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CZ-Wettbewerb: Celler Gärten als wahre Arten-Reiche

08:00 06.07.2021
Von Michael Ende
Da hat jemand einen grünen Daumen: In naturnahen Gärten ist bunte Vielfalt Trumpf.
Da hat jemand einen grünen Daumen: In naturnahen Gärten ist bunte Vielfalt Trumpf.
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Celle

Sie sind in vielen Gärten auf dem Vormarsch: Beton-Frösche, die stumm an sterilen Rasenflächen hocken, rostige Metall-Schmetterlinge, die über grauen Steinschüttungen flattern, und Plastik-Vögel, die aufgespießt vor Kirschlorbeer-Hecken in ihrer Totenstille durch kaum etwas Lebendiges gestört werden. Diesem destruktiven Garten-Trend, den glücklicherweise längst nicht alle mitmachen, möchte die CZ im Rahmen ihrer Aktion „Celle blüht auf“ etwas erfrischend Positives entgegen setzen: Wir suchen die artenreichsten und lebensfreundlichsten Gärten des Celler Landes. Könnte Ihrer dabei sein? Dann machen sie mit!

Wer gibt den meisten Tier- und Pflanzenarten Unterschlupf?

In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Umweltministerium, dessen Chef Olaf Lies Schirmherr der CZ-Aktion ist, starten wir jetzt einen Wettbewerb zu artenreichen Gärten. Wer gibt in seinem grünen Reich den meisten Tier- und Pflanzenarten Unterschlupf? Dieser Gedanke entstand im Lauf der mittlerweile jahrelangen Diskussion über an sich verbotene, aber dennoch geduldete „Schottergärten“, mit denen manche Hausbesitzer ihr persönliches Umfeld in eine Wüste ganz ohne Tiere und Pflanzen verwandeln – und das in einer Zeit, in der das immer mehr um sich greifende Artensterben eine der größten Herausforderungen ist.

Eine Biene sammelt in einer Kirschblüte Pollen. Quelle: Sven Hoppe

Lieber positiv denken

Sollte man hier nur die „Behördenkeule“ schwingen? Die Behörden haben dazu keine Lust und lassen sich wie das Beispiel Celle zeigt, auch von der Politik nur sehr ungern dazu zwingen. Lies möchte in erster Linie auf die Vernunft der Bürger setzen. Mit positiven Anreizen komme man vielleicht weiter als mit Bußgeldern: „In den Kommunen könnte man wunderbar die schönsten Gärten nach der besten Vielfalt für Natur, Arten und insbesondere Insekten wählen und damit werben.“ Schotter-Gärtner könnten dabei keinen Blumentopf gewinnen. Gute Idee – das machen wir.

 Die Einfluglöcher eines Nistkastens zeigen am besten nach Osten - hier der Landeanflug einer Blaumeise in einer Montage aus fünf Einzelfotos. Quelle: Julian Stratenschulte

Egal wie klein: Platz ist in jedem Garten

Wildbienen, Libellen, Amphibien und Gartenvögel – viele Arten finden in einem Naturgarten einen passenden Platz und Nahrung. „Einen Garten naturnah zu gestalten, ist gar nicht so schwer und muss auch nicht auf einmal umgesetzt werden. Wer sich jedes Jahr ein kleines Projekt vornimmt, unterstützt die Natur langfristig und nachhaltig“ erklärt Nabu-Regionalgeschäftsleiterin Andrea Pohlen. Sie rät, im Gartenjahr 2021 ein bisschen mehr Natur zuzulassen: „Egal ob der Garten fünf oder 500 Quadratmeter groß ist: Für einige heimische Sträucher, etwas Fassadengrün oder einen kleinen Wildblumenfleck ist immer Platz.“

Eine Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) schaut aus der Öffnung eines speziellen Brutröhrchens. Ein sonniges Plätzchen, blühende, abwechslungsreiche Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft - fertig ist das Paradies für Wildbienen. Quelle: Patrick Pleul

Es gibt so viele Ideen

„Es lohnt sich, mit kritischem Blick vernachlässigte Gartenbereiche ausfindig zu machen und diese Schritt für Schritt umzuwandeln“, rät Pohlen. Wer eine sehr sonnige Stelle im Garten habe, könne dort eine bepflanzte Trockenmauer anlegen oder eine Schmetterlingsspirale: „Angelegt wird diese wie eine Kräuterspirale, bepflanzt aber mit Hornklee, Färberkamille oder auch wilder Malve.“ Ebenfalls sonnig mögen es viele Wildblumen. So kann ein Teil der Rasenfläche in eine attraktive Blumeninsel oder Wiese umgewandelt werden. „Das bunte Blütenmeer erfreut das Auge und dient vielen Insekten als Nahrung. Positiver Nebeneffekt: Eine Blumenwiese ist pflegeleicht, sie muss nur zweimal im Jahr gemäht werden, damit die Pflanzen Samen bilden können“, so Pohlen. Wer noch ein wildes Eck mit Brennnesseln stehen lasse, helfe etwa den Raupen des Tagpfauenauges.

