Mähroboter brummt, damit dort garantiert kein „wildes“ Kräutchen gedeihen kann. Während öde Rasenflächen legal sind, sind „Schottergärten“ laut Niedersächsischer Bauordnung verboten. Die Stadt Celle möchte am liebsten nicht die „Behördenkeule“ gegen Bürger schwingen, die vielleicht einfach nur gedankenlos seien, heißt es aus dem Rathaus.

Zeigen, wie es besser geht

Und hier will der neue „Celle blüht auf“-Wettbewerb ansetzen: Gartenbesitzern, die selbst sehen, dass in ihren Gärten viel zu wenig blüht und summt, wollen wir dabei unterstützen, das Ruder herumzureißen. Wir suchen die schlimmsten Gärten der Stadt. Die muss man nicht selber angelegt haben. Auch wer ein Haus gekauft und ringsumher eine ökologische Wüste vorgefunden hat, kann mitmachen. An Beispielen wollen wir zeigen, dass Gartenpflege Spaß machen und ganz nebenbei vielfältigem Leben Raum bieten kann. Wir helfen dabei, Gärten in Wohlfühloasen für Menschen und andere Lebewesen zu verwandeln.

Wie buntes Gärtnern richtig geht, kann man am "Celle blüht auf"-Beet am Celler Schloss beobachten. Quelle: Michael Ende

Stadt setzt auf positive Anreize

„Super Sache – da sind wir natürlich dabei!“ Das war Oberbürgermeister Jörg Nigges spontane Reaktion, als er von der CZ-Idee erfuhr: „Mit positiven Anreizen und nicht mit Verboten und Zwang zusammen mit unseren Bürgern etwas Positives erreichen. Besser geht es doch nicht.“ Ganz wichtig ist Nigge: „Die Suche nach besonders hässlichen oder gar verbotenen Gärten sollte aber auf keinen Fall in modernes Denunziantentum ausarten.“ Na klar: Wir wollen keinen Ärger verbreiten, sondern gute Laune und buntes Leben. Deshalb dürfen sich Gartenbesitzer auch nur selbst für den Wettbewerb anmelden. Petzen gilt nicht.

3000 Euro Preisgeld für bunte Gärten

„Wir wollen den Leuten zeigen, wie es besser geht“, sagt Jens Hanssen, der als Fachbereichsleiter im Rathaus für alles zuständig ist, was grünt und blüht. Er hat auch die Preise für die Gewinner organisiert: „Wir bieten eine gärtnerische Fachberatung an und unterstützen dann bei der Umgestaltung Ihres Gartens.“ Dafür gibt es auch Geld: Der schlimmste Garten bekommt ein Budget von 1500 Euro, der zweite Platz 1000 Euro und der Dritte 500 Euro. „Damit kann man dann auch wirklich schon etwas machen“, sagt Hanssen, der darauf setzt, dass die Gartenbesitzer selbst mit anpacken: „Was man mit eigenen Händen geschaffen hat, weiß man dann auch zu schätzen.“

Jeder kann etwas tun

Niedersachsens Umweltminister und "Celle blüht auf"-Schirmherr Olaf Lies: Natur fängt im eigenen Garten an. Damit sich Insekten dort wohlfühlen, kann jeder etwas tun." Quelle: David Borghoff

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies freut sich als Schirmherr von „Celle blüht auf“ über die aktuelle Aktion. Auch andernorts im Land, beispielsweise in Emden, werden Horror-Gärten mit ähnlichen Wettbewerben in Garten-Träume umgewandelt. „Natur fängt im eigenen Garten an. Damit sich Insekten dort wohlfühlen, kann jeder etwas tun. Wildkräuter und Beerensträucher, insektenfreundliche Stauden oder Nisthilfen für Vögel ziehen die Vielfalt an. Die Aktion "Celle blüht auf" geht hier einen wichtigen Schritt, denn Schottergärten, monotone, mit Mährobotern getrimmte Zierrasen und Plastikhecken bieten keinen Lebensraum und tragen zur Artenarmut bei“, sagt Lies: „Ich wünsche mir, dass die Aktion wieder viele begeisterte Menschen, die mitmachen, findet und viele Gärten und damit auch ihre Besitzer davon profitieren. Und dazu kommt noch, dass hier dieses Jahr dieser vielleicht erstmal ungewöhnliche, aber umso kreativere Weg gegangen wird. Ich bin überzeugt, dass das noch einmal mehr Menschen begeistern wird, sich an der Aktion in irgendeiner Form zu beteiligen.“

Und so macht man mit

Das "Celle blüht auf"-Team freut sich auch viele Wettbewerbs-Teilnehmer: Maren Schulze und Michael Ende. Quelle: Christian Link

Wenn Sie denken, dass Ihr eigener Garten das Zeug zum Spitzenreiter auf der Negativ-Hitliste hat, dann dokumentieren Sie das bitte mit Fotos und einem erläuternden Text: Warum ist Ihr Garten der schlimmste von Celle? Wichtigstes Kriterium: Das Aufwertungspotenzial muss besonders hoch sein. Das heißt, dass möglichst viel Schotter, Mulch oder Kies, aber gar keine oder kaum insektenfreundliche Pflanzen vorhanden sein sollten. Mitmachen können nur Bürger der Stadt Celle. Bitte senden Sie Ihre gesammelten Scheußlichkeiten als E-Mail mit den Betreff „Horror-Gärten“ bis zum 31. Mai an redaktion@cz.de. Eine Jury wird die Einsendungen sichten, Titelaspiranten vor Ort in Augenschein nehmen und dann die Sieger küren.

Kommentar

Experiment

Mit unserem aktuellen Gartenwettbewerb wagen wir ein Experiment: Denn wir suchen zur Abwechslung mal nicht Gartenbesitzer, die zu Recht stolz auf ihren schönen und artenreichen Garten sind, sondern Celler, denen bewusst ist, dass die Umgebung ihres Hauses deutlich verbesserungswürdig ist. Etwas besser machen – dabei wollen wir mit Unterstützung der Stadt Celle helfen. Und dabei bieten wir nicht nur fachliche Beratung und nützliche Tipps, sondern auch die finanziellen Mittel, um schlimme Gärten in lebens- und liebenswerte Oasen zu verwandeln.

Wir freuen uns auf Celler, die mit offenen Augen durch den eigenen Garte gehen und Verbesserungspotenzial entdecken. Schon allein diese Erkenntnis ist ein kleiner Gewinn – und wer weiß: Vielleicht ist ja auch ein Hauptpreis drin? Hier gilt: Versuch macht klug. Bitte machen Sie mit! In Emden ist ein ähnlicher Hässlichkeits-Wettbewerb mit gärtnerischem Happy End richtig gut gelaufen – und was die Ostfriesen hinkriegen, schaffen wir Celler doch bestimmt auch, oder?

Michael Ende

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