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Bundestagswahl in Celle: Ziel klar - Weg nicht

17:00 22.09.2021
Von Gunther Meinrenken
Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl am 21.09.2021 in der Celler CD-Kaserne.
Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl am 21.09.2021 in der Celler CD-Kaserne. Quelle: Oliver Knoblich
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Maskenpflicht im Unterricht. Das ist auch nach den neuesten angekündigten Lockerungen für Erst- und Zweitklässler ein absolutes Reizthema. Während die dauergetesteten Schüler einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, können Erwachsene fröhlich zusammen im Restaurant sitzen – das passt nicht zusammen. Erstaunlicherweise waren sich am Dienstagabend alle Kandidaten für die Bundestagswahl beim gemeinsamen Podium von CZ und CD-Kaserne einig, dass die Maskenpflicht für die Schüler abgeschafft werden müsse. "Da fragt man sich, warum das nicht schon längst geschehen ist", stellte CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber, der zusammen mit Redakteur Klaus M. Frieling die Debatte moderierte, fest.

Klimaschutz: AfD stellt sich ins Abseits

Um es vorweg zu nehmen: Die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht blieb das einzige Thema des Abends, bei dem Henning Otte (CDU), Dirk-Ulrich Mende (SPD), Markus Jordan (Grüne), Anja Schulz (FDP), Thomas Ehrhorn (AfD) und Christoph Podstawa (Linke) einer Meinung waren. Ansonsten ging zwar die Problemanalyse oft in die gleiche Richtung, nur über die Lösung waren sich die Kandidaten gar nicht einig. Ausnahme: das Thema Klimaschutz, bei dem Thomas Ehrhorn von der AfD als Einziger die Dringlichkeit des Handelns in Frage stellte.

Die Podiumsdiskussion wurde live im Internet übertragen. Quelle: Oliver Knoblich

Ehrhorn hatte beim Publikum oft einen schweren Stand. Immer wieder reagierten die Zuhörer mit Zwischenrufen auf seine Aussagen. So auch, als er dozierte, dass es zwar eine Veränderung des Klimas gebe, sich die Temperatur der Erde allerdings beständig seit der letzten Eiszeit erhöht habe. "Nur 4 Prozent des CO2-Ausstoßes ist menschengemacht, 96 Prozent gehen auf natürliche Prozesses zurück." Vor diesem Hintergrund würde es nichts bringen, wenn alle Deutschen ihr Auto stehen lassen würden. "Alles, was wir tun, ist völliger Humbug. Wir zerstören unsere Autoindustrie und das alles auf der Basis von nichts", so Ehrhorn.

Alle anderen Bundestagskandidaten des Wahlkreises Celle-Uelzen vertraten eine andere Ansicht. Podstawa war der Erste, der Ehrhorn widersprach: "Die Folgen des Klimawandels sind längst schon da", so der Vertreter der Linken, der auf die zahlreichen weltweiten Dürren verwies. Die Lage sei "dramatisch", sagte Podstawa und forderte den Kohleausstieg bis 2030 und ein Verbot von Kurzflügen. "Die Energiewende wurde zu lange ausgebremst."

FDP will Zertifikatehandel ausweiten

Die FDP setzt auf den Markt als regulierenden Faktor: "Wir wollen den Zertifikatehandel für Schadstoffe ausweiten", erklärte Schulz. Das Prinzip: Nach der Vorstellung der Liberalen müssen die Verursacher der Schadstoffe Zertifikate erwerben, die immer teurer und weniger werden. Irgendwann seien die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, auf klimafreundliche Innovationen zu setzen, statt sich nur freizukaufen. Vor Ort, so Schulz, "muss der ÖPNV ausgeweitet und die Infrastruktur für E-Ladesäulen ausgebaut werden".

CDU setzt auf Anreize, nicht auf Verbote

"Wir müssen über den Weg diskutieren. Nicht Verbote, sondern Anreize führen zum Ziel", betonte Otte, der davon überzeugt ist, dass Deutschland innovativer Vorreiter werden könne. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist davon überzeugt, dass die Zukunft in der E-Mobilität und der Nutzung der Wasserstofftechnologie liege und verwies darauf, dass der Ausstieg aus der Kohle bis 2038 beschlossene Sache sei.

