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Brücken bauen und Barrieren beseitigen

18:19 04.05.2022
Von Oliver Gatz
In den Werkstätten finden Menschen mit Beeinträchtigung eine Beschäftigung. Es gibt Bemühungen, sie in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
In den Werkstätten finden Menschen mit Beeinträchtigung eine Beschäftigung. Es gibt Bemühungen, sie in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Quelle: Lebenshilfe Celle
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Celle

Sozialgesetzbuch IX, Behindertengleichstellungsgesetz, UN-Behindertenrechtskonvention: Gesetze zur Gleichstellung gibt es seit Start des Protesttages inzwischen viele. Dennoch ist das Ziel einer wirklich inklusiven Gesellschaft nach Ansicht der Celler Lebenshilfe noch lange nicht erreicht. Zu oft würden Menschen mit Beeinträchtigung von der Teilhabe ausgeschlossen. Informationen in Leichter Sprache? An vielen Stellen Fehlanzeige. Als Rollstuhlfahrer spontan einen Zug benutzen? Leider nicht möglich. Als Kind mit Förderbedarf einen Schulplatz an einer Regelschule bekommen? Große Überforderung. Oder wie wäre es mit einem Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt? „Tut mir leid, Sie sind nicht produktiv genug.“

Celler Lebenshilfe fordert Begegnung und Austausch

Damit sich wirklich etwas verändert, brauche es Bewusstseinsbildung, Austausch und Begegnungen, so die Lebenshilfe in einer Mitteilung anlässlich des Protesttages. Das könne nicht funktionieren, wenn Menschen mit Beeinträchtigung weiterhin an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Über Jahrzehnte wurden separate Räume für diesen Personenkreis geschaffen: eigene Wohnangebote, eigene Kindergärten, Schulen und letztlich natürlich auch die Werkstätten. Dies geschah aus der Not heraus, überhaupt erstmal Angebote für Förderung, Unterstützung und Arbeit zu schaffen. So entstanden auch Unternehmen wie die Lebenshilfe Celle gGmbH.

Beeinträchtigte sollen Zugang zu allen Bereichen des Lebens finden

Seit vielen Jahren geht der Ansatz nun jedoch hin zur sogenannten Sozialraumorientierung. Menschen mit Beeinträchtigung sollen Zugang zu allen Bereichen des Lebens finden. Frei nach dem Motto: Mittendrin statt nur dabei. So setzt sich die Lebenshilfe zum Beispiel im Rahmen des sogenannten Budgets für Arbeit dafür ein, Menschen mit Beeinträchtigung sozialversicherungspflichtige Arbeitsangebote auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen und dabei trotzdem die Unterstützung zu erhalten, die sie gegebenenfalls benötigen.

Inklusives Lernen an vielen Orten im Landkreis Celle

Auch im Bereich Bildung tut sich den Angaben zufolge im Landkreis einiges: So kooperiert scho9n lange die Comenius-Schule (anerkannte Tagesbildungsstätte) in Garßen mit der Grundschule Adelheidsdorf und der Blumläger Schule, damit Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam lernen können. Nun gibt es weitere Planungen, Angebote für alle zu schaffen: Neben dem Bau der integrativen Kita „GartenKinder“ in Nienhagen möchte die Lebenshilfe die kooperative Kita Lukenstraße in Bergen übernehmen. In dem Gebäude, das bereits zur Hälfte der Lebenshilfe gehört, wird eine heilpädagogische Kleingruppe mit sieben Kindern mit Beeinträchtigung betreut, während sich in der anderen Hälfte eine Regelgruppe der Stadt Bergen befindet.

Geplant ist nun, hier ab dem neuen Kindergartenjahr Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in enger Kooperation zu begleiten. Gemeinsame Mahlzeiten und Projekte runden das Konzept ab. So werden Brücken gebaut und Barrieren im Kopf beseitigt – und vielleicht ist ein Protesttag wie der 5. Mai dann irgendwann gar nicht mehr nötig.

Marius Klingemann 04.05.2022
Oliver Gatz 04.05.2022
Gunther Meinrenken 04.05.2022