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Celle Stadt Beschlagnahmte Hunde: Waldtierheim kündigt Klage an
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Beschlagnahmte Hunde: Waldtierheim kündigt Klage an
08:08 17.12.2015
Celle Stadt

Zu heftigen Reaktionen führte der gestrige Artikel über den Besitzer der 85 Hunde, die der Landkreis vor rund drei Wochen beschlagnahmt hatte. Das Waldtierheim kündigte Klage wegen Verleumdung gegen Lucas Demond an. Er hatte gesagt, dass seine Tiere dort mit den Dünndarm-Parasiten Giardien infiziert worden seien. In den anderen Tierheimen seien die Infektionen nicht aufgetreten. „Es ist eine absolute Unverschämtheit, uns zu unterstellen, dass sich die Tiere hier angesteckt haben. Das gefährdet unseren guten Ruf“, sagt Heidemarie Welle vom Waldtierheim.

Nach ihren Worten sind auch Hunde im Tierheim Celle mit Giardien infiziert. „Da es ausgewachsene Tiere sind, macht denen das nicht so viel. Wir haben aber alle Pflegefälle bekommen." Insgesamt wurden im Waldtierheim nach Welles Angaben acht Welpen ohne Mutter und drei Französische Bulldoggen untergebracht. Eine von ihnen hatte einen Welpen, eine andere acht Welpen. Diese musste Welle auf Anweisung des Veterinäramtes an den Besitzer herausgeben. „Ich habe dem Besitzer aber gesagt, dass die Tiere krank und eigentlich nicht transportfähig sind“, so Welle. Außerdem hat sie noch eine Mops-Hündin mit sechs Welpen unter ihren Fittichen. Alle sind bei einem Besuch gestern quietschfidel und springen auf dem Gelände herum. Welle zeigt die Hunde, um auch Vorwürfen entgegenzutreten, dass sechs Hunde sterbenskrank seien. „Man sieht ja, dass es ihnen gut geht.“ Drei Tiere seien noch zur Sicherheit beim Tierarzt. Der Zustand sei aber stabil.

Kreisveterinär Dr. Heiko Wessel stützte gestern die Aussagen des Waldtierheims. So seien auch bei Tieren in Garßen Giardien nachgewiesen worden. „Es ist daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diese Infektionen bereits in dem Ursprungsbestand in Roxhüllen erfolgt sind und erst in den Pflegestellen klinisch ausgebrochen sind“, so Wessel.

Der Hundebesitzer sieht das anders und verweist darauf, dass vier Hündinnen aus dem Tierheim in Garßen giardienfrei waren. Das habe ein Schnelltest der Hunde ergeben, die bereits wieder herausgegeben worden sind. Das Ergebnis vom 2. Dezember hat er schriftlich vorliegen.

Zu Wort meldete sich außerdem die Celler Tierärztin Dr. Saskia Voelzke. Auch sie kritisiert den Halter. „85 Hunde auf einem Grundstück sind deutlich zu viele. Zudem gibt es nach meiner Kenntnis keinen Tierarzt, der die Hunde vor Ort betreut“, sagt Voelzke. Für sie ist dieses Vorgehen „Massentierhaltung. Da wird ohne Kontrolle gezüchtet.“ Seriöse Züchter seien im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) organisiert, so dass strenge Kontrollen von Anfang an gewährleistet seien. Zudem seien drei Rassen unüblich.

Lucas Demond räumt ein, dass die Zahl von 85 Hunden hoch sei. Allerdings verweist er darauf, dass viele Tiere zur Pflege bei ihm waren und nicht alle ausgewachsen waren. Zudem seien die Hundewelpen alle in den vorgeschriebenen Zeiträumen geimpft und entwurmt worden. Demond erklärte außerdem, dass er im Verein Deutscher Schäferhunde sei, der an den VDH angeschlossen sei. Bei den Möpsen und den Französischen Bulldoggen sei er nicht zusätzlich in einem Verband.

Meinungsverschiedenheiten gibt es unterdessen zwischen dem Tierheim in Garßen und dem Landkreis. Die Vorsitzende des Celler Tierschutzvereins, Birgit Stephani, sagte, dass es bisher keinen Vertrag über die Unterbringung der Tiere gebe. Kreisrat Michael Cordioli kann das nicht nachvollziehen. „Frau Stephani hat in einer E-Mail vom 11. Dezember selbst darauf hingewiesen, dass mit dem Landkreis ein Betrag pro Hund für die Unterbringung vereinbart worden sei. Diese mündliche Vereinbarung stellt einen Vertrag dar und wird vom Landkreis selbstverständlich eingehalten“, sagt Cordioli.

Noch ist unklar, wie es mit den Hunden weiter geht. Der Kreisveterinär schließt einen Notverkauf weiterhin nicht aus. Allerdings müsse dazu zunächst eine Wertermittlung erfolgen. Das brauche einige Zeit.

Von Tore Harmening