 Eine Hummel ist im Anflug auf einen blühenden Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare). Die Pflanzenart aus der Gattung der Natternköpfe (Echium) wird im Volksmund "Blauer Heinrich" genannt. Die Blüten vollziehen einen Farbwechsel von rosa nach blau.  Quelle: Patrick Pleul

Nabu hat jede Menge Tipps parat

Für Fragen rund um die Themen Vögel, Insekten oder Garten hat der Nabu auch eine Infohotline eingerichtet: Telefon (030) 284 984 6000 wochentags von 9 bis 16 Uhr.

Der Sommerflieder ist ein Magnet für Insekten - vor allem Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs sitzen gerne darauf.  Quelle: Bernd Wüstneck

Kommentar

Leben zulassen

Was muss ich tun, um möglichst vielen Arten in meinem Garten ein Zuhause zu bieten? Das dürften sich jetzt all jene fragen, die bei unseren Wettbewerb mitmachen wollen. Eine von ganz vielen Antworten ist: Machen Sie doch einfach mal nichts. Gönnen Sie Rasenmäher, Heckentrimmer, Giftspritze, Anti-Unkraut-Flammenwerfer und Co. eine längere Pause und beobachten Sie, was im Garten sprießt, krabbelt, summt und flattert, wenn der Mensch ganz bewusst mal seinen Ordnungssinn zügelt, die Füße still hält und die Natur machen lässt. Sie werden staunen wie viel Leben sich von ganz allein zu Ihnen gesellt.

Parallel dazu kann man natürlich auch aktiv etwas für den Artenreichtum tun. Blühwiesen, Vogelkästen, Mini-Teiche, Totholzstapel – es gibt so viele Nischen für Pflanzen und Tiere, die der Mensch mit wenig Mühe schaffen kann. Und na klar – das geht sogar auch mit Steinen – allerdings nicht mit folienunterlegten Steinschüttungen à la Eisenbahntrasse, deren einziger Sinn es ist, keinem einzigen Grashalm eine Lebenschance zu bieten. Doch zum Beispiel ein kleiner, abwechslungsreicher, mit Trockenkräutern bewachsener Steinhaufen in einer sonnenbeschienenen Ecke des Gartens kann zum Refugium für Insekten und Eidechsen werden.

Genießen Sie das gute Gefühl, als Mensch nicht ganz allein im Garten zu sein, sondern in einer Oase des Lebens. Und: Bitte lassen sie uns daran teilhaben und schicken Sie uns Impressionen Ihres ganz speziellen Arten-Reiches.

Michael Ende

Tolle Preise für Naturliebhaber: Auf Tuchfühlung mit Tieren und Pflanzen

So kann man mitmachen: Senden Sie bitte Ihren Wettbewerbs-Beitrag  – bestehend aus Foto-Impressionen aus Ihrem artenreichen Garten sowie einer passenden Beschreibung – per E-Mail an redaktion@cz.de. Stichwort: "Arten-Reich". Besonders gute Garten-Ideen wollen wir in der CZ vorstellen. Wessen Garten in die engere Wettbewerbs-Auswahl kommt, den möchten wir aus einer mit Fachleuten besetzten Jury besuchen, die so die Preisträger ermittelt. Meldeschluss ist der 18. Juli. 

Wer einen arteneichen Garten betreut und sich am bunten Leben darin erfreut, der wird jeden Tag belohnt. Zusätzlich dazu soll es für diejenigen, die sich im Rahmen des CZ-Wettbewerbs in Sachen Artenschutz ganz besonders hervor tun, Preise geben, die spezielle Highlights für Naturliebhaber bieten. Bei der Bereitstellung dieser Gewinne geholfen haben das Niedersächsische Umweltministerium sowie das Bündnis „Niedersächsischer Weg“ – eine in dieser Form bundesweit einmalige Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik. Danke dafür!

Die Preise bestehen nicht aus Sachen, sondern aus Erlebnissen, die nicht allzu fern von Celle auf die Gewinner warten. Sie sind für Familien geeignet, und die individuelle Ausgestaltung der Events können die Gewinner selbst vorher festlegen.

Das gilt zum Beispiel für die Tour mit einem Ranger im Biosphärenreservat Elbtalaue (3). Hier erläutert ein Fachmann die Besonderheiten des weitgehend naturnahen Stromtals der Mittelelbe. Mit ihm entdecken die Besucher Tiere und Pflanzen und spezielle Lebensräume, an denen sie sonst vielleicht vorbeigegangen oder – gepaddelt wären.

Mit dem Natur- und Landschaftsführer Uwe Röhrs geht es am 16. oder 23. Oktober rund um den Tütsberg bei Schneverdingen auf eine Exkursion zum Thema Vogelzug (2).

Mit dem Schäfer und seiner Herde durch die Heide (4) geht es zusammen mit Carl Kuhlmann vom Heidschnucken-Hof Niederohe.

Ein Tag mit den Imkern des Celler Instituts für Bienenkunde (1) verschafft faszinierende Einblicke in die Welt der Immen und derer, die sich um ihren Schutz kümmern. „Was wir machen, legen wir zusammen mit den Gewinnern fest“, so Instituts-Leiterin Kirsten Traynor, die diesen Preis spontan zusagte, als sie von der CZ-Aktion erfuhr.

Michael Ende 05.07.2021
Jürgen Poestges 05.07.2021
Gunther Meinrenken 05.07.2021