Die Regie hatte die Kandidaten immer gut im Blick. Quelle: Oliver Knoblich

Das war Jordan etwas zu viel Eigenlob für die CDU, die sich so darstelle, als wähnte sie sich an der Spitze der Bewegung. "Nordrhein-Westfalen ist immer schon Spitzenreiter beim CO2-Ausstoß gewesen", so Jordan, der darauf verwies, dass Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet bis zuletzt beim Kohleausstieg gebremst habe, um Kraftwerke im eigenen Bundesland länger laufen lassen zu können. "Der Klimawandel ist die fundamentalste Herausforderung in unserer Kulturgeschichte", so Jordan, der ein jährliches Investitionspaket von 50 Milliarden Euro für den Klimaschutz schnüren möchte.

Celle kann mit Geothermie punkten

Aufs Tempo drücken beim Klimaschutz möchte SPD-Kandidat Mende: "Die nächste Regierung muss die Grundlage legen, dann müssen wir uns jetzt aber auch anstrengen. Wir müssen beim Klimaschutz Arbeitsplätze und den sozialen Zusammenhalt organisieren", sagte Mende, der betonte, dass man nicht nur auf den Stromverbrauch schauen dürfe. "Wir müssen das Thema Wärme betrachten. Hier in Celle haben wir die Firmen, die es können", sagte Mende, der sich wünschte, dass das Thema Geothermie in Niedersachsen und vor Ort präsenter wäre.

Drohnen: Otte und Mende geraten aneinander

Daneben ging es bei der Diskussion noch um Sozialpolitik, Verteuerung der Energiepreise und die Anschaffung von bewaffneten Drohnen für die Bundeswehr. Letzteres Thema war einer der Punkte, bei denen Mende und Otte direkt aneinander gerieten. Als Mende meinte, dass der Schutz der Soldaten an erster Stelle stehe, aber man dieses Thema noch in der Bevölkerung diskutieren müsse, ging Otte, der die Verzögerungstaktik der SPD nicht nachvollziehen kann, in die Offensive. "Seit fünf Jahren ist das in der Debatte. Mit dieser Politik setzen Sie Leib und Leben der Soldaten aufs Spiel." Mende: "Es gibt da draußen tausende Menschen, die sich dazu noch keine Meinung gebildet haben."

Spannend

Von Gunther Meinrenken

Richtet es der Markt? Geht es nur über Auflagen für die Wirtschaft oder schaffen die Unternehmen über Anreize aus eigener Kraft, mehr für den Klimaschutz beizutragen? Die Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl hat noch einmal die unterschiedlichen Ansätze der Parteien und Kandidaten aufgezeigt, wie sie das wohl drängendste Problem der nächsten Jahrzehnte angehen wollen.

Wähler muss entscheiden

Die Wähler müssen nun entscheiden, wem sie mehr zutrauen, welchen Weg sie selbst mitgehen wollen. Das Ziel ist dabei allen klar, nur wollen es die Parteien auf unterschiedlichen Wegen erreichen.

AfD: Stimmenfang am Rand vor Gemeinwohl

Alle Parteien? Nein, die AfD hat sich bei diesem Thema wie schon beim Schutz der Bevölkerung vor der Corona-Pandemie selbst ins Aus katapultiert. "Klimawandel, den gibt es schon seit der letzten Eiszeit. Kann der Mensch dagegen etwas tun? Nein. Also kann man so weitermachen wie bisher." So lautet das Credo der AfD, bei der offensichtlich der Stimmenfang bei Randgruppen mehr zählt, als die Verantwortung für das Gemeinwohl.

CDU macht Boden gut

Der Ausgang der Wahl ist vollkommen offen. Die CDU mit Kanzlerkandidat Armin Laschet hat in den aktuellen Umfragen wieder Boden gut gemacht auf die SPD, die mit Olaf Scholz an der Spitze in die Bundestagswahl geht. Nach Stand der Dinge sind die Grünen mit Annalena Baerbock weit davon entfernt, stärkste Kraft im nächsten Bundestag zu werden.

Wer macht in Celle das Rennen?

Und auch in Celle dürfte es ein spannendes Rennen zwischen Henning Otte (CDU) und Dirk-Ulrich Mende (SPD) geben. Viele Wähler sind noch unentschlossen. Sie sollten ihre Stimme nicht verfallen lassen.